Bier, Sex und gute Laune: So war meine Erasmus-Zeit in Spanien

Bier, Sex und gute Laune: So war meine Erasmus-Zeit

Endlich offiziell Erasmus-Student, dachte sich unser reisereporter Adrian. Doch statt Bücher wälzen stand „interkultureller Austausch“ im Schlafzimmer, Party und Urlaub auf dem Plan. Sein ehrlicher Rückblick:

Adrian Tamm
Girls am Strand.
Lieblingbeschäftigung: Chillen am Strand.

Foto: pixabay.com/donations_are_appreciated

Vor der Abreise

Schon zu Beginn meines Studiums war mir klar, dass ich ein Erasmus-Semester machen würde. Beide Schwestern hatten es vorgemacht und kamen mit tollen (wenn auch sehr unterschiedlichen) Geschichten nach Hause. Ich wollte auch eine Sprache perfekt beherrschen, internationale Freunde gewinnen und ein bisschen Globetrotter-Lifestyle leben. So weit der Plan.

Zum anfänglichen Bewerbungsprozess zählt unter anderem ein Bewerbungsschreiben für deine Wunschstadt sowie das Einreichen von Universitätszeugnissen und eines Lebenslaufs. Dazu kam bei mir noch ein Gespräch mit der zuständigen Koordinatorin. Dabei musste ich dann auch erklären, warum meine Leistungen im zweiten Semester deutlich schlechter waren als noch im ersten. Und die Erklärung war einfach: „Zu viel Sommer!“ Da hatte ich direkt einen Stein im Brett.

Jede deutsche Universitätsstadt bekommt nur begrenzt Studienplätze für ihre Studenten an anderen Erasmus-Universitäten, weswegen ich nicht in meine Wunschstadt Aberystwyth (Wales) kam. Es wurde stattdessen Alicante in Spanien, zusammen mit einem guten Freund. Nach einer Abschiedsparty flog ich Ende August los, einen großen Rucksack auf dem Rücken, alle T-Shirts und jede Menge Bock im Handgepäck.

Flughafen Gate
Bereit zum Abflug Foto: pixabay.com/pexels

Erasmus-Aufenthalt: Die ersten Tage

Nach unserer Ankunft bezogen wir erst einmal ein Hostel, das wir vorher gebucht hatten. Anschließend ging es zügig an den Campus, der wirklich ein Highlight war. Dort herrschen amerikanische Größenverhältnisse, und du fühlst dich wie in einer eigenen Stadt. Sportplätze, Kantinen und weit verzweigte Wege quer über den Campus… Damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet.

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Erster Programmpunkt war für uns die Wohnungssuche. Überraschend schnell hatten wir Erfolg. Nach zwei Anrufen und leichten Sprachschwierigkeiten konnten wir direkt am zweiten Tag eine Wohnung besichtigen.

Wir hatten Glück, die Zimmer waren verhältnismäßig geräumig, die Wohnung sauber und gut ausgestattet. Zwei Tage später waren die restlichen drei Zimmer mit weiteren Erasmus-Studenten aus Italien belegt, es konnte also losgehen.

Und wie es losging. Ganz dem Erasmus-Klischee entsprechend, probierten wir erst mal unsere Spanischkenntnisse im Nachtleben aus, was über Cerveza (Bier) und Chupito (Kurze) nicht wirklich hinausging. Dementsprechend kam es zu feucht-fröhlichen Ergebnissen.

Und natürlich war das die beste Gelegenheit, um direkt weitere Erasmus-Leute kennenzulernen. So waren wir schon nach wenigen Tagen eine größere Gruppe, die nach und nach zu einem mehr oder weniger festen Freundeskreis wurde, wir verbrachten unzählige Stunden am Strand, im Nachtleben und auf Reisen.

In der Uni war ich natürlich auch. Zu Beginn des Semesters mussten diverse Unterlagen ausgefüllt, abgegeben und an die zuständigen Behörden weitergeleitet werden. Dazu musste ich einige Kurse wählen, meine Sportkarte abholen, und es gab die obligatorische Campus-Führung. Ich war nun offiziell ein Erasmus-Student.

Erasmus-Auslandsaufenthalt: Alltag? Eher nicht!

Okay, okay… In der Uni war ich überwiegend nur zum Sportmachen, zum Essen und um auf der Wiese in der Sonne zu liegen. Kurse habe ich äußerst sporadisch besucht, obwohl der Sprachkurs wirklich nett war. Es ging mir mehr darum, Land, Leute und auch ein bisschen mich selbst neu kennenzulernen.

Und genau das würde ich jedem anderen Erasmus-Studenten ebenfalls empfehlen. Man bekommt selten die Gelegenheit, so frei und gleichzeitig intensiv ein Land zu erleben und somit auch neue Seiten an sich selbst zu entdecken.

Ich verbrachte viel Zeit in Cafés (der beste Ort, um mit Spaniern ins Gespräch zu kommen), in Tapas-Läden, in Bars und Clubs. Nebenbei sind wir immer mal wieder gereist und haben uns viel von Spanien angeguckt. Reisepartner fanden sich aus unserer Gruppe immer. Egal ob Valencia, Sevilla oder ein Roadtrip durch das andalusische Hinterland. Spanien ist einfach wunderbar. So befand ich mich in einer sehr angenehmen Filterblase voller guter Laune, Spaß und Abenteuer, aber das muss ja auch mal sein.

Spannend waren auch die Paarungskonstellationen: Ein fröhliches Bettenhüpfen, bei dem jedes Geschlecht in gleichem Maße starkes Interesse an „interkulturellem Austausch“ zeigte.

Spannend waren auch die Paarungskonstellationen (aber diese Erfahrung wird jeder Erasmus-Student für sich selbst machen), ein fröhliches Bettenhüpfen, bei dem jedes Geschlecht in gleichem Maße starkes Interesse an „interkulturellem Austausch“ zeigte. 

Herrliche Episoden nächtlicher Eskapaden gäbe es zu berichten, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Es gab auch Gerüchte über vergebene Personen, die über Monate standhaft blieben, aber wie gesagt – es waren Gerüchte.

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Erasmus: Nutze deine Zeit

Es ist eine sehr individuelle Angelegenheit, wie Erasmus-Studenten ihre Zeit verbringen. Du wirst schnell merken, ob du komplett frei von Unistress dein Semester genießen willst oder ob dich vielleicht gerade die Zeit an der Universität im Ausland bereichert. Beides hat Vor- und Nachteile.

Ein Semester geht jedoch schnell vorbei, und du solltest dir vorher überlegen, ob du bestimmte Orte sehen möchtest oder gewisse Dinge erleben willst. Häufig gibt es nette Kooperationsangebote von Universität und International Office, erkundige dich also nach coolen Möglichkeiten wie geführten Ausflügen oder Kurzreisen. Erasmus machst du (normalerweise) nur einmal, also nutze deine Zeit.

Spaßige Zeiten mit meinem holländischen Kumpel
Ausflug nach Sevilla Foto: Adrian Tamm

Der Abschied von Spanien

„All good things must come to an end…“ Und so ging auch meine Alicante-Zeit zügig vorüber. Schneller als erwartet waren fünf Monate um, und schweren Herzens ließ ich meine temporäre Heimat hinter mir. Auch wenn ich im Nachhinein dazu neige, meine Erasmus-Zeit zu romantisieren, kann ich guten Gewissens sagen, dass es eine unvergessliche Erfahrung war und ich diese Zeit und vor allem meinen Freundeskreis des Öfteren vermisse.

Andererseits war ich aber auch froh, wieder nach Hause zu fliegen und in den ruhigeren Alltag zurückzukehren. Kulturschock mal anders, hier war ich auf einmal nicht mehr der deutsche Casanova und meine kleine spanische Filterblase zerplatzte. Aber auch daran habe ich mich wieder gewöhnt. Die fetten Jahre sind nun mal vorbei.

Das gibt es vor deinem Erasmus-Aufenthalt zu beachten

Das Erasmus-Programm wird von der Europäischen Kommission angeboten und gilt für Studienaufenthalte und Praktika bis zu zwölf Monate. Ein großer Vorteil sind die monatliche Förderung und die wegfallenden Studiengebühren. Für Bafög-Studenten und Studierende mit Kind gibt es noch zusätzliche Förderung. Um am Erasmus-Programm teilzunehmen, musst du dich direkt bei deiner Universität beziehungsweise Hochschule bewerben.

Wende dich für weitere Informationen an das International Office oder das Akademische Auslandsamt deiner Universität. Jetzt musst du noch dein Bewerbungsschreiben, deine Zeugnisse und deinen Lebenslauf einreichen und los geht’s.

Du solltest dir im Vorfeld überlegen, was dir für dein Auslandssemester wichtig ist, und danach deine Wunschstädte wählen. Falls dir Strand und Nachtleben nicht liegen, solltest du dich vielleicht eher für eine ruhigere Stadt entscheiden. Falls diese Dinge genau deins sind, ergibt für dich ein Aufenthalt in Barcelona oder Alicante total Sinn. Weitere Tipps rund um den Auslandsaufenthalt hat der DAAD in einer Checkliste gesammelt.

Tipps für die Erasmus-Zeit vor Ort

Egal ob du in Schweden, Frankreich oder Spanien bist, als Erasmus-Student dürfte am Anfang die Suche nach einem Zimmer stehen. Falls du dich nicht im Vorfeld schon darum gekümmert hast oder die Austausch-Uni passende Angebote bietet, helfen dir meistens Facebook-Gruppen oder ganz klassisch das Schwarze Brett an der Uni.
 
Zu Uni-Beginn solltest du all deine Unterlagen beisammenhaben und dir die notwendigen Stempel und Unterschriften holen, damit die Anrechnungen und andere Formalitäten ohne Komplikationen funktionieren. Auf der Plattform mystipendium.de findest du dazu ein paar Tipps.
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