Wir haben mit Christine Steffen, Referentin für Telekomunikationsrecht bei der Verbraucherzentrale NRW, gesprochen und beantworten die wichtigsten Fragen: 

Wie teuer ist die Handynutzung in der EU?

Seit dem 15. Juni 2017 gibt es keine Roaming-Gebühren mehr im EU-Ausland, die Zusatzkosten wurden abgeschafft. Du zahlst nur noch die Kosten für deinen ganz normalen deutschen Tarif. 

Wichtig: Die Regelung gilt nur für Länder der EU, nicht ganz Europa. Steffen: „Viele Urlauber wundern sich zum Beispiel nach ihrem Urlaub in der Türkei oder in der Schweiz über hohe Handyrechnungen. Aber die Roaming-Verodnung der EU greift in diesen Ländern nicht. In anderen, bei denen man es vielleicht nicht denken würde, wie Norwegen, Island und Liechtenstein hingegen, gilt sie.“

Anbieter dürfen Roamingnutzung einschränken

Es werde jedoch weiterhin eine Ausnahmeregelung geben, wenn der Verbraucher Roamingdienste über den
normalen Gebrauch ausnutzt. Ein solches Ausnutzen der neuen Roaming-Regelung soll als Missbrauch gelten und durch eine „fair-use-policy“ vermieden werden, so Steffen. 

In einem Fragen-und-Antworten-Katalog teilt die Bundesnetzagentur mit, wie Mobilfunkanbieter die Roamingnutzung bei besonders günstigen Inlandstarifen und Tafiren mit unbegrenztem Datenvolumen einschränken dürfen. Als Beispiel: Wenn du im Inland bei einem günstigen Preis eine Sprach-Flatrate, eine SMS-Flatrate und 8 GB Daten bekommst, könnte der Anbieter die Daten auf sechs Gigabyte im EU-Ausland beschränken. Über solche Datengrenzen muss dich dein Anbieter aber in einer Mitteilung informieren.

Der Hintergrund der „fair-use-policy“: Die Roaminggebühren für Kunden fallen zwar weg, die europäischen Telekommunikationsuternehmen können sich aber für die Auslandsnutzung ihrer Kunden weiterhin gegenseitig Kosten in Rechnung stellen.

Wie teuer ist Roaming außerhalb der EU?

Außerhalb der EU gibt es keine einheitliche Regelung: „Das Roaming ist nicht reguliert, die Kosten werden von jedem Anbieter selbst entschieden. Die Smartphone-Nutzung kann dann sehr teuer werden“, sagt Steffen. „Es gilt aber weltweit eine Informationspflicht. Das heißt, beim Einwählen ins fremde Netz muss der Betreiber darüber informieren, wie hoch die Roaminggebühren sind.“ 

Aber aufgepasst beim Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff oder im Flugzeug: „Die Kosten können da schnell explodieren, wenn man nicht aufpasst“, sagt Steffen. 

Ihr genereller Spartipp: „Bei einer Reise ins Ausland zunächst die mobilen Daten ausstellen. So verhindern Urlauber, dass die Datennutzung unbemerkt weitergeht, zum Beispiel, weil sich Wetter-Apps im Hintergrund aktualisieren. Auch die automatische Aktualisierung von Apps sollte vorsichtshalber ausgeschaltet werden.“

Sim-Karte im Ausland kaufen: Sinnvoll?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Es kommt zum Beispiel darauf an, wie lange du im Urlaub bist. „Während es bei einem zweiwöchigen Strandurlaub vielleicht nicht lohnt, kann das bei längeren Auslandsaufenthalten, vor allem außerhalb der EU, anders aussehen“, sagt Steffen. Dies müsse aber jeder für sich anhand seines eigenen Nutzungsverhaltens entscheiden.

Denn es kommt auch darauf an, welcher Medientyp du bist: Telefonierst du nur kurz mit der Family oder willst du Fotos und Videos über Soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste teilen? „Auf jeden Fall sollten Verbraucher die Tarif-Preise vergleichen“, sagt Steffen. Das bedeute selbstverständlich einen Aufwand, könne sich aber lohnen. 

Wohin geht die Reise? Im EU-Ausland ergibt das vielleicht nicht so viel Sinn wie außerhalb der EU, wo es weiterhin Roaminggebühren geben wird.

Falls du jetzt auf die Idee kommen solltest, im EU-Ausland einen günstigeren Mobilfunkvertrag abzuschließen und diesen dann nach deinem Urlaub in Deutschland weiterzunutzen, müssen wir dich enttäuschen. Denn Anbieter können hier nach einer vorigen Warnung an die Kunden bei übermäßiger Nutzung doch Zusatzgebühren erheben.