Nicaragua: Alles so schön bunt hier

Nicaragua bietet mit rauchenden Vulkanen, prächtiger Kolonial-Architektur, dichtem Dschungel und alten Kaffeeplantagen Abenteuer-Feeling pur. Was ein Glück, dass dieses kleine Land bis jetzt vom Massentourismus verschont geblieben ist.

Ehepaar begrüßt sich in Matagalpa.
Freudige Begrüßung in Matagalpa.

Foto: Friederike Ostermeyer

Diese Farben! Alles in Nicaragua scheint zu leuchten. Seien es die ohnehin schon quietscht-bunten Prunkfassaden der spanischen Kolonialbauten, das tiefblaue Wasser des Nicaragua-Sees oder die Millionen Grüntöne wilder Dschungellandschaften und Kaffeeplantagen.

Die karibische Sonne segnet Nicaragua mit einem derart strahlenden Licht, dass du dich schon sehr anstrengen müsstest, um hier auf trübe Gedanken zu kommen. Auf diese Idee kämen die „Nicas“ nämlich auch nicht. Und das, obwohl ihr Land zu den ärmsten Lateinamerikas gehört und einst von blutigen Revolutionskämpfen geschüttelt wurde. 

Kein Einheitsbrei in Nicaragua

Noch steckt der Tourismus in den Kinderschuhen, noch reihen sich hier keine Luxus-Hotelketten aneinander, noch sind die historischen Innenstädte frei von Edelboutiquen, über denen die immer gleichen Designer-Logos prangen. Kein Starbucks, kein H&M, keine Sterne-Restaurants, keine Erlebnis-Center mit Massenabfertigung.

Stattdessen prägen einfache Essens-Stände, fliegende Händler und kleine Handwerksbetriebe das trubel-bunte Straßenbild. Viele nutzen für Transporte und Wege noch immer ihren alten Pferdewagen. Ein eigens Auto? Für die meisten unbezahlbar.

Kulinarisch verhält es sich auch eher simpel. Reis, Bohnen, Kartoffeln, Fleisch, Fisch. Das gibt es überall, manchmal in unterschiedlichen Variationen, gerne auch frittiert. Das war's dann meist auch schon. Vor allem Vegetarier haben es schwer. Nein, wegen des Essens kommt niemand her. 

Durch seine Einfachheit und den karibisch-maroden Charme wirkt das Land auf den ersten Blick touristisch völlig unverdorbe. Doch seit sich herumgesprochen hat, dass Nicaragua mittlerweile zu den sichersten und friedlichsten Reiseländern Mittel- und Südamerikas gehört, wächst das internationale Interesse.

Kutschen in Granada vor den typischen Kolonialbauten.
Typisch Granada: Kutschen, die die Besucher zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt bringen, warten vor den prächtigen Kolonialbauten auf ihre nächste Kundschaft. Foto: Friederike Ostermeyer

Die Märchenstadt Granada

Granada ist die drittgrößte Stadt Nicaraguas und für Kenner zweifellos die schönste in ganz Mittelamerika. Papageienbunte Häuser aus der spanischen Kolonialzeit, erbaut im neoklassizistischen oder neobarocken Stil, reihen sich um die schreiend gelbe Kathedrale und den „Parque de Central“, dem Hauptplatz und Mittelpunkt der Stadt. Bis weit in die Dunkelheit hinein, tobt, spielt, singt, isst und plaudert hier täglich das Leben. 

Granada ist eine übersichtliche Stadt, wie gemacht zum Durchstreifen und Entdecken, am besten zu Fuß. So lohnt sich ein Blick in so manchen Hinterhof, der sich als prächtiger, tropischer Garten entpuppt. Wo sich die Stadtmitte märchenhaft bunt, samt Stuck und Säulen herausgeputzt zeigt, sind die alten Gemäuer der umliegenden Straßen mit einem leichten Grauschleier überzogen, hier und da blättert der Putz ab, davor Bewohner, wippend in ihren Schaukelstühlen vor sich hin dösend. Die leicht verlebte Patina steht der Stadt besser als das Disneyland-perfekte Zentrum.

Nicaragua: Pure Farbenvielfalt!

Keine Touristenmassen, stattdessen herzliche Menschen, guter Rum, knallbunte Kolonialstädte, Dschungel-Magie und rauchende Vulkane. Das ist Nicaragua!

Karibische Insel-Welten auf dem Nicaragua-See 

Granada schmiegt sich direkt an den Nicaragua-See, dem größten Süßwasservorkommen des Landes. Auf dem tiefblauen Wasser, das mit dem strahlenden Blau des Himmels zu konkurrieren scheint, befinden sich mehr als 400 kleine Inseln und eine außergewöhnliche Tier- und Pflanzenvielfalt, die du per Boot erkunden kannst.

Viele der Inseln sind in Privatbesitz und bewohnt, eine davon von einer zahmen Horde Affen, die abgeschottet vom Festland auf Futterspenden von Besuchern angewiesen sind. Andere sind zu kleinen Karibik-Perlen oder abenteuerlichen Piraten-Nestern ausgebaut worden, die du für etwa 60 Euro am Tag mieten kannst. Falls du das nötige Kleingeld hast, nämlich „nur“ 300.000 Dollar, kannst du dir auch eine der noch freien Inseln kaufen. Schnäppchen, oder? 

Insel im Nicaraguasee
Eine der vielen kleinen Inseln im Nicaragua-See vor der Küste Granadas. Foto: Friederike Ostermeyer

Tanz auf dem Vulkan-Krater

Der gesamte Osten des Landes ist von unzähligen Vulkanen übersät. Aus vielen Kratern steigt gut sichtbar unentwegt Dampf auf, vom Rand des berühmten Masaya kannst du sogar direkt in die glühend-wabernde Lavamasse hineinblicken. Allerdings lässt der intensive Schwefel-Gestank kein langes Verweilen zu. Action der etwas anderen Art hat der 728 Meter hohe Cerro Negro zu bieten. Ein tiefschwarzes Ungetüm, ein halbe Autostunde von León entfernt.

Ein Australier hatte die geniale Idee, am Fuße einen Sandboard-Verleih zu errichten. Eine Stunde dauert der Aufstieg, Spaziergang am Kraterrand inklusive. Oben gekommen, erstreckt sich der Blick über eine atemberaubende und mystisch anmutende Vulkanlandschaft. Endlich satt gesehen, geht es per Sandboard die 41 Grad steile, mit Lavageröll übersäte Außenwand wieder hinunter. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer dauert das keine fünf Minuten. Adrenalin pur! Besonders, weil niemand weiß, wann der aktive Cerro Negro wieder ausbrechen wird. Das letzte Mal war es 1999. Die Überwachungsstation hat alles unter Kontrolle. Heißt es jedenfalls. Wenn du schon immer mal über einen Vulkan „tanzen“ wolltest, solltest du dir das auf keinen Fall entgehen lassen. 

Wanderung mit Sandboards auf den Vulkan Cerro Negro.
Sandboarding auf einem aktiven Vulkan? In Nicaragua ist das bereits zu einem Highlight unter Urlaubern geworden. Allerdings muss dafür der 728 Meter hohe „Cerro Negro“ erst einmal bestiegen werden. Foto: Friederike Ostermeyer

Kaffee aus dem Schwarzwald 

Nicaragua ist berühmt für seine Zigarren, seinen Rum und seinen Kaffee. Weit über das Land erstrecken sich große Kaffee- und Tabakplantagen. Einige von ihnen wurden im späten 19. Jahrhundert von deutschen Auswandern gegründet. So findest du dich im Hochland von Matagalpa plötzlich mitten im Schwarzwald wieder. „Selva Negra“ heißt die von Mausi und Eddy Kühl geführte Kaffeeplantage, dessen Namensgebung noch von ihren deutschen Vorfahren stammt.

Um den großen Seerosenteich in der Mitte stehen kleine Fachwerkhäuschen und Blockhütten, im dazugehörigen Restaurant gibt es Schnitzel mit Pommes, zum Nachtisch Apfelkuchen. An den Wänden hängt Werbung für Erdinger Weißbier. „Die Gäste lieben das“, sagt Mausi, die seit über 70 Jahren nicht mehr in Deutschland war und deshalb einen niedlichen Akzent hat. Mehr als 450 Hektar ist die Plantage groß, ein Drittel davon unberührter Urwald. Auch das lieben die Gäste, weiß Mausi, genauso wie Bio, Organic und Fair Trade. Auf ihrer Plantage ist das alles selbstverständlich. 

Mausi Kühl sitzt auf einer Bank auf ihrer Kaffeeplantage „Selva Negra“.
Mausi Kühl, Besitzerin der Kaffeeplantage „Selva Negra“, auf deutsch: Schwarzwald. Foto: Friederike Ostermeyer

Die Idee, auf „Selva Negra“ Unterkünfte für Touristen zu bauen, kam ihr und Eddy vor gut 30 Jahren, als Missernten und überteuerte Kaffee-Preise ihre Existenz ernsthaft bedrohten. Mit den ersten Häuschen kamen die ersten Gäste, zunächst Verwandte aus Deutschland, schließlich Menschen aus aller Welt. Klein Germany, mitten im Dschungel.

Die Rechnung geht auf. Die 23 Hütten und Bungalows, die mittlerweile auf dem Gelände stehen und Platz für 250 Gäste bieten, sind fast immer ausgebucht. „Wir haben hier Bäume“, sagt Mausi. „die sind so alt und groß, dass es 20 Menschen braucht, um sie zu umarmen. Wenn wir dort hinwandern, ist für alle immer ein riesen Spaß.“ Deutschland vermisst sie trotzdem nicht, sagt sie. In Nicaragua sind die Menschen zufrieden, obwohl die kaum etwas haben. Sie leben einfach im Hier und Jetzt und das erweist sich doch meistens als absolut wunderbar. Und Überhaupt: Für Eile hat hier niemand Zeit. Von der tiefen-enstpannten Gelassenheit der Bewohner kann man sich wirklich ein Scheibchen abschneiden. 

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