"Ich habe keine Lösung – ich bin ein Kind. Aber Sie sind erwachsen und haben auch keine!“ Dieser Satz aus dem Mund eines Kindes, in einem Film im Klimahaus Bremerhaven gezeigt, erschüttert. Als Besucher hättest du damit rechnen müssen, dass hier nicht alles glattläuft.

Klima ist ein zu ernstes Thema, doch halt: Das Klimahaus kann so spielerisch sein, so weltumspannend, dass die zwei bis vier Stunden Fußweg durch die Welt zum Lustgewinn werden.

In der Ausstellung geht es um 8 Grad und 34 Minuten. So heißt der Längengrad, der durchs Haus verläuft. Auf dem kannst du um die Welt reisen und dich in Afrika, Amerika, der Antarktis und Alaska umsehen. Die Stationen sind im Gebäude, dessen Form einer riesigen Erdnuss gleicht, aufgebaut.

Da siehst du so einiges: Der Tschadsee hat innerhalb von 30 Jahren die Hälfte seines Wassers verloren. In der Südsee setzt die Korallenbleiche ein. Die Tropenluft zwingt zur Rast in einer Bambushütte. Dann geht es in die Aquarienwelt der bunten Fische. Plötzlich wird es kalt. Riesige Grashalme: Im Klimahaus nehmen die Ausstellungsgäste auch die Perspektive eines Insekts ein. Was für eine Weltreise!

Jäger in Alaska, Tuareg in der Sahara

„Wir haben versucht, die Klimazonen der Welt hautnah nachzustellen“, erläutert ein Sprecher das Konzept. Auf rund 5.000 Quadratmetern eine Weltreise zu unternehmen, bei der einem heiß und kalt wird, ist schon ein Riesenerlebnis. Filme zeigen, wie die Tuareg in der Sahara (über-)leben.

Du kannst ein Tierfell als Trampolin spannen, damit sie beim Hopsen erleben, wie die Jäger in Alaska nach Beute Ausschau halten – all das hilft, die Welt zu verstehen. „Damit der Gast aber auch spielen kann, haben wir mehrere Etagen für kleine Experimente mit Feuer, Erde, Wasser und Luft eingerichtet“, sagt der Sprecher. Perspektiven und Chancen sind auch aufgearbeitet. So bleibt die Hoffnung, dass es wenige Klimaflüchtlinge geben wird.

Flucht, Migration, Auswandern – das wird ein paar Hundert Meter weiter als das zweite große Zukunftsthema vorbildlich dargestellt. Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven hat dafür schon mehrere Preise bekommen, weil es die Dinge so anschaulich auf den Punkt bringt. Der Gast zieht sich eine Karteikarte (boarding pass) und nimmt die Identität eines Auswanderers an. Auf Bildern, in Schubladen oder als Tondokument erfährt er immer mehr über „sich“, über seine für die Zeit des Ausstellungsbesuchs angenommene Persönlichkeit.
 
Ein Pass ist etwa auf Carl Laemmle ausgestellt, der 1884 mit 17 Jahren aus Laupheim in Oberschwaben nach Amerika auswanderte und Hollywood aufbaute. Der Vater kaufte ihm das Ticket von geliehenem Geld, die Mutter war gestorben. Laemmle wurde vom Tellerwäscher zum Geschäftsführer einer Textilfirma, investierte sein Geld in Filmtheater, die fünf Cent Eintritt kosteten.
 
Dann kam der Durchbruch: Mit seiner Firma Universal Pictures produzierte er in den Zwanzigerjahren die Filme „Der Glöckner von Notre Dame“, „Das Phantom der Oper“ oder „Im Westen nichts Neues“. Als Gründer und Vorsitzender der Universal Studios wurde er zum mächtigsten Studioboss aller Zeiten und schrieb Filmgeschichte.

Auswandern nach New York

In Bremerhaven knarzt ein riesiges Schiffsmodell namens „Columbus“ im Wasser auf und ab. Du kannst an Bord gehen und sehen, wie die Klassengesellschaft über den Atlantik reiste. Die Figuren zeigen auch, welchen Schmerz es bedeutete, für immer abzureisen. Manche kehrten sogar wieder um. Von 1821 bis 1914 ließen sich 44 Millionen Europäer nach Übersee verschiffen. Vor allem waren es Briten, Iren und Deutsche. Von Bremerhaven aus fuhren 90 Prozent der 7,2 Millionen deutschen Auswanderer in die USA. Wie sie in New York bei ihrer Ankunft behandelt wurden, wird auch gezeigt – nicht gerade nett. Im Ocean Cinema läuft ein Streifen, der das Leben in der Fremde zeigt. Bilder, Utensilien aus Koffern – alles, was das Los eines Migranten verdeutlicht, ist packend inszeniert. „Wir haben auch Telefonbücher aus den USA hier liegen“, sagt eine Museumssprecherin. „Vielleicht finden Sie Verwandte.“
 
Dazu dienen auch die Computer am Ende des Rundgangs. Die Passagierlisten der Schiffe sind genau abzurufen. Wer wann wohin gereist ist, lässt sich belegen. Unser Emigrant aus Oberschwaben starb im September 1939 in Beverly Hills an einem Herzinfarkt. Wohin die Deutschen heute auswandern, wird dem Gast nicht verheimlicht. Eine Tafel zeigt die aktuellen Werte kurz vor dem Ausgang: Platz eins die Schweiz (20.000 Menschen im Jahr), Platz zwei die USA (14.000), dann Polen und Österreich (jeweils 10.000) – sogar 2.200 Deutsche zieht es jährlich nach China. Mit dem Klima hat das wohl nichts zu tun.