Münster: Eine Liebeserklärung | reisereporter.de

Typisch Münster

Münster ist mit 1.200 Jahren schon ganz schön alt. Aber auch extrem jung und quirlig: Knapp 40.000 Studenten tummeln sich hier. Ein altes Großstädtchen mit Studentenflair.

Der Prinzipalmarkt in Münster mit den schönen Giebelhäusern.
Der Prinzipalmarkt in Münster mit den schönen Giebelhäusern.

Foto: imago/Werner Otto

Der Kontrast macht die Stadt spannend und gibt ihr ein unverwechselbares Flair. Hier sind neun Dinge, die typisch Münster sind:

1. Fahrräder, überall Fahrräder!

Allerwichtigste Regel in Münster: Geh nie, nie, niemals ohne zu schauen über einen Radweg. In der Fahrrad-Hauptstadt gibt’s viel mehr Fahrräder als Einwohner – nämlich mehr als 500.000. Täglich sind mehr als 100.000 Menschen mit dem Rad – der Münsteraner nennt’s auch Leeze – unterwegs. Und die haben (gefühlt) immer Vorfahrt. Das Radwegenetz in Münster ist so gut ausgebaut wie in kaum einer anderen Stadt. Vor allem auf der  „Fahrrad-Autobahn“, der Promenade, ist immer viel los. Der autofreie Ring führt rund 4,5 Kilometer um die Innenstadt.

Fahrradstadt Münster: Der Parkplatz am Hauptbahnhof bietet Platz für etwa 800 Fahrräder.
Fahrradstadt Münster: Der Parkplatz am Hauptbahnhof bietet Platz für etwa 800 Fahrräder. Foto: imago/Rüdiger Wölk

2. Chillen am Aasee

Die Münsteraner lieben ihr Naherholungsgebiet, den Aasee. Der grenzt direkt an die Altstadt. Im Sommer triffst du hier auf Horden von Studenten, die sich auf den Wiesen fläzen, chillen und grillen. Und auf Horden von Joggern, die die 5,5-Kilometer lange Runde (um 1,5 Kilometer erweiterbar) um den See flitzen. 

Du magst es lieber gemütlich? Dann setz dich ins Café A2 an den Aasee-Terrassen – mit Seeblick. Von dort aus kannst du den Booten zuschauen, die übers Wasser schippern. Oder du gehst spazieren. Rundherum gibt’s viel zu sehen, zum Beispiel den Allwetter-Zoo, das Mühlenhof-Freilichtmuseum  und das Naturkundemuseum. Im Sommer findet hier die Montgolfiade, Deutschlands älteste Heißluftballon-Veranstaltung, und die Aaserenaden, ein großes Open-Air-Musikfestival, statt. Der Stausee wurde in den 20er-Jahren künstlich angelegt. 

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Übrigens: Auf dem Aasee hat sich eine der skurrilsten Liebesgeschichten zugetragen. Ein Trauerschwan verliebte sich im Jahr 2006 in eines der weißen Tretboote, das die Form eines Schwans hatte. Mehrere Jahre lang blieb er dem Plastik-Tier treu. 

3. Pillewörmer und Töttchen

Ein zünftiger Abend im traditionsreichen Kuhviertel ist ein Muss für deine Städtereise. Denn die westfälische Küche ist typisch Münster. Im „Pinkus Müller“ oder im „Alten Gasthaus Leve“ sitzt du zum Beispiel unter alten Balken an langen Holztischen. Auf den Teller kommen Töttchen (gekochtes Kalbsfleisch), Möppkenbrot, Himmel und Erde (Blutwurst, Kartoffelpüree, Äpfel & Zwiebeln), westfälischer Schinken oder Pannekoken mit Pillewörmer. „Pillewörmer“ ist übrigens Münsteraner Platt und heißt Regenwürmer. Aber, keine Sorge: Du bekommst Pfannkuchen mit Schinkenstreifen, wenn du das bestellst ... Deftig und gut, die westfälische Küche. Dazu gibt's Pinkus, ein in Münster gebrautes Altbier.

 

4. Tatort & Wilsberg

Münster ist Krimi-Stadt: Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink), Kommissar Frank Thiel (Alexander Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) zählen inzwischen praktisch zum Münsteraner Urgestein. Seit 2002 ermittelt das Tatort-Duo, Wilsberg wurde 1995 zum ersten Mal ausgestrahlt. Pro Jahr werden je zwei Folgen in Münster gedreht. Wenn der Privatdetektiv kommt, verwandelt sich das Antiquariat „Solder“ in „Wilsberg“
Du kannst dich in Münster bei speziellen Krimi-Stadtführungen auf die Spuren der Ermittler begeben. Es gibt auch einen Krimiführer, mit denen du die Stadt allein erkunden kannst.  

 

5. Knuffige Giebelhüüskes

Münster hat eine wunderschöne Altstadt. Am Prinzipalmarkt reiht sich an den Arkaden ein Giebelhüüskes (Patrizierhäuser aus dem Mittelalter) ans nächste. Vor allem in der Abenddämmerung ein toller Anblick, auf den die Münsteraner stolz sind. 

Das bekannteste Gebäude ist das Historische Rathaus. Und das ist nicht nur schön, sondern es zeugt mit seinem Friedenssaal auch von einem welthistorischen Moment. Hier (und in Osnabrück) wurde mit dem Westfälischen Frieden von 1648 der Dreißigjährige Krieg beendet.

Tipp: In der Weihnachtszeit hinfahren, dann sind die Giebelhäuser am Prinzipalmarkt stimmungsvoll beleuchtet. 

Missing Münster. Still warms my heart to return to my study-hometown.

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6. Die Kreativen lieben den Hafen

Münsters Stadthafen ist die  Heimat der Kreativen. Früher war es ein Güterumschlagplatz, heute macht  die Mischung aus moderner Architektur und umgebauten alten Speicherhäusern den Reiz aus. Rund um die Uhr ist immer was los. Büros, Kunst, Kultur, Restaurants und Szeneclubs haben sich hier angesiedelt. Im Sommer chillen Studenten in der Strandbar mit Blick aufs Wasser, im Hot Jazz Club trifft sich die lokale Musikerszene zum Jammen.  

 

7. Lifestyle auf dem Markt

Dichtes Gedränge herrscht zwei Mal pro Woche, Mittwoch und Samstag, vor dem Dom. Dichtes Gewusel herrscht vor allem samstags nach 10 Uhr, aber das gehört dazu. Es gibt eigene Käse-, Bäcker- und Metzger-Gassen sowie den großen Bereich für Blumen, Obst und Gemüse. Was es glücklicherweise nicht gibt: Kitsch und Ramsch, wie du ihn leider inzwischen auf anderen Märkten auch dabei hast. Und da Münster Studentenstadt ist, gibt’s an manchen Ständen sogar Studentenrabatt. Die längsten Schlangen sind übrigens bei Backfisch, Kibbeling und bei den frischen duftenden Waffeln (und das hat einen Grund!).

Der Domplatz ist auch die Wiege Münsters. Auf dem Hügel errichtete der Missionar Liudger vor mehr als 1.200 Jahren ein Kloster, um das die Stadt heranwuchs.

 

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Vor allem bei den Studis beliebt sind die regelmäßigen Flohmärkte von Mai bis September auf der Promenade. Es gibt auch einmal eine Sommernachts-Edition. Auf knapp einem Kilometer wird gefeilscht, bis dir die Ohren rauchen.

8. Die Türmerin

St. Lamberti ist eins der Wahrzeichen Münsters. Aber eigentlich ist die Frau auf dem Dach der Kirche der heimliche Star. 
Denn seit Januar 2014 arbeitet die erste Türmerin in Münster. Vom Kirchturm aus, in 75 Metern Höhe, hält Martje Saljé Ausschau nach Bränden. Eine weit zu hörende Aufgabe ist das „Tuten“. Täglich (außer dienstags) erklingt zwischen 21 Uhr und Mitternacht halbstündlich das Türmer-Horn. Jeweils vier Mal, in alle Himmelsrichtungen, bläst Saljé hinein als Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt ist ein Turmwächter 1481. 

 

9. Send

Was den Hamburgern der Dom ist, den Bremern der Freimarkt und den Münchnern ihr Oktoberfest ist, ist den Münsteranern der Send. Jaaa, okay, okay. Ist größentechnisch nicht unbedingt vergleichbar, aber: Die Münsteraner lieben ihr Volksfest vor der Kulisse des Barock-Schlosses. Drei Mal im Jahr ist Send, im Frühjahr, Sommer und Herbst. Die Schausteller bauen zwischen Altstadt und Schloss ihre 250 Fahrgeschäfte und Buden auf. Im Herbst kannst du dort den ersten Glühwein der Saison schlürfen. 

 

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Die Autorin
Maike Geißler ist Redakteurin, Afrika-Fan, Abenteuer-Suchende. Seit sie drei Monate in Namibia für eine Zeitung gearbeitet hat, ist Fernweh ihr ständiger Begleiter. Hat keine Lust ... mehr
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