13 kuriose Bahnerlebnisse

Eines kann ich der Deutschen Bahn nicht vorwerfen: Langeweile kommt so gut wie nie auf. Ich fahre täglich mit dem Zug. Und es vergeht kaum eine Woche ohne Überraschungen. 

Blauer Himmel und die Sonne scheint: Bei dem Wetter rollt der ICE problemlos über die Schienen. Und sonst?
Blauer Himmel und die Sonne scheint: Bei dem Wetter rollt der ICE problemlos über die Schienen. Und sonst?

Foto: pixabay.com/hpgruesen

1. Freitag, der 13.: Keine Lok am Start

Das kann schon mal vorkommen in der Hektik. Die Waggons des Zuges stehen im Bahnhof. Alle Fahrgäste sitzen im Zug und warten geduldig aufs Losfahren. Passieren tut allerdings Minuten lang gar nichts. Auch keine Durchsage vom sonst so gesprächigen Zugpersonal, das einen morgens in der Bahn vor dem Einschlafen bewahrt.

Auf einmal rumpelt es laut. Es klingt beinahe so, als wäre etwas in unseren Waggon hineingefahren. Die Wagen setzen sich in Bewegung. „Es geht endlich los“, denke ich bei mir. Da hat die Bahn doch glatt die Lok vergessen.

 

2. Zug versäumt Bahnhofshalt

Den einen oder anderen Bahnhof könnte die Deutsche Bahn eigentlich aus ihrem Fahrplan streichen. Zum Beispiel Wolfsburg. Nein, versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen die Autostadt. Der ICE 275 aber offenbar schon. Zuletzt im Dezember 2016 versäumte der Zug den fahrplanmäßigen Halt in Wolfsburg. In 2011 hatten Züge gleich dreimal binnen kurzer Zeit den Bahnhof versehentlich ausgelassen und verärgerten damit zahlreiche Fahrgäste.

 

3. „25 Euro, wenn Sie den Zug verlassen“

Bestechung bei der DB. Im Notfall müssen die Verantwortlichen offenbar zu solchen Mitteln greifen. Fahrgästen wurden Prämien von 25 Euro angeboten, wenn sie den Zug verlassen würden.

Hintergrund: Es ist Winter und die DB versinkt im Chaos. Ein ICE hatte bereits drei Stunden Verspätung und war völlig überfüllt. Aus Sicherheitsgründen, so hieß es in einer Durchsage der DB, könne der Zug erst die Fahrt fortsetzen, wenn einige Passagiere aussteigen würden. Tatsächlich fanden sich genug Fahrgäste, die den ICE verließen und im Winterchaos auf den nächsten Zug warteten.

Fahrgäste auf dem Gang eines überfüllten Zuges in Karlsruhe.
Fahrgäste auf dem Gang eines überfüllten Zuges in Karlsruhe. Foto: imago/PA Photo

4. Oberleitungsstörungen

Besonders im Winter ein alt bekanntes Problem bei der Deutschen Bahn. Sobald es in Deutschland nasskalt wird, frieren die Oberleitungen zu. Wie oft habe ich das schon erlebt? Gute Frage. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Die Probleme fangen schon im Herbst an.

Wie ich im Oktober 2016 während der Fahrt durch eine Durchsage vom Zugpersonal erfuhr, musste mein IC aufgrund vom nassen Laub seine Geschwindigkeit halbieren.

 

5. Im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt

Klimaanlagen in den Zügen der Deutschen Bahn funktionieren im Winter einwandfrei. Das ist schön für die Technik, dem Fahrgast beschert es aber leider kalte Füße und der nächste Schnupfen ist vorprogrammiert.

Im Sommer verlieren manche Klimaanlagen leider ihre Funktion. Ihr kennt das. Die Schweißperlen auf der Stirn werden größer, bis sie sich schließlich einen Weg hinunter bahnen. Den stecheneden Geruch im Zug beschreibe ich an dieser Stelle lieber nicht weiter. 

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält die gehäuften Defekte von Klimaanlagen in ICEs für ein hausgemachtes Problem der internen Wartung. Nach Angaben des Verbandens seien die Probleme vor allem beim Zugtyp ICE 2 aufgetaucht. Die Züge sind inzwischen mehr als 20 Jahre alt.

Im Sommer 2010 fallen während einer Hitzewelle binnen weniger Tage in gut 50 Fernzügen die Klimaanlagen aus. In einem ICE kollabieren mehrere Fahrgäste. Rund 27.000 Bahnkunden erhielten Entschädigungen im Wert von insgesamt knapp vier Millionen Euro.

ICE der Deutsche Bahn AG: Auf der Strecke zwischen Frankfurt und München ist an einem heißen Sommertag die Klimaanlage im ICE ausgefallen.
ICE der Deutsche Bahn AG: Auf der Strecke zwischen Frankfurt und München ist an einem heißen Sommertag die Klimaanlage im ICE ausgefallen. Foto: imago/Ralph Peters

6. Güterzüge vor uns auf dem Streckenabschnitt

Verzögerungen im Betriebsablauf der Deutschen Bahn enden nicht selten genau hier. Eine unangenehme Angelegenheit, wenn es, wie auf der Schiene, keinen Weg vorbei gibt. Minutenlang rollt mein IC auf der Fahrt nach Hannover dem Transportzug hinterher und kommt später und später und noch später am Zielort an. Für mich persönlich nur halb so schlimm, ich habe meinen Laptop vor der Nase und bin bereits im Workflow.

 

7. Zugverspätungen und Ausfälle

Was bei deinem Vorstellungsgespräch oder deinem ersten Date ein absolutes No Go ist, ist bei der Deutschen Bahn leider häufig der Fall. Fünf bis zehn Minuten Verspätung buchst du bei deiner Zugfahrt meistens mit. Daran habe ich mich als Berufspendler gewöhnt. Solange kein Anschlusszug erreicht werden muss, sind zehn Minuten Verspätung zu verschmerzen. Alles darüber hinaus kostet Zeit, Geld und Nerven.

 

8. Anschlusszug verpasst

Nirgendwo habe ich bislang soviel Zeit sinnlos verbraten wie beim Warten auf die nächste Bahn. Verzögert sich bei deiner Reise die Fahrt mit dem ersten Zug um mehr als zehn Minuten, sieht es mit dem Erreichen deiner Anschlusszüge schlecht aus. Denn sie warten in der Regel nicht. Erst recht nicht, wenn sie von einem anderen Bahnunternehmen geführt werden.

Deutsche Bahn, Westfalenbahn und Nordwestbahn scheinen nicht gerne miteinander zu kommunizieren. Im Sinne der Fahrgastzufriedenheit sollten die Unternehmen ihre Kommunikation dringend verbessern. 

 

9. Zugverspätung: Haha, doch nicht!

Die App und die Internetseite der Deutschen Bahn melden Verspätung. Mein IC soll demnach 25 Minuten später kommen. Eigentlich eine nützliche Info, dachte ich mir. In diesem Fall nicht. Als ich nun 15 Minuten vor Abfahrtsbeginn am Bahnsteig eintreffe, ist mein Zug über alle Berge. Was war passiert? Die Bahn hatte plötzlich nur noch fünf Minuten Verspätung. 

 

10. Sitzplatzreservierungen werden nicht angezeigt

Einen Sitzplatz zu reservieren ergibt Sinn, wenn du weißt, dass der Zug voll wird, zum Beispiel an anstehenden Feiertagen. Dummerweise werden diese in vielen Fällen oft nicht (richtig) dargestellt und das hat Folgen. Die Plätze werden von anderen Fahrgästen belegt.

Nun kannst du Herrn Schmidt oder Frau Dreier freundlichst bitten, dass er/sie deinen Platz freimacht. In der Regel funktioniert das problemlos. Unangenehm ist es trotzdem für alle Beteiligten. Besonders ärgerlich ist es natürlich für den Fahrgast, der den Sitz verlässt und sich nun in einem überfüllten Zug einen neuen Platz suchen muss. 

 

11. Wagen Nummer 11 fehlt ...

Wenn ein Waggon des Zuges fehlt, ist es meistens der Bistrowagen. Gut, bei den Preisen kann ich auf den verzichten. Mit etwas Pech könnte es aber auch der Wagen sein, in dem du deinen Sitzplatz reserviert hast. Also lasse ich das lieber auch gleich sein. 

Der Bistrowagen der Deutschen Bahn steht im Bahnhof.
Der Bistrowagen der Deutschen Bahn steht im Bahnhof. Foto: pixabay.com/Juergen Wulff

12. Bahnübergangs- und Weichenstörungen

Zwei technische Defekte, die viel Zeit kosten können. Mein Zug muss warten, bis der Bahnübergang abgesichert beziehungsweise die Weiche korrekt eingestellt ist. Die langjährige Fahrgasterfahrung zeigt, dass die Reparaturmaßnahmen solcher Störungen meistens etwas andauern, bis sie behoben sind. An einem Bahnübergang in Melle, im Landkreis Osnabrück, gibt es ständig Probleme. 

 

13. Toiletten im kompletten Zug defekt

Das habe ich selbst glücklicherweise noch nicht erlebt. Ein Bekannter berichtete mit allerdings davon. In einem Regionalzug waren alle Toiletten ausgefallen. Eine Lehrerin mit 100 Schülern war mit dem Zug unterwegs. Einige von ihnen mussten aufs Klo. Über die Lautsprecher ertönte die Stimme des Zugführers: „Wer eine Flasche bei sich hat, kann durchgehen in den letzten Waggon.“ Medienberichten zufolge hat sich die Deutsche Bahn später für die Durchsage und die entstandenen Unanehmlichkeiten entschuldigt. 

Schild an einer verschlossenen Toilette in einem Intercity Zug der Deutschen Bahn: WC unbenutzbar.
Schild an einer verschlossenen Toilette in einem Intercity Zug der Deutschen Bahn: WC unbenutzbar. Foto: imago/Rüdiger Wöltz

Fazit: Bahnfahren macht Freude, wenn ...

Ich bin gerne unterwegs, egal ob mit dem Auto oder mit der Bahn. Nach mehreren Jahren Erfahrungen als Berufspendler komme ich zu dem Fazit, dass Bahnfahren jeden Tag ein neues Abenteuer bedeutet und zwar für das Zugpersonal und die Passagiere. Dennoch bereitet mir das Bahnfahren Freude. Vorausgesetzt, meine Züge sind pünktlich und die Technik funktioniert.

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Der Autor
Dario Teschner, Multimedia-Redakteur und Reporter vor Ort. „Reisen können, ist eine der schwierigsten Künste. Eigentlich müsste man es im Hauptberuf betreiben.“ (Walter Nissen) Ein ... mehr
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