Disneyland: Goofy plaudert aus dem Nähkästchen

Er war mehr als 20 Jahre lang Goofy. Und verrät, was du noch nicht über Disneyland wusstest (Vorsicht, es ist nicht alles zauberhaft schön!). Ein einmaliger Blick hinter die Kulissen:

Das Schloss im Freizeitpark „Disney World“ ist so imposant, das es schwer ist, das komplette Gebäude auf ein Bild zu bekommen.
Kracht es hinter den Kulissen der Disney-Fassade?

Foto: unsplash.com/Thomas Kelley

Der reddit-Nutzer „Ihaveanotheridentity“ hat nach eigenen Angaben mehr als ein Vierteljahrhundert im Walt Disney World Resort in Orlando gearbeitet. Mehr als 20 Jahre lang steckte er im Goofy-Kostüm. 

Auf reddit.com gibt er in einem AMA (Ask me anythink, deutsch: Frag mich alles) einmalige Blicke hinter die Kulissen. Die Resonanz ist riesig: Mehr als 13.000 Kommentare und Fragen haben andere Reddit-Nutzer gestellt.

Wenn du glaubst, Disneyland wäre nur zauberhaft schön, täuscht du dich. Der 46-Jährige hat zwar viel Gutes erlebt, aber auch Schlechtes und Verrücktes. Er warnt: „Wenn du dir deine magische Besuchserfahrung im Disney-Themenpark erhalten willst, dann rate ich dir, lies nicht weiter.“

Hier kommen elf Dinge, die du noch nicht über Disneyland wusstest:

1. Es gibt ein Disney-Gefängnis

Du dachtest, Disneyland wäre heile Welt? Denkste. Der Park hat sogar ein eigenes „Gefängnis“, erzählt „Ihaveanotheridentity“: „Das ist nur ein Raum über dem Süßigkeiten-Geschäft auf der Hauptstraße. Ein Beamte bringt die Menschen von dort ins örtliche Gefängnis in Orlando.“

Einmal hätte er einer Besucherin sagen müssen, dass ihr Sohn im Gefängnis sei, weil er in einem der Shops etwas gestohlen habe. Das wäre einer seiner schlimmsten Erfahrungen als Park-Mitarbeiter gewesen.

2. Es geht zu wie in der High School ...

... Es gibt die angesagten und die nicht so angesagten Kids. „Manche Pausenräume sind wie die High School, wo die 'coolen' Prinzessinnen (Elsa und Anna) auf der einen Seite sitzen und die 'älteren' Charaktere (Schneemann und Poppins) anhimmeln. Es ist wirklich kindisch.“

Andere Darsteller würden denken, sie seien am Broadway und würden Respekt von den anderen erwarten, erzählt Goofy. Und ... wie sieht’s mit Affären unter Kollegen aus? „So wie in jedem anderen Job auch, denke ich.“

3. Kostüme: Das willst du nicht wissen ...

Stell dir vor, es sind 30 Grad und der Darsteller steckt in einem Plüsch-Kostüm. Er schwitzt. Und schwitzt. Und schwitzt. Eine Kühlung gebe es normalerweise nicht. „Manche der 'Biester' in der großen Parade haben einen Ventilator. Die meisten Darsteller aber schwitzen sich den Dingern zu Tode.“ Wenn du als Besucher nach der Umarmung mit Goofy also feuchte Arme und Wangen hast, nicht wundern ... Uargh ...

Aber, Hoffnungsschimmer, es ist zumindest kein alter Schweiß. Jedes Kostüm werde täglich gewaschen, „sobald der Darsteller es ausgzeogen hat. Die Köpfe werden gereinigt und gelüftet.“

4. Unterirdisches Disneyland

Es gibt ein riesiges Tunnelsystem unter dem Park. Das heißt „Utilidor“ und umfasst den gesamten ersten Stock. „Der Park, den du siehst, wurde darüber gebaut“, erklärt „Ihaveanotheridentity“. In diesen Korridoren hielten sich die Mitarbeiter auf. Sie können so hinter den Kulissen ungestört arbeiten.

Das Tunnelsystem sei an manchen Stellen ziemlich langweilig und anderen ziemlich gruselig, „vor allem unter dem ‚Magic Kingdom‘“. Es gebe zudem zwei Restaurants und einen Friseur. „Der ‚Utilidor‘ war mein Zuhause für mehrere Jahre“, sagt „Ihaveanotheridentity“.

Eine Besonderheit sei das „Automated Vacuum Assisted Collection System“. „eine Reihe von Tunneln, die alle Restaurants mit der Müllhalde hinter dem Fahrgeschäft Splash Mountain verbinden.“ So werde der Müll von den Park-Besuchern unbemerkt entsorgt.

5. Goofy ist stumm

„Wir dürfen nicht mit den Gästen reden, wenn wir unser Kostüm tragen. Niemals. Aber backstage, klar, geht alles. Da habe ich ahnungslosen Neuen gerne dreckige Witze erzählt. Und ich habe eine ziemlich gute Goofy-Lache, aber das hat mich ein paar Jahre Übung gekostet.“

6. Goofys Unterschrift

Die Disney-Charaktere haben eine spezielle Unterschrift. „Wer auch immer grad im Kostüm steckt: Es gibt eine Standard-Unterschrift. Wir haben alle eine Zusammenfassung über den Charakter mit der Beispiel-Unterschrift und versuchen, dass unsere genau so aussieht. Die von Goofy ist einfach, ich kann sie auch von oben nach unten schreiben, hinter meinem Kopf und mit geschlossenen Augen.“

7. Wie wird man eigentlich Goofy?

„Der Bewerbungsprozess ist wie eine Tanz-Audition. Aber es gibt einen Animations-Teil, der lustig ist.“ Zum Beispiel gebe es Aufgaben wie „Warte auf einen Tisch wie Donald Duck“ oder „Mäh den Rasen wie Pluto“. Das Casting unterscheide sich, je nachdem für welche Rolle man sich bewerbe. „Manche müssen einen Mathetest machen, andere mehrere Interviews.“ 

8. Routine? Fehlanzeige.

Einen typischen Arbeitstag als Goofy gibt’s nicht. „Du kannst in jedem der vier Parks, in jedem Resort oder auf einer Veranstaltung eingesetzt werden.“ Nur der Tagesbeginn sei immer gleich: Warm-up und Frühstück. 

9. Goofy sieht nichts. Vertrau ihm kein Kind an.

Die Augen der Goofyfigur sind groß, aber der Darsteller im Kostüm hat nur kleine Sehschlitze. „Das schlimmste ist, wenn Menschen mir ihr neugeborenes Baby geben, um es für ein Foto zu halten. Ich kann kaum was sehen als Goofy, außerdem trage ich riesige Handschuhe oder Pfoten. Warum also lässt du mich dein Baby halten?“

10. Die Illusion und die harte Realität

Goofy mag’s nicht, wenn Eltern ihren Kindern die Fantasie zerstören. „Ich hasse es, wenn Menschen ihren Kindern sagen: ‚Das ist nur ein Mann im Kostüm, hab keine Angst.‘ Das ängstigt die Kinder nur noch mehr.“ 

11. Disneyland ist nicht nett.

Der alte Disney-Zauber sei in den vergangenen Jahren verflogen, sagt „Ihaveanotheridentity“. „Ich habe mich in eine Autogramm-Maschine verwandelt. Aber ich bin meinem Charakter immer treu geblieben, viele andere Darsteller machen das nicht mehr. Das ist traurig.“

Der Hintergrund dafür seien Entwicklungen im Management. „Disney hat seinen Fokus verloren, und die alten Darsteller, die die alten Firmenwerte hochgehalten haben, sind im Ruhestand.“ Heute gehe es vor allem ums Geld. „Früher sind wir Darsteller einfach durch den Park gelaufen und haben mit den Besuchern gespielt. Aber heute sollen wir so viele wie möglich pro Schicht sehen. [...] Pro Besucher oder Familie sollen maximal 30 Sekunden Zeit aufgewendet werden.“

Extra: Goofys Top-Tipps

Goofy kennt den Park in- und auswendig und verrät seine Top-Tipps für Besucher: „Wenn du Nervenkitzel willst, geh in den Tower of Terror. Mit Kindern solltest du unter dem Bahnhof am Magic Kingdom hergehen und dann in ihre Gesichter schauen, wenn sie zum ersten Mal das Schloss sehen. Du willst lachen? Besuch die Laugh Factory oder Turtle Talk. Für den Disney-Zauber: Check die Belle-Area im neuen Fantasyland. Die Bücherei, in der sie Besucher trifft, ist nicht von dieser Welt. Für gutes Essen empfehleich 'Blue Zoo' am Schwan und 'Dolphin' oder 'Victoria and Albert’s' im Grand Floridian oder 'Bohma' in der Wilderness Lodge. [...] Du willst eine große Show sehen? Die Hoop-Dee-Doo Musival Revue.“

Das größte Abenteuer aber: „Lass dich einfach treiben.“

Holt die Taschentücher heraus ...

Es gab da diesen Termin mit der „Make a Wish Foundation“. Sie erfüllt sehr kranken Kindern einen Herzenswunsch. Ein kleiner Junge mit einem Geburtsfehler sehnte sich danach in Goofys Armen zu liegen. Daran erinnert sich „Ihaveantheridentity“ bis heute.

Noch mehr Taschentücher!

Und dann offenbart „Ihaveantheridentity“ noch diesen einen Grund, warum er es im Disneyland so lange ausgehalten hat: Zwei sichtlich vom Schicksal mitgenommenen Mädchen zeigte er den Park und die große Mickey-Mouse-Parade. Es war dieser Moment, als die beiden Mädchen ihr Schicksal kurz vergessen konnten und glücklich waren. „Sie waren in einer magischen Welt und ich konnte nicht glauben, dass ich Teil davon war“, erzählt Goofy. Die wahre Magie gehe eben von den Disney-Charakteren aus. 

Was wurde aus Goofy

Der Goofy-Darsteller wurde nach eigener Aussage nach einem Konflikt mit einem Donald-Duck-Darsteller gefeuert. „Disney hat keine Ahnung, wie groß mein Schmerz und mein Trauma sind“, sagt „Ihaveantheridentity“. Er habe es geliebt, dort zu sein und würde das auch jetzt noch tun. Was für ein trauriges Ende nach mehr als 20 Jahren als magische Figur ...

 

 

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Die Autorin
Maike Geißler ist Redakteurin, Afrika-Fan, Abenteuer-Suchende. Seit sie zwei Monate in Namibia für eine Zeitung gearbeitet hat, ist Fernweh ihr ständiger Begleiter. Hat keine Lust ... mehr
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