Auf seinem Blog berichtet er von diesem kuriosen Erlebnis:

Stellt euch bitte vor, ich würde am Hamburger Jungfernstieg im Januar einen großen Grill aufstellen und mit meinen Kumpels Thüringer, Fleischspieße und Putenschnitzel brutzeln. Ich schätze mal, nach spätestens zehn Minuten hätten wir die Ordnungshüter am Hals. In Palma de Mallorca ist das anders. Da darf jeder in der Innenstadt grillen.

Zumindest am 19. Januar, dem Vorabend zu Sant Sebastià. Das ist das Fest des Schutzheiligen der Stadt. Die Verwaltungsväter von Palma stellen überall Grills auf, feuern die sogar noch an. Dann ziehen Zehntausende mit ihren Grillzangen, Fleischpäckchen und Rotweinflaschen durch die Stadt. Das ist Tradition. Auch bei mir.

Drei Taschen voll mit Würstchen 

Mit besagten Jungfernstieg-Kumpels kaufen wir vorher an einer mallorquinischen Fleischtheke ein, holen uns den einheimischen Macia Batle Tinto und ziehen los. Überall sind Bühnen mit Livemusik und überall glühen diese Grills. Und zwar dort, wo sonst nie gegrillt wird. In der Einkaufsstraße Jaime III, vor der Bar Bosch, sogar vorm Parlament.

Wir nennen das „Angrillen“. Seit acht Jahren sind wir jedes Jahr dabei,inklusive professionellem Equipment. Beim ersten Mal haben wir noch mit einem Schweizer Messer die Würstchen gedreht. Und hatten Verbrennungen dritten Grades.

Zunächst geht's ins „El Corte Inglés“ zum Einkauf und ab 20 Uhr stehen wir am Grill. Wir treffen uns vor der Bar Bosch. Die kennt jeder. Bei den Menschenmassen, die sich zwischen Plaça d’Espanya und Plaça Major schieben, kann man sich schnell verlieren.

Drei Plastiktaschen haben wir gefüllt mit Würstchen aus dem Kühlregal. Die werden extra fürs Fest Sant Seabastià abgepackt. Dazu Mini-Dosen Oliven, so als kleiner Gruß aus der Küche. Und Rotwein aus Consell und Santa Maria. „Tinto de aqui“, wie ich den Verkäufer auf Spanisch gefragt habe.  Ach ja, und natürlich eine Grillzange. Wir haben die letzte im „El Corte Inglés“ gekauft. Schwein gehabt, um in der Grillsprache zu bleiben.

Der Grill steht unter einer Palme

Den ganzen Tag über hat es geschüttet, sogar gehagelt, in den Bergen soll Schnee liegen. In so einem Fall hätten wir wohl den Rotwein auf den Rost stellen müssen. Aber nun ist es trocken. Es ist halb neun und die ganzen Grills in Palma werden von der Stadtverwaltung zum Glühen gebracht. Über der ganzen Stadt verteilt sich in kürzester Zeit ein Dampf, der nach Gebratenem riecht.

Die letzten Male standen wir immer vorm Rathaus, dort wo die Weihnachtsbeleuchtung den Platz überspannt. Dieses Jahr rasten wir unter einer Palme an dieser wunderbaren, kleinen Plaza um die Ecke vom Passeig del Born. Dort wo im Sommer die Nelkenfrauen mit ihren fiesen Tricks die Touristen beklauen.

Jetzt sind nur Ur-Einwohner hier, deutsch spricht – außer uns – niemand. Grillzangen und Korkenzieher kreisen. Jeder legt sein Fleisch, oder sein Würstchen auf den Grill, wendet auch das des Nachbarns. Falls es droht, schwarz zu werden. „Gracias, Amigo“. Man versteht sich. Ich liebe diese Atmosphäre. Hier stehen Banker und Bettler nebeneinander beim Barbecue. Der spanische Schmaus endet kurz nach Mitternacht, als die ersten Regentropfen fallen. Als ich im Hotel bin ist daraus ein Schauer geworden. Timing. Und ein wunderbarer Abend. Wie jedes Jahr.