Ök, ök, ök: Dutzende Seelöwen an der Promenade von Puerto Baquerizo Moreno blöken um die Wette. Wir sind in der Hauptstadt der Galapagos-Inseln auf San Cristóbal. 500 Seelöwen sollen nach der letzten Zählung im Ort leben. Einer hat es sich gerade auf einer Bank gemütlich gemacht. Zwei andere dösen am Straßenrand. Mopeds und Autos, die vorbeiknattern, scheinen die Tiere nicht zu kümmern. Sie schubbern allenfalls mal kurz ihren Pelz an der Bordsteinkante und schnarchen weiter.

Seelöwen begleiten Touristen und Einheimische auf San Cristóbal rund um die Uhr. Tagsüber kannst du ihnen beim Schwimmen und Spielen zusehen, nachts hörst du sie grölen, bölken, rülpsen und husten.

Ök, ök, ök: Seelöwen am Strand der Galapagos-Inseln.
Ök, ök, ök: Seelöwen am Strand der Galapagosinseln. Foto: Britta Matzen

Stephanie und Kyle aus Toronto sind begeistert von den Tieren mit den sanften Augen. „Heute früh habe ich beobachtet, wie eine Seelöwenmutter ihr Baby auf den Felsen gesäugt hat“, berichtet die junge Frau. Die beiden Kanadier sind mit Rucksack und Surfboard unterwegs.

Vor ein paar Tagen seien sie auf Santa Cruz an der Tortuga Bay gewesen. „Ein Traumstrand! Türkisblaues Wasser, schneeweißer, weicher Sand, und überall sieht man Leguane, mit Glück auch pinke Flamingos und Pelikane“, erzählt Stephanie. Heute schippern sie weiter mit dem Schiff nach Isabela. Doch bevor es an Bord geht, werden die zwei von Mitarbeitern des Nationalparks gefilzt. Jede Tasche wird gründlichst auf Muscheln, Sand, Pflanzen oder Samen kontrolliert. „Schmuggeln zwecklos“, meint der Surfer lachend. Das Paar hat nichts zu befürchten – die Kanadier sind sauber und dürfen weiterreisen.

Galapagosinseln: Eins der letzten Natur-Paradiese

Die Galapagosinseln zählen zu den letzten Naturparadiesen dieser Erde. 1.000 Kilometer vor der Küste Ecuadors mitten im Pazifik gelegen, begeisterte die einzigartige Tierwelt schon den britischen Naturwissenschaftler Charles Darwin (1809–1882). Heute strömen Touristen aus aller Welt hierher, um Natur pur und seltene Tiere zu erleben, die keine Scheu vor Menschen haben. „Was die ,Big Five’ Afrikas, sind die ,Big 15’ der Galapagos“, sagt Beate Zwermann vom Reiseveranstalter Galapagos Pro. Dazu gehören außer Seelöwen, Riesenschildkröten, Fregattvögeln, Blaufußtölpeln und Flamingos auch einmalige Pinguin-, Leguan- und Seebärenarten.

Pelikane siehst du zum Beispiel an der Tortuga Bay.
Pelikane siehst du zum Beispiel an der Tortuga Bay. Foto: Britta Matzen

Der Galapagos-Archipel besteht aus mehr als 100 Inseln, die meisten davon sind winzig. 13 Eilande haben eine Fläche von mehr als zehn Quadratkilometern, aber nur fünf sind bewohnt: San Cristóbal, Santa Cruz, Isabela, Floreana und Baltra. Letztere ist nur ein Militärstützpunkt. „1980 lebten 17.000 Menschen auf Galapagos. Heute sind es 35 000“, weiß die Schweizer Reiseführerin Manuela.

Im Jahr 2015 reisten nach Angaben des Galapagos-Nationalparks rund 225.000 Urlauber an, die das gar nicht mehr so abgeschiedene Paradies entdecken wollten. Und jedes Jahr werden es mehr. Die Regierung hat strenge Regeln erlassen, um das sensible Ökosystem vor den Auswirkungen des Besucheransturms zu schützen. „Man darf nicht näher als zwei Meter an die Tiere heran. Außerdem darf man nichts mitnehmen und nichts mitbringen“, sagt Manuela. Im geschützten Bereich des Nationalparks darf man sich nur auf markierten Pfaden in Begleitung von ausgebildeten Guides bewegen. Und ausschließlich in kleinen Gruppen.

Weniger als ein Prozent der Inselfläche werden betreten

„Auf diese Weise werden weniger als ein Prozent der Inselflächen betreten“, sagt unsere Reiseführerin. Auswirkungen haben die Besucherströme ihrer Beobachtung nach dennoch: „Die Anzahl der Blaufuß-Tölpel geht zurück, weil die Touristen zu nahe an den Nistplätzen vorbeigehen.“ Das sei ein hoher Stressfaktor für die Vögel. Der Fremdenverkehr ist die größte Einnahmequelle des Archipels, aber gleichzeitig eine Bedrohung.

Mit dem Fremdenführer Juan Carlos fahren wir von Puerto Villamil auf Isabela aus zum Schnorcheln. Unser Guide aus Ecuadors Hauptstadt Quito, der seit den Achtzigerjahren auf den Inseln arbeitet, soll die besten Spots kennen, wo wir Riesenwasserschildkröten und bunte Fische hautnah erleben können. 45 Minuten dauert die Tour zu den spektakulären Los Tuneles, einem von der Natur erschaffenen Aquarium.

Keine fünf Meter vom Boot entfernt wartet die erste Überraschung auf uns: eine Riesenwasserschildkröte, fast so groß wie wir. Ganz still hockt sie auf dem Meeresboden, reckt nur neugierig den Kopf nach uns. „Sie hält uns für ihre Artgenossen, sie kann schlecht sehen“, erzählt uns Juan Carlos später. Ein Stück weiter leuchtet es rot-golden aus der Tiefe: Ein Schwarm von Goldenray-Mantas zieht unter uns vorbei. Auch Pinguine bekommen wir zu sehen, viele bunte Fische, Riffhaie und Seepferdchen. Berauscht von den Eindrücken fahren wir zurück.

Sierra Negra: Zweitgrößter Vulkan der Welt

Am nächsten Tag geht es auf den Vulkan Sierra Negra. Der Vulkan ist der aktivste der Galapagosinseln und gilt mit elf Kilometern Durchmesser als zweitgrößter Krater der Welt. 2005 ist er zuletzt ausgebrochen. Gut zwei Stunden dauert der Weg nach oben. Der Aufstieg führt vorbei an 100 verschiedenen Farnarten, Gräsern, Kakteen und Guaven-Bäumen. Oben angekommen riechst du Schwefel. Die Wolken reißen auf und geben den Blick frei auf das Innere des Sierra Negra, das tiefschwarz ist.

Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück in Puerto Villamil. Entspannen in der Hängematte ist jetzt angesagt – mit einem kalten Bier oder einer Caipirinha in der Casa Rosada. Die Bar liegt direkt am Strand. Ein lässiger Platz, wo sich Surfer, Rucksacktouristen und Künstler zusammen mit Leguanen, die auf ihren krummen Beinen aus dem Meer gekrochen kommen, zu Chillout-Klängen von der untergehenden Sonne bescheinen lassen.

Islas Encantadas, verzauberte Inseln – das haben schon spanische und portugiesische Seefahrer vor 500 Jahren zu den Galapagos gesagt. Das hier ist auf jeden Fall einer der Orte, wo man gar nicht mehr weg will.

In freier Natur: Überall auf den Galapagos-Inseln leben Leguane.
In freier Natur: Überall auf den Galapagosinseln leben Leguane. Männchen markieren ihr Revier, indem sie sich gut sichtbar auf einen Felsblock setzen. Foto: Britta Matzen

Bevor es zurück in die Heimat geht, wartet noch ein besonderes Erlebnis auf uns: der Besuch eines Riesenschildkrötenreservats. 15 verschiedene Rassen gab es einst auf den Galapagosinseln. Doch durch das Eindringen des Menschen sind vier bereits ausgestorben.

Von geschätzten 250.000 Exemplaren, die einst auf dem Archipel lebten, sind heute noch 15.000 übrig. In Aufzuchtstationen werden deshalb Jungtiere nachgezogen und nach drei bis fünf Jahren ausgewildert. Damit bald wieder noch viel mehr der Reptilien auf und rund um die Galapagosinseln leben.

Im Reservat: Um den Bestand der Riesenschildkröten, der stark geschrumpft ist, zu vergrößern, werden die Tiere nachgezogen.
Im Reservat: Um den Bestand der Riesenschildkröten, der stark geschrumpft ist, zu vergrößern, werden die Tiere nachgezogen. Foto: Britta Matzen