Was mögen wohl die größten Attraktionen Australiens sein? Ayers Rock? Sydneys Harbour Bridge? Oder gar Fosters-Bier, das zwar in aller Welt als ur-australisches Gebräu beworben, auf dem gesamten Heimatkontinent aber quasi nicht ausgeschenkt wird?

An diesem Abend ist es jedenfalls – ganz klischeemäßig – ein Wallaby. Direkt vor dem Hoteleingang auf Daydream Island, einer der Whitsunday-Inseln vor der Ostküste Australiens, grast das putzige Tier. Es dreht seine Ohren, als Gäste vorbeigehen, blickt kurz aufmerksam auf – und senkt seinen Kopf dann doch wieder leicht desinteressiert, um weiter zu futtern. Was können Touristen einem Wallaby in einem Postkartenparadies wie diesem schon antun? 

What... no champagne for me! Joey wasn't to impressed there was no ???? for him @leokbrown1989 #daydreamisland #wallaby #thisisqueensland #seeaustralia

A photo posted by Daydream Island Resort And Spa (@daydreamislandresortandspa) on

Gut 80 Wallabys leben auf Daydream Island, sagt Resortmanager Warren McCorriston. Tagsüber dösen sie versteckt vor dem Anblick jeglicher Besucher am Rande der Insel. Bei Dämmerung machen sie sich auf, um Futter zu suchen. Ein Naturschauspiel, das zwar an vielen Orten Australiens zu beobachten ist – selten jedoch aus solcher Nähe. Kängurus sind gewöhnlich eher scheue Tiere, die schnell davonhüpfen, wenn ihnen jemand zu nah kommt. Hier lassen sie sich, zumindest zum Teil, bereitwillig fotografieren.

Wallabys: Geschäftsidee mit Perspektive

McCorriston sieht die Wallabys als Teil des Gesamterlebnisses von Daydream Island an. Und wenn er von den Tieren erzählt, strahlt er eine ähnliche Gelassenheit aus wie seine Gäste am Pool. Der Name der Insel macht dem Leben hier offenbar alle Ehre, und dabei ist es gar nicht mal die ursprüngliche Bezeichnung dieses Fleckchens im Korallenmeer vor Queensland.
 
Daydream Island hieß einmal West Molle Island, bevor ein findiger Unternehmer in den 1930er Jahren auf die Idee kam, hier ein Urlaubsresort zu gründen. Eine Geschäftsidee mit Perspektive, wie vor allem die zahlreichen Nachahmer beweisen: 17 der insgesamt 74 Inseln der Whitsundays sind heute bewohnt, auf immerhin sieben davon können Touristen übernachten.

Whiteheaven Beach im Naturpark

Die mit 275 Quadratmetern größte Insel, außerdem Namensgeber für alle anderen, ist Whitsunday Island, ein Naturpark und als solcher nicht bewohnt. Doch vor allem Whiteheaven Beach zieht hier Tagesbesucher an. Mit einem Quarzgehalt von 99,7 Prozent gilt dieser gut sieben Kilometer lange Sandstreifen als weißester Strand der Welt. Geologen sind sich bis heute nicht ganz einig, woher dieser einmalige Sand stammt.

Eine Theorie ist unter anderem die Geschichte eines versunkenen Vulkans, die auch an Bord der Ausflugsschiffe zum Whiteheaven Beach gern erzählt wird. In jedem Fall ist es schon ein Erlebnis, sich hier auf ein Sonnenbad niederzulassen: Trotz praller Sonne ist der Sand nicht aufgeheizt – und er ist in der Tat so weiß, dass eine Sonnenbrille unumgänglich wird.

Es sind wohl in erster Linie das klare, warme Wasser, die weißen Strände und der Hauch von Luxus in den Resorts, der diesen Teil Australiens zu einem beliebten Ziel auch unter den Australiern selbst macht. Dabei befindet sich die Hauptattraktion der Whitsundays noch ein paar Seemeilen weiter östlich im Meer: das Great Barrier Reef.

Gewöhnlich reisen Australien-Besucher noch weiter in den Norden Queenslands, um das größte Korallenriff der Welt zu erleben. Im tropischen Cairns, so etwas wie die Hochburg der Rucksacktouristen, starten die Ausflugsschiffe Tag für Tag fast in Reihe zum Great Barrier Reef. Die Fischvielfalt dort oben sei einzigartig, sagen die einen. Auf den Whitsundays dagegen stimme auch das Umfeld, meinen die anderen.

Heart Reef: Wie aus Designerhand geformt

Wie auch immer: Die Whitsundays sind vor allem bei Hochzeitsreisenden ein beliebtes Ziel, weil sie in der Nähe einer ganz besonderen Riffformation liegen, dem Heart Reef, einem Teil des Great Barrier Reefs, das aus der Luft aussieht wie ein aus Designerhand geformtes Herz. Um in den Anblick zu kommen, musst du indes tief in die Urlaubskasse greifen: 260 Dollar (rund 190 Euro) kostet ein Panoramaflug über das Riff. Ein stolzer Betrag – allerdings ist der Blick auf das türkisblaue Meer mit den beeindruckenden Riffformationen wohl auch eines der schönsten Naturschauspiele Australiens.
 
Wer das Riff nicht nur überfliegen, sondern es hautnah erleben möchte, der kann inzwischen auch hier übernachten: Reefsleep nennt sich eine Plattform, die zwar tagsüber von Horden von Kurzbesuchern überschwemmt wird, nachts jedoch einem erlesenen Kreis von Besuchern ein Bett bietet. Und natürlich die Möglichkeit, hier tagsüber zu tauchen und zu schnorcheln.
 
Die meisten Gäste bleiben in der Regel gut behütet in den Hotels und Resorts von Airlie Beach auf dem Festland oder den Inseln der Whitsundays. Die wohl touristischste der 74 Inseln dürfte Hamilton Island sein, wo die meisten Linienflugzeuge aus den australischen Großstädten landen. Hier ist ein Ensemble von Hotels und Appartements entstanden, das sich überwiegend an Entspannung suchende Familien richtet.

Keine Hektik auf Hamilton Island

In großen Hotelkomplexen übernachten sie, oder auch im noblen, streng abgeschotteten Resort Qualia an der Nordspitze der Insel und lassen es sich gut gehen. Nicht mehr und nicht weniger. Hamilton Island ist kein Ort für Hektik oder gar Geschäftsreisende. Wer hierher reist, schlappt in Flipflops durch die Straßen oder rollt mit einem der allgegenwärtigen Elektrobuggys über die Insel, um sich anschließend im Pool bei einem Queensland-Bier mit dem leicht zu merkenden Namen „XXXX“ abzukühlen.
 
Sean, Barista in einem Café im kleinen Inseldorf am Jachthafen von Hamilton Island, lässt keinen Zweifel aufkommen, dass selbst das Arbeiten hier nicht weit von Urlaub entfernt ist. Ob es denn eine Fähre zum Festland nach Airlie Beach von hier aus gebe. Er bejaht prompt, liefert sogar die nächste Abfahrtszeit mit dazu, und fragt dann jedoch, halb erstaunt, halb grinsend: „Aber wer will hier schon weg?“
 
Die Whitsundays sind – wie so vieles im jungen Australien – abseits des Kontinents erst seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Es war James Cook, der sie 1770 entdeckte – am Pfingstsonntag, wie er glaubte, auf Englisch „Whitsunday“. Später wurde rekonstruiert, dass der Name streng genommen nicht ganz korrekt ist – Cook hatte sich offenbar beim Überschreiten der Datumsgrenze im Tag geirrt.