Nach meinem letzten Flug nach Indien hatte ich mir geschworen: Das nächste Mal wird nach Sitzabstandskriterien gebucht. Ich war es leid, jedes Jahr mehr Geld für immer engere Sitze zu bezahlen, meine Beine werden ja auch schließlich im Alter nicht kürzer . Meine Rettung war „Jet Airways“, eine in Europa relativ unbekannte indische Fluggesellschaft, die von Mailand nach Delhi fliegt. Ein für „Economy“ luxuriöser Sitzabstand und feinste indische Küche bestätigten mir, diesmal die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ausgeschlafen und bester Laune lande ich auf dem neuen „Indira Gandhi Airport“ mit der saubersten Flughafentoilette Indiens. Alles blitzt und glänzt. Fast unheimlich, denke ich mir. Auch die einem sonst entgegenschlagende Geruchsattacke von menschlichen Ausdünstungen, faulen Früchten, Abgasen, gemischt mit dem Duft von Räucherstäbchen und Curryküche, fehlt irgendwie. Bin ich wirklich in Indien?

Die Wirklichkeit holt mich ein, als ich feststellen muss, dass mein Pick-up vom Hotel nicht da ist, obwohl dreimal per E-Mail bestätigt. Da ich keinen Reiseleiter zum Beschweren habe, rufe ich Achim an.

„Moin moin Achim, hier ist irgendwie kein Schwein!“
„Welcome to India, nimm Dir ein Taxi, wir sehen uns morgen!“

Mein Freund Achim wohnt im Himalaya, genauer gesagt im Kullu Valley, einem Ausläufer des Himalaya-Vorgebirges im Bundesstaat Himachal Pradesh.

 

Perfect weather to ride in the hills. #royalenfield #enfield #enfieldindia #enfieldbullet #bullet350 #mountainroads

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Die Turboprop der Kingfisher Airways fliegt täglich nur einmal ins Kullu-Tal. Um 6.30 Uhr und auch das nur bei gutem Wetter. Die Alternative einer zwölfstündigen Busfahrt, auch wenn sie noch so pittoresk sein mag, wollte ich mir ersparen – siehe Beinfreiheit. Und mein freundlicher Taxifahrer von gestern, der 24 Stunden durchfährt, um dann die Karre an seinen Bruder zu übergeben, hatte beim Barte des Propheten geschworen, mich um 5 Uhr vom Hotel zum Flughafen zu bringen.

„Inschallah!“ Er ist natürlich nicht da! Aber als Asienreisender hat man immer einen Plan B. Gestern war ich schwer beeindruckt mit der neuen „Metro“ gefahren, die einen klimatisiert in Windeseile sowohl unter als auch über der Erde durch die 12,5-Millionen-Einwohner-Stadt bringt und das mit einem „Security check“ á la Flughafen eines jeden einzelnen Fahrgastes! Aber zum neuen Flughafen fährt die Metro natürlich nicht.

„No problem, Sir!“ Schön, dass auch andere indische Taxifahrer im Auto schlafen und das am liebsten vor Hotels. Auch vor meinem.

Nach einem spektakulären Sturzflug mit geglückter Landung in das von schneebedeckten Zweitausendern umgebene Kullu-Tal atme ich tief ein – und friere! O. K., ich befinde mich in 1.200 Metern Höhe, und im stickigen Delhi war es 41 Grad Celsius. Achim trifft mich in Nagar, in der German Bakery.

„Hey Bro, gut, Dich wiederzusehen, hast du mir das Abschleppseil und das Ladekabel und die Kopflampen mitgebracht, die ich bei Amazon noch bestellt hatte?“
„Logisch, und wo ist mein Bike?“
„Die Enfields sind gerade erst aus Delhi hochgekommen. Wir fahren mit meiner Bullet 500cc zu meinem Haus und machen dann einen Spaziergang zur Werkstatt. Dann kriegst Du schon mal ein Gefühl für die Gegend hier!“

Das Haus ist aus Holz und Stein gebaut. Fachwerk würden wir sagen. Es ist die traditionelle Bauweise dieser Gegend, die leider aus Mangel an fachlich geschulten Handwerkern und den „relativen“ Vorzügen der sehr viel preiswerteren und einfacheren Bauweise mit Beton in Vergessenheit geraten ist. Dass das ‘Farm Haus’ kein Betonklotz ist, ist einem Italiener zu verdanken, der hier vor 30 Jahren mit seiner Familie hergezogen ist, sich selbst in Architektur fortgebildet hat und die traditionelle Bauweise wieder zum Leben erweckt hat. Ganze Dörfer wurden nach seinen Plänen und Anweisungen im alten ‘Kath-Kuni-Stil’ neu errichtet. Er ist Achim’s Nachbar und hat auch alle fünf Häuser der Nachbarschaft an diesem steilen Hang gebaut.

 

Through the Himalayas

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Wir machen unsere kleine Bergwanderung nach Nashala, wo Achims Enfields stehen. Hier wohnt auch Woody Woodbaker, ein Hippie-Urgestein aus Berlin, inzwischen 65 Jahre alt und nebenbei der „Erfinder der German Bakeries“ in Indien. Hätte er sich den Namen damals schützen lassen, in den wilden 70er Jahren, würde er heute wohl in einer Millionärs-Villa residieren. Irgendwo in Bombay. „Im Leben nicht!“, lacht er, und wir laden ihn zu Achims Geburtstagsparty in einer Woche ein.

Endlich! Die Enfield Bullet unterm Hintern bullern wir zurück gen Casa. Durch Pinienwälder und entlang terrassenförmig angelegter Felder und Apfelbaum Plantagen geht es auf einer einspurigen Teerpiste von Kurve zu Kurve. Die Enfield freut sich. Da das Haus an einem Steilhang gebaut ist und nur die ersten hundert Meter von Vierrad-Jeeps bewältigt werden können, gibt es eine kleine Parkbucht für Jeeps und „Gäste“. Danach geht es auf Schotter, Matsch und einer schmalen selbstgegossenen Fahrspur mit gefrästen Rillen mit zwei Haarnadelkurven steil bergab. Rechts ragen spitze Wurzeln aus dem Hang, links gähnt der Abgrund. Achim hält kurz an und grinst:

„Na, glaubst Du, Du schaffst das?“

„Fahr schon!“ Realistische Einschätzungen von gefährlichen und oder lebensbedrohlichen Situationen waren noch nie meine Stärke. „In der Sekunde, wo dein Schwerpunkt und das Spiel mit Vorder- und Rückbremse ihr Eigenleben bekommen, hast Du verschissen!“, denk ich nur kurz. Eine Enfield ist keine KTM. Doch wider Erwarten komme ich da irgendwie runter, und ein Krampfgefühl im Bauch sagt mir, dass ich da morgen auch wieder hoch muss.

 

#kullu_city #beatiful_kullu_valley

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Achim hat einen eigenen Koch aus Nepal, und morgen kommt noch Sigmar aus Hamburg – und dann ab in die Berge!

Mit leicht zittrigen Beinen rauf aufs Bike, und – ich hab’s befürchtet – rauf ist kniffliger als runter. Mit dem Tal-Bein kann man sich halt schlecht abstützen, und kurz bevor ich Achims Maschinenpark um ein Exemplar reduziere, schaffen wir es beide, das schwere Bike wieder aufzurichten und dann Vollgas, erster Gang, vergiss Kupplung, hoch, rauf zur Straße. Wir fahren über Naggar, Jagatsukh entlang des Beas River, immer nördlich Richtung Manali.

Eine traumhafte, gut zu befahrene Straße. Wir zuckeln gemütlich durch kleine Ortschaften. Es gibt kaum Verkehr. Am Straßenrand nur freundlich lächelnde Gesichter. Alle männlichen Wesen tragen die typischen Kullu-Kappen, bestickte Filzdeckel, und überall am Straßenrand wächst jene Pflanze, die Manali zum nord-indischen Mekka für Hippies gemacht hat. „Wie soll denn der ‚War on Drugs’ funktionieren, wenn das Zeug hier wie Unkraut wächst?“, denke ich. „Heißt ja nicht umsonst ‚weed’, also ‚Unkraut’ auf Deutsch.“

Hier, in den relativ kühlen Norden, haben sich seit jeher die Machthabenden und diejenigen, die es sich leisten konnten, zurückgezogen, wenn es im Sommer in der Tiefebene Indiens unerträglich heiß wurde. Wenn dann noch ab Mai der Monsun von der Südspitze Keralas nach Norden wandert, kann man das Regieren und eigentlich auch alles andere vergessen. Das wussten auch die Engländer, welche die gesamte Kolonialverwaltung ihres Empires im Sommer in die sogenannten „Hill Stations“ wie zum Beispiel Shimla verlegten, das von hier ungefähr 200 Kilometer südlich gelegen ist.

Auch die Goa-Freaks der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zog es spätestens ab April hierher. Manali war sozusagen ihre Sommerresidenz und zugleich ihr Einkaufsparadies. Das angeblich beste Dope der Welt wächst im Parvati-Tal gleich um die Ecke. Es heißt „Malana“ oder „Parvati Cream“. Hippies findet man in Manali allerdings kaum mehr. In „Old Manali“ gibt es noch eine kleine Gasse mit den bekannten Goa-Trance-Ganja-Tattoo-Piercing-Gestalten, aber in den überfüllten Internet- Cafés überwiegt das Bild der Backpacker-Normalos und Café-Latte-Yoga-Muttis.

Auch ein famoser Italiener hat in Manali seinen Pizza-Ofen eingerichtet, und so gibt es eine feine Quattro Stagione in 2.050 Metern Höhe.

 

Wir bummeln noch über den Basar von Manali und staunen über den Hotel-Bau-Boom überall im Tal. Die wachsende indische Mittelschicht will reisen – und wie! Das Konzept Urlaub fehlt den Indern jedoch. Es gibt entweder Pilgerfahrten oder die Reisen zu einer Hochzeit bei Verwandten. Da der Inder aber gerne alles Westliche nachmachen will, packt er die gesamte Sippschaft in einen Mini-Bus und fährt irgendwohin, wo es ein Hotelzimmer mit möglichst vielen TV-Satelliten-Programmen gibt.

Dann klappern sie alle Sehenswürdigkeiten mit dem Taxi ab und gehen kurz über den Basar. Dazu ziehen sich die Frauen dreimal am Tag um, und die Männer trinken abends Johnny Walker „Black Label“. Von der Natur kriegen sowohl Männlein als auch Weiblein nichts mit. Wollen sie vermutlich auch gar nicht. Dafür beschimpfen und kommandieren sie die „Locals“ herum, als wären sie die neuen Kolonialherren in ihrem eigenen Land.

Wir wollen weiter nach Norden und zum Solang-Pass in 2.480 Metern Höhe. Kurz hinter Manali geht es rechts ab zum berühmten Rothang-Pass, der aber auf Grund seiner Höhe von knapp 4.000 Metern nur ein paar Monate im Sommer schneefrei, sprich befahrbar, ist, und selbst dann ist die Strecke – aufgrund der zahlreichen Militärkonvois (Nachschub-Route nach Kaschmir) und der unzähligen indischen Touristenbusse – kein Motorradfahrvergnügen. Als groß angelegtes Tunnelprojekt bohrt die österreichische STRABAG im Joint Venture mit Indien einen neun Kilometer langen Tunnel durch das Gebirge, der, wenn er 2016 fertiggestellt ist, den ganzjährig befahrbaren Manali-Leh/Ladakh Highway in 3.300 Metern Höhe bilden wird.

Wir begnügen uns mit dem östlich gelegenen Solang-Pass, und ich komme plötzlich auf den aberwitzigen Gedanken, dass mir hier vielleicht so ein Yeti, einer dieser geheimnisumwitterten Schneemenschen vor die Kamera läuft. Das wird auch bald der Fall sein! Aber ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe. Denn nun erreichen wir die Baumgrenze und wundern uns erst einmal über die über eintausend (sie sind wirklich durchnummeriert!) Bretterbuden links und rechts der Straße, die alle sogenannte „Snow Dresses“ anbieten. In grellen Neonfarben für 100 Rupies, was ungefähr 1,60 € entspricht.

Jetzt, da die Straße urplötzlich endet, sind wir mitten drin in einem Indian Tourist Hot Spot: Zwischen den Bretterbuden eine Talstation für einen Skilift, unzählige Hang-Gliding-Möglichkeiten, Fahrgeschäfte für die Kleinen, Quadbike-Vermieter und Old-School-Maulesel-Reiten. Überall wird gegessen, getrunken, fotografiert und gelacht.

Doch wir sind die einzigen „echten“ Touristen hier, und ich bekomme mehr „Schneemenschen“ vor die Linse als ich mir vorgestellt habe. In die „Snow Dresses“ nämlich, die überall in den Buden vermietet werden, zwängen sich alle Inder, die in ihrem Leben noch keinen Schnee gesehen haben und offensichtlich panische Angst vor Erfrierungen oder Schlimmerem haben. Auf dem Parkplatz wird der Kunstseide-Overall (one-size-fits-all!) übergestülpt – und dann auf, ins eisige Abenteuer! Es ist Anfang Mai und 23 Grad warm, und eigentlich liegt jetzt kaum noch Schnee hier, aber wer bin ich, um mich darüber zu mokieren? Frag’ mal einen Inder, was in ihm vorgeht, wenn er übers Oktoberfest zieht!

Wir brechen früh auf, da wir ungefähr sechs Stunden im Sattel sitzen werden. Und wie überall in Indien ist es angeraten, bei Tageslicht anzukommen. Diesmal geht es in südliche Richtung entlang des Beas River. Kurzer Chai Stop (Teepause) am Waterfall Café. Wir überqueren den Fluss bei Kullu, einstmals bekannt unter dem Namen „Kulanthpitha – 
„das Ende der bewohnbaren Welt“, inzwischen eine uncharmante 100.000 Einwohner zählende Stadt, wie es sie zu Tausenden in Indien gibt, inklusive dem üblichen Verkehrschaos.

Kurz hinter dem Flughafen, zehn Kilometer südlich von Kullu, biegen wir bei Bajaura rechts ab und sind damit wieder die „Kings of the Road“. Kein Verkehr, eine Serpentine nach der anderen, Fahrspaß pur. Überall sehen wir Aprikosen-, Kirschen-, Pflaumen-, ja selbst Kiwi- und Mandelbäume auf den intensivst genutzten Terrassenfeldern. Aber vor allem Apfelbäume! Überall, wohin das Auge blickt. Himachal Pradesh ist der „apple orchard“ Indiens mit einer Anbaufläche von über 18.000 Hektar und einem Jahresertrag von 80.000 Tonnen, das sind 9.000 Lkw-Ladungen! Leider hat die übereifrige Verwendung von Pestiziden die Bienenpopulation so gut wie vernichtet, und so beginnt man auch hier verstärkt über „organic farming“ nachzudenken.

Schepper! Klonk! Mein Vordermann Sigmar verliert seinen Auspuff.
„No, problem!“, sage ich. „Jetzt hat sie erst den richtigen Sound!“

Sigmar aus Hamburg ist bei Achims Motorradreisen ebenfalls Wiederholungstäter. Genauso wie Allan aus London, der mit zwei Reifenpannen innerhalb von vier Stunden dazu beiträgt, dass Sandeep, Achims Mechaniker und „Rundum-Helferlein“, der uns mit dem Jeep auf diesem Trip hinterherfährt, alle Hände voll zu tun hat.

Wir fahren über Kandi, verfahren uns kurz in Paddar und erreichen nach einer spektakulären Fahrt auf einer Geröllpiste über einen kilometerlangen Bergrücken mit unendlicher Sicht nach links und rechts auf die grünen, sanft auslaufende Hügellandschaften wieder einen Gebirgspass: Jhatingiri, in 2012 Metern Höhe. Hier, am Scheitelpunkt, gibt es einen lebensbejahenden „Masala Tea“. Hier ist es so karg, kalt und stürmisch, dass man sich fragt, warum hier überhaupt vier bewohnte Häuser stehen.

Nach sechs Stunden Fahrt für lächerliche Tour von 136 Kilometern (Durchschnittsgeschwindigkeit 22,5 Kilometer pro Stunde) kommen wir müde, erschöpft und hungrig endlich in Barot an. Wir belegen das nettere von den zwei Guest Houses des Dorfes, und uns ist es schon fast egal, dass wir das Abendessen, welches wir bei der Ankunft gegen 18 Uhr bestellt hatten, um 23 Uhr vor die Tür gestellt bekommen. Dafür hat Achim dann am nächsten Morgen ein paar Inder zusammengefaltet, als es ums Bezahlen ging.

Am nächsten Tag fällt uns die Entscheidung leicht, einfach hier zu bleiben, denn es regnet Bindfäden und ist bitterkalt, und den Thermo-Regenkombi habe ich auch zu Hause gelassen – ich wollte ja schließlich nach Indien!

Die Straße endet in Barot. Deshalb verfährt sich kaum ein indischer Tourist hierher, außer ein paar Forellenfischer, denn mitten durch das Dorf braust ein gewaltiger Schmelzwasser-Fluss, der auch mit Wehren und Schleusen kaum zu bändigen ist. An diesem Morgen habe ich dann auch noch ständig ein leicht dumpfes Rauschen im Ohr, wie ich es zuletzt nach einem Iggy-Pop-Konzert empfunden hatte. Ist Flusskrach eigentlich eine Lärmbelästigung?

Es geht also wieder die gleiche Strecke zurück, diesmal aber über Mandi. Wir überqueren den Bea River bei Pandoh, diesmal ohne Brücke, ‘offroad’ sozusagen, und fahren am linken Flussufer auf einer jetzt sehr gut ausgebauten Straße Richtung Nord-Ost. In Larji, 975 Meter hoch, geht es rechts ab zum höchsten Punkt unseres Trips. Eine Haarnadelkurve nach der anderen klettern und kämpfen wir uns den Jalori-Pass hinauf, bis zu einer Höhe von 3.223 Metern. Hier liegt der Schnee noch meterhoch, und länger als für eine Chai-Pause und ein Foto will man sich hier auch nicht aufhalten. Ein herangrollendes Gewitter lässt Böses erahnen. Ein paar Kilometer unterhalb des Jalori-Passes finden wir Unterschlupf in einem komfortablen Guest House, wo wir diesmal auch mit wirklich köstlichen indischen Gerichten verwöhnt werden. Nur mit dem Bier ist das so ein Problem. Himachal Pradesh ist „Strictly Hindu State“. Das heißt, es gibt nur sehr wenige lizensierte „Wine Shops“, die Alkohol verkaufen dürfen und auch das nur zu saftigen Preisen. Aber Motorrad fahren ohne Bier geht ja wohl gar nicht, und so muss Sandeep mit seinem Jeep schon mal ein paar Umwege fahren, um bei den spärlich gesäten Distributoren die Biervorräte aufzukaufen, bevor die durstige Horde einfällt.

Abends erfahren wir noch durch BBC World Radio, dass die Navy Seals Osama Bin Laden ausgeschaltet haben, und dass man in New York in den Straßen tanzt. Ich aber spüre, wie weit, weit weg von all dem ich hier bin.

Home on the Ranch, und wir feiern Achims Geburtstag. Woody hat einen Kuchen gebacken, und wir trinken indischen Wein aus Puna. Achim erzählt uns, wie er es vom „Busfahrer für Rockbands“ zum Motorrad-Reise-Anbieter in Asien gebracht hat, und Woody berichtet mit einem leicht nostalgischen Schmunzeln, wie er mit 23 Jahren von Berlin mit dem Mofa nach Indien gefahren ist, schließlich irgendwann Hunger auf gutes Brot hatte, von seiner Mutter ein Päckchen Dr.Oetkers Trockenhefe geschickt bekam, um dann die erste „German Bakery“ in Asien aufzumachen.

Aber das ist eine andere Geschichte...