Spar dir diese 10 Sehenswürdigkeiten in Wien

Das Schreckliche an Städtetrips? Wahrzeichen, Kirchen, Museen und Sehenswürdigkeiten, die „man gesehen haben muss“. Wien hat mehr als genug davon, aber auch einiges, was du dir wirklich sparen kannst.

Das Schloss Schönbrunn, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Wien.
Das Schloss Schönbrunn, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Wien. Wir sagen dir, welche du dir sparen kann.

Foto: imago/Schöning

Wien eignet sich perfekt für einen Städtetrip: Verkehrstechnisch gut angebunden im Herzen Europas hat die drittgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum kulturell und kulinarisch unheimlich viel zu bieten – selbst ein verlängertes Wochenende reicht schon aus, um einen guten Eindruck von Österreichs Hauptstadt zu gewinnen. Die Sache hat nur einen Haken. In Wien reihen sich Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen an Wahrzeichen. Wer wenig Zeit mitbringt, läuft Gefahr, sich zu verzetteln und seine Zeit mit vermeintlichen „Must-Sees“ zu vergeuden. Hier erfährst du, worauf du beim Sightseeing deines Wien-Besuchs getrost verzichten kannst – und wo du wirklich hin musst.

1. Wiener Riesenrad im Prater

Bei seiner Eröffnung im Jahre 1897 zählte das Wiener Riesenrad zu den größten seiner Art. Leider konnte sich damals kaum jemand die Fahrt mit dem Riesenrad leisten. Der Fahrpreis lag bei knapp einem Drittel eines durchschnittlichen Beamtengehalts. Auch heute ist der Preis mit aktuell 9,50 Euro für Erwachsene stolz, lediglich die Dimensionen haben sich doch etwas verändert. Als fester Bestandteil der Skyline gehört das Riesenrad zu Wien wie das Schnitzel und Sissi beziehungsweise Sisi, wie sie vor den Ernst-Marischka-Filmen noch hieß. Die Aussicht ist gut, aber sicher nicht die beste, die du in Wien haben kannst. Der höchste Punkt von 64,75 Metern ist leicht zu toppen (siehe unten).

Unglücklicherweise wird die Sicht im Riesenrad zudem zuverlässig verstellt – von fotografierenden Touristen, die sich in den Waggons rundum frei bewegen dürfen. Getrübt wird das Riesenradvergnügen zusätzlich durch das obligatorische Foto vor dem Einsteigen und die leidige „Exit Through The Gift Shop“-Mentalität.

Alternative: Eine bessere Aussicht gibt es auf dem DC Tower oder Kahlenberg. Wer möchte, dass es sich um ihn dreht, verbringt einen Abend in einem der legendären Clubs U4 oder Flex.

Das Riesenrad ist fester Bestandteil der Skyline in Wien.
Das Riesenrad ist fester Bestandteil der Skyline in Wien. Foto: Sarah van den Berg

2. Hundertwasserhaus Wien

Organische Formen, bunte Farben und überraschende Akzente – das Werk Friedensreich Hundertwassers lohnt es, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Das Wiener Hundertwasserhaus ermöglicht dies jedoch nicht. Was den Scharen an Touristen, die täglich dort hin pilgern nicht bewusst ist: Es handelt sich um ein Wohnhaus, dessen Bewohner ein ganz normales Leben führen wollen. Ein ganz normales Leben in einem besonders schönen Haus, aber nichtsdestotrotz ein normales Leben. Entsprechend werden keine Führungen und Besichtigungen angeboten, ein Schild bittet um Ruhe für die Bewohner. Abhilfe schaffen soll das gegenüberliegende „Hundertwasser Village“ – Souvenirgeschäfte und Cafés in einem Gebäude im Hundertwasserstil sollen darüber hinwegtrösten, dass das Hundertwasserhaus Wien nicht betreten werden kann. Das Wort Touristenfalle kommt dir unweigerlich in den Sinn, wenn du siehst, wie sich die Massen durch das „Village“ schieben.

Alternative: Wer sich tatsächlich mit Hundertwasser und seinen Werken beschäftigen möchte, besucht das nahegelegene Kunst Haus Wien mit seiner fantastischen  Hundertwasser-Dauerausstellung.

Das Hundertwasserhaus in Wien ist ein normales WOhnaus.
Das Hundertwasserhaus in Wien ist ein normales WOhnaus. Foto: Sarah van den Berg

3. Tiergarten Schönbrunn (Wiener Zoo)

Ja, der Wiener Zoo hat zahlreiche Auszeichnungen verliehen bekommen (unter anderem den „Best European Zoo Award“ in den Jahren 2008, 2010, 2012 und 2014). Ja, der Wiener Zoo ist schon sehr alt (1752). Ja, der Wiener Zoo hat mit dem Schloss Schönbrunn in Sichtweite eine unglaublich gute Lage für einen Tiergarten (Schönbrunner Schloßstraße 47, 1130 Wien). Aber der Wiener Zoo ist halt auch nur ein Zoo. Wer nicht gerade ein Faible für Pandabären hat, kann sich den Besuch des Tiergartens Schönbrunn sparen und sollte diese Zeit besser in einen ausgedehnten Spaziergang durch den Schönbrunner Schlosspark investieren. Neben der viel fotografierten Gloriette und dem nicht minder fotogenen Neptunbrunnen warten unter anderem die „Römische Ruine“, ein Japanischer Garten und das „Rosenwäldchen“ darauf, entdeckt zu werden. Wer beim Stichwort Pandabären gleich ganz Ohr war und sich nicht für Bauwerke und Botanik interessiert: Der Tiergarten Schönbrunn konnte unglaubliche Erfolge bei der Panda-Zucht verzeichnen, ein Panda-Baby kam nach dem nächsten. Aktuell sind es sogar Zwillinge.

Panda-Nachwuchs im Wiener Tiergarten im November 2016.
Panda-Nachwuchs im Wiener Tiergarten im November 2016. Foto: imago/Xinhua

Alternative: In einem ehemaligen Flak-Turm im 7. Bezirk ist das Haus des Meeres untergebracht. Im „Aqua Terra Zoo“ kann man Haie, Spinnen, Schlangen, Schildkröten und anderes Getier sehen. Außerdem kann man Kois streicheln und hat eine tolle Aussicht vom Dach des Turms.

4. Café Sacher (Sacher Eck)

Eine Schokoladentorte mit Marillenmarmelade und Schokoladenglasur hat es zu internationaler Berühmtheit gebracht – die Sachertorte. Das gleichnamige Café Sacher ist ein Touristen-Magnet. Leider schaffen es die meisten Gäste gar nicht in das eigentliche Café, sondern bleiben im „Sacher Eck“ hängen, einem Ausschankraum für Heißgetränke, der an den Verkaufsraum angebunden ist, hängen. Hier sitzt du auf Barhockern – ein Affront gegen die Gemütlichkeit des Wiener Kaffeehauses. Du stehst gerne lange in einer Schlange an, bevor du ungemütlich auf zu hohen Stühlen sitzt und sehr viel Geld für Kaffee und Kuchen bezahlst? Dann wirst du das Sacher Eck lieben.

Erfunden wurde die Sachertorte übrigens im Café Demel. Grund genug für einen ermüdenden Rechtsstreit um die Bezeichnung „Original Sacher-Torte“. Da das Café Demel zudem auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann (Stichwort: Udo Proksch und der „Club 45“) und durch ausgefallenste Torten als Schaufensterdekoration punktet, steht fest: Es gibt Alternativen zum Sacher.

Alternativen: Neben dem genannten Café Demel gibt es zahlreiche weitere traditionelle Kaffeehäuser in Wien. Das Café Landtmann in Uni- und Rathaus-Nähe ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Das kleinste Kaffeehaus der Stadt ist das Hawelka. Hier wird man gerne zu anderen Gästen mit an den Tisch gesetzt und erlebt die wohl unfreundlichsten Kellner der Stadt.

Das Café Landtmann in Wien
Das Café Landtmann in Wien, eine echte Alternative zum Café Sacher. Foto: imago/blickwinkel

5. Wiener Stadtpark

Es gibt höchstens zwei Gründe, warum Touristen den Wiener Stadtpark aufsuchen. Erstens: Das Johann-Strauß-Denkmal gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der Besucher der österreichischen Hauptstadt. „Pic or it dind’t happen“ scheint das Motto zu sein. Die vergoldete Bronzestatue des Walzerkönigs befindet sich in unzähligen Fotoalben und Facebook-Streams dieser Welt – muss sie unbedingt in deinem sein? Zweitens: Das Restaurant „Steirereck“. Zeitgenössische österreichische Küche in einem modernen Ambiente, zwei Michelin-Sterne, Platz 9 unter den 50 besten Restaurants der Welt. Wer sich das Essen dort leisten kann, kann meinetwegen auf dem Rückweg ins Hotel auch das Strauß-Denkmal fotografieren. Andere Gründe, den Stadtpark zu besuchen, gibt es wirklich nicht. Ausnahme: Ein Wochenende im Sommer, an dem das Wiener Genussfestival stattfindet. An diesem Wochenende ist der Besuch des Stadtparks nicht nur legitim, sondern Pflicht. An allen anderen Tagen im Jahr musst du dich damit abfinden, dass es tatsächlich unzählige Parks in der Stadt gibt, die deutlich mehr zu bieten haben.

Alternativen: Ein absolutes Hightlight ist der abseits gelegene Dehnepark im 14. Bezirk. Mitten in der Innenstadt flaniert man durch Burg- oder Volksgarten, in Transdanubien durch den Donaupark.

Der Theseus Tempel im Volksgarten.
Der Theseus Tempel im Volksgarten. Foto: imago/PEMAX

6. Donauturm

Einst als Aussichtsturm und Attraktion einer Gartenschau in den 1960ern errichtet, kämpft der Donauturm mit seinen 252 Metern Gesamthöhe noch immer um den Titel des insgesamt höchsten Bauwerks in Österreich. Tapfer hält es sich mit seinen 252 Metern gegen den 250 Meter hohen DC Tower, den neuen, schwarz blitzenden Wolkenkratzer in seiner Nähe. Ist man ehrlich, so verkommt er jedoch mehr und mehr zur Bungee-Jumping-Plattform, die zufällig eine Aussichtsmöglichkeit bietet und ein sich drehendes Café betreibt.

Alternativen: Die „57 Lounge“ im DC Tower lockt hingegen mit „Drinks with the View“ und einer kostenlosen Liftfahrt, die beim Donauturm immerhin 7,90 Euro kostet. Die Barkeeper der Lounge wissen genau, was sie tun: Ein Cocktail hier ist der perfekte Abschluss eines langen Sightseeing-Tages in der City und der Blick auf Riesenrad und Donauturm ist äußerst lohnend. Hier hast du den besten Ausblick auf Wien – mit nur einer Ausnahme: Am Kahlenberg bietet sich dir die Chance, auf die komplette Skyline zu blicken. 

#Wien von oben. #vienna #skyline #dctower #kahlenberg

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7. Restaurant Figlmüller

Ob du nun googelst oder Einheimische befragst, bei der Frage nach dem besten Schnitzel in Wien kommst du um den Namen Figlmüller nicht herum. Vielleicht gibt es dort tatsächlich das beste Wiener Schnitzel. Was es auf jeden Fall gibt, sind lange Schlangen und eine eng getaktete Abfertigung der Gäste. Nach dem Essen sitzen bleiben und in Ruhe mit der Verdauung des panierten Kalbfleischs beginnen? Nicht hier, denn eine Gruppe von sechs Japanern steht bereits neben dem Tisch und wartet darauf, dass du den letzten Schluck Bier ausgetrunken hast. Der Kellner hatte schon abkassiert, bevor du den restlichen Kartoffelsalat auf die Gabel schieben konntest. Die Situation soll langfristig entspannt werden: Mittlerweile gibt es drei Figlmüller-Filialen im 1. Bezirk – vielleicht hast du Glück und das steht noch nicht in jedem Reiseführer. Willst du dein Glück versuchen, meide zumindest die Standorte in der Wollzeile und der Bäckerstraße, geh stattdessen zum Lugeck.

Alternativen: Gute österreichische Küche gibt es auch in anderen Restaurants, vielleicht darf es statt Schnitzel ja ein Tafelspitz beim Plachutta oder eine Käsekrainer am Würstelstand sein? 

8. Österreichisches Parlament

Säulenhalle, historischer Sitzungssaal, Kunst: Mit Skulpturen und Malereien wurde im Inneren des neoklassizistisch gestalteten Parlamentsgebäudes, das zwischen 1874 und 1883 erbaut worden ist, nicht gespart. Ein historisches Gebäude besichtigen und gleichzeitig etwas über die österreichische Politik erfahren? Vergiss es. Die österreichische Politik ist zu komplex für einen Wochenend-Wien-Trip und das Gebäude ist baufällig beziehungsweise sanierungsbedürftig. Im Sommer ziehen sämtliche Büros aus dem Haus am Ring, wie es liebevoll genannt wird, in die Hofburg sowie temporäre Pavillons am Heldenplatz direkt gegenüber der Hofburg. Das Parlamentsgebäude wird zur Baustelle – für mindestens drei Jahre. Die Pavillons hinter dem Burgtor dürften jedoch einen extrem Kontrast zum Baustil der Hofburg bilden, vielleicht ist das hingegen schon wieder sehenswert.

Alternative: Im Wiener Rathaus wird auch Politik gemacht. Selbst wenn auch dieses Gebäude aktuell saniert wird, sind dort zumindest Führungen und Besichtigungen möglich. Außerdem befindet sich dort die Touristeninformation der Stadt.

Das Wiener Rathaus am Abend.
Das Wiener Rathaus am Abend. Foto: imago/blickwinkel

9. Wiener Naschmarkt

Welche Anziehungskraft das Angebot von Obst, Gemüse, Backwaren, Fisch und Fleisch an einem Samstagvormittag auf Touristen aus aller Welt hat, ist doch höchst erstaunlich. Sind das im Alltag ebenso passionierte Marktbesucher? Das Gedränge ist auf Wiens größtem innerstädtischem Markt mehr als beachtlich. Du probierst hier eine Nuss und da eine Olive und ehe du dich versiehst, hast du eine winzige Portion Schafskäse oder eine Handvoll getrockneter Früchte im Wert von 15 Euro erstanden. Wolltest du etwas kaufen? Nein, du wolltest schauen, verkosten und das Flair auf dich wirken lassen. Wollten alle anderen dort aber auch und da am Samstagvormittag noch dazu Flohmarkt ist, ist statt Flanieren Stop-and-Go vom Feinsten angesagt. Da bleibt kaum Raum für Flair, geschweige denn Genuss. Kannst du dir also getrost sparen. Sicher, der Naschmarkt hat weitaus mehr zu bieten als seine Verkaufsstände – nette Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein, wenn du denn einen Tisch bekommst.

Alternative zum Samstags-Wahnsinn: Deutlich entspannter ist die Situation an lauen Sommerabenden, hier zeigt der Naschmarkt sich von einer ganz anderen – deutlich angenehmeren – Seite. 

10. Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper von außen? Architektonisch sicher interessant. Tom Cruise hat sich für Mission Impossible 5 vom Dach abgeseilt – siehst du allerdings nichts mehr von. Also einfach nur hinfahren und schauen? Lohnt nicht. Und im Inneren? Hier wird jedes Jahr an einem Abend im Februar getanzt und an so gut wie jedem anderen Abend gibt es Operngenuss vom Feinsten. Eine Führung durch das Innere der Staatsoper (Kostenpunkt: 7,50 Euro) ist für all jene, die glauben, sie könnten sich keine Tickets für die Oper leisten. Tatsächlich gibt es in einigen Logen unfassbar schlechte Plätze ohne Blick auf die Bühne, für die die Karten im regulären Verkauf sechs Euro kosten. Stehplätze am Balkon kosten sogar nur zwei Euro. Bei der Opernführung bekommst du den Zuschauerraum und den Pausenraum zu sehen, die wirklich interessanten Bereiche hinter der Bühne bleiben selbst hier verborgen. Das kannst du dir auch bei einem günstigen Opernbesuch anschauen und dabei sogar noch ein Glas Sekt schlürfen und dich aufbretzeln, wenn du möchtest. Halte dich stets an die offiziellen Vorverkaufsstellen und kaufe niemals Opern- oder Konzertkarten auf der Straße von jemandem, der eine Mozart-Perücke und weiße Kniestrümpfe trägt. Egal, was er dir erzählt. Niemals.

Alternative: Darf es Operette statt Oper sein? Dann bietet sich ein Besuch der Volksoper an. Wien bietet eine derartige Fülle an unterschiedlichen Kulturhäusern, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

Die Wiener Staatsoper: Von außen architektonisch interessant.
Die Wiener Staatsoper: Von außen architektonisch interessant. Foto: Sarah van den Berg

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Die Autorin
Sarah fliegt am liebsten Kurzstrecke oder ist mit dem Fernbus unterwegs. Ihr Herz hat sie an die österreichische Hauptstadt verschenkt, ihre Träume drehen sich um windige Spaziergä ... mehr
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