Die „Golden Girls“ am Tempel Mieu Ba in der Provinz Can Tho musst du einfach ins Herz schließen. Die verbliebenen Zähne sind stark gebräunt, doch ihr Lächeln so lieblich, ihr Lachen so herzlich, der Händedruck so warm. Und sie sind so gastfreundlich: hier noch einen Tee, da eine weitere Banane aus der Opferschale, probier doch mal den Keks – sie sagen das so deutlich auf Vietnamesisch, unterstützt von Gesten, dass es jeder auch ohne Sprachkenntnisse versteht.

Die „Bewahrer“ dieses Tempels mitten im Mekongdelta – Damen und auch ein paar Herren, alle so um die 80 Jahre – freuen sich über Abwechslung. „Die Kinder sind in die Stadt gezogen und kommen nur selten, hier ist nichts außer dem Fluss, dem Tempel und dem Dorf. Da freuen wir uns über Besuch“, frohlockt die eine. Und dann sind es auch noch Touristen aus dem fernen Europa, die angeradelt kamen – da gibt es jede Menge Klatsch und Tratsch auszutauschen. 

Zu Besuch in der Grundschule von Ba Lang

Für frohe Aufregung sorgen wir kurze Zeit später auch in der Grundschule von Ba Lang. Dieses fremde Deutschland ist für die Schüler dort ähnlich weit entfernt wie der Mond. 40 Jungen und Mädchen um die sechs Jahre, fein ausgestattet in den weiß-blauen Schuluniformen, berichten, was sie denn später mal werden wollen: „Polizist“, „Direktorin“, „Autofahrer“, „Ärztin“, „Lehrerin“, „Friseur“ verraten sie. Der Klassenclown in der letzten Reihe verkündet grinsend und äußerst talentiert: „Schauspieler.“ Nichts ist hier im südvietnamesischen Dschungel so weit entfernt wie Dieter Bohlen und seine Talentshows.

Das Glück der Radler steht unverfälscht am Wegesrand. Lachende Kleinkinder, die vom Arm ihrer Mutter aus winken und fröhlich „hello“ oder „xin chao“ rufen. Zum Anbeißen auch die Früchte am Mango- und Papayabaum, eine Ananas in Pedalhöhe, die unglaublich süßen kleinen Bananen, die wild am Flussufer wachsen. Die Stinkfrüchte (die ihrem Namen alle Ehre machen) lassen wir besser aus, dann lieber eine Sauerpflaume zum Dessert. Wo wir gerade beim Essen sind: Die scharfen Blätter des Zitronengrases rund um die Hütten und Häuser werden nur zum Teil zum Kochen genutzt. In erster Linie halten sie die Schlangen von den Kindern in den Gebäuden fern. Wieder etwas dazugelernt.

Informationen, die spätestens dann nützlich sind, wenn du hier nicht nur Fahrrad fahren oder auf dem Boot die neun Drachen (Cuu Long, nach den vielen Armen und Kanälen) des Mekong entdeckst willst, sondern auch bei den Obstbauern übernachten möchte. Das sogenannte Home Stay etwa bei Nguyen Ba Cuong kostet etwa 20 Dollar pro Nacht inklusive Familienanschluss, Frühstück, gemeinsam kochen und – freiwillig – im Haushalt helfen.

Home Stay: eher Nasszelle statt Klimaanlage

Aber du solltest bereit sein, auch bei dieser Luftfeuchtigkeit auf eine Klimaanlage zu verzichten, dir eine Nasszelle mit Fremden zu teilen – und möglicherweise die Nächte mit Moskitos. Noch steckt das Home Stay im Süden Vietnams in den Kinderschuhen. Weitaus bequemer ist nach einer schön anstrengenden Radtour – das Radwegenetz ist nur in Teilen ausgebaut und Mopedfahrer kreuzen auch hier auf dem Land gern hupend die Wege – die Nacht im Hotel.

Oder auf einem Flussfahrtschiff wie der „Bassac“, wo die Köchin ihre vietnamesische Kochkunst mit den Gästen teilt. Eingekauft wird auf den schwimmenden Märkten etwa von Cai Rang in der Stadt Can Tho oder Cai Be in der Nachbarprovinz Vingh Long, wobei die größeren Märkte schon relativ stark von Touristen frequentiert werden.

Die Kokosnussprovinz Ben Tre

Weniger Touristen besuchen die Kokosnussprovinz Ben Tre, wo fast eine Million Einwohner von der Kokosnussindustrie leben. Die faserreichen Früchte werden zu Teppichen und Matten verarbeitet, das Mehl zu Dünger. Die leckerste Verarbeitungsvariante entdeckst du in Mo Cay, in dem Betrieb von Tuyet Phung. Die 80-Jährige stellt Kokosnussbonbons her.
 
Als junge Frau hatte sie begonnen, die schmackhaften Mitbringsel aus Kokosnussmilch mit Stinkfrucht (auch bekannt unter dem harmloseren Namen Durian als eine Art Mondaminersatz), Erdnuss, Aloe vera oder Kakao herzustellen. Die Mutter von sechs Töchtern gründete schließlich 1975 ihre eigene Bonbonfabrik. Mittlerweile verkauft sie ihre Süßigkeiten in die ganze Welt. Wer sie probiert, merkt schnell, weshalb hierzulande so mancher Zahn fehlt – die Bonbons sind absolute Plombenzieher.