Schwimmen, angeln, segeln, rudern, wandern, Beeren sammeln, den eigenen Fisch über offenem Holzfeuer grillen – wer bei Robinson nicht an den Club, sondern eher an Crusoe denkt, wird im Stockholmer Schärengarten sein Glück finden. 

Für alle Schweden ist es selbstverständlich, die Sommermonate bis Mitte August im eigenen Ferienhäuschen zu verbringen, möglichst nah am Wasser und am liebsten auf einer der Inseln vor der Küste. Die Tage sind dann lang, die Nächte hell und lau – und das gesamte Leben spielt sich draußen im Freien ab. Inzwischen entdecken auch immer mehr Deutsche die Vorzüge der wildromantisch-skandinavischen Art, den Sommer zu genießen.  

Schären: Zerklüftetes Urlaqubsparadies

Das zerklüftete Inselparadies vor den Toren der Hauptstadt entstand, als in der letzten Eiszeit die Gletscher aus Europa nach Norden zogen. Deswegen haben fast alle Schären eine flache, abgerundete Form. Einige davon sind nur wenige Quadratmeter große Felsen, die nur Zentimeter aus dem Wasser ragen, oft nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Andere erstrecken sich über mehrere Quadratkilometer und sind dicht mit Birken oder Nadelbäumen bewaldet. Rund 1.000 Schären werden dauerhaft bewohnt, aber nur die großen Inseln sind über Brücken miteinander oder mit dem Festland verbunden, die meisten Schären sind wie vor Hunderten von Jahren nur per Boot zu erreichen.  

Urlaub in einem der zahlreichen Ferienhäuser direkt am Wasser ist in jeder Hinsicht eine Auszeit von Alltagsstress und Hektik. Einige der bunt bemalten Holzhäuser liegen an kleinen felsigen Buchten und haben einen eigenen Bootssteg, andere wurden auf flache Landzungen gebaut oder verstecken sich in kleinen Wäldern im Inselinneren. Hier auf den Schären bestimmt allein die Natur den Rhythmus des Tages, Zivilisationslärm gibt es nicht – abgesehen von dem ein oder anderen, gelegentlich vorbeituckernden Boot.

Wie „Ferien auf Saltkrokan“

Wer hier im Sommer urlaubt, fühlt sich unweigerlich wie in den „Ferien auf Saltkrokan“. Die Holzhäuser sind oft rot gestrichen, auf dem höchsten Punkt der Insel steht ein Fahnenmast, die Toilette ist ein Plumpsklo und Zentrum des Wohnzimmers ist ein Kamin. Gekocht wird häufig mit Gas, den Strom liefert ein kleiner Generator oder eine Solarzelle.

Angler müssen in den fischreichen Gewässern nicht lange auf den ersten Fang warten, den sie dann abends auf den Grill legen können. Und wer dem Angeln nichts abgewinnen kann, lässt sich mit seinem Kanu oder Kajak einfach treiben: Auf der ruhigen Wasseroberfläche kannst du herrlich von Insel zu Insel paddeln. Pause machst du, wo es dir gerade gefällt. Unterwegs genießt du ein Bad in der angenehm warmen Ostsee oder du kehrst in eine gemütliche Fischerkneipe in einem Inseldorf ein.

Belebter geht's in Sandhamn zu

Wenn du es etwas belebter magst, musst ebenfalls nicht lange suchen. Sandhamn im äußeren Bereich des Schärengartens liegt zwei Bootsstunden von Stockholm entfernt. Dahinter kommen nur noch ein paar Inseln und man befindet sich auf dem offenen Meer. Sandhamn war schon früher ein beliebtes Sommerziel der gehobenen Stockholmer Gesellschaft – das Preisniveau in den Hotels und teilweise hervorragenden Restaurants ist entsprechend. 

Seit die Krimi-Autorin Viveca Sten ihre Romane hier spielen lässt, kommen zunehmend auch deutsche Touristen nach Sandhamn, die als eine der schönsten Schäreninseln gilt. Wer hier übernachtet, sollte abends unbedingt auf den Kvarnberget gehen, um einen spektakulär-romantischen Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch zu erleben.

Übernachtung in der Bootshütte

Ein besonderes Erlebnis ist ein Abstecher nach Svenska Högarna. Die kleine Inselgruppe liegt am östlichen Rand des Schärengartens. Hierhin gibt es keinen regulären Schiffsverkehr, wer auf die Insel will, muss sich mit der Familie des Leuchtturmwärters in Verbindung setzen und eine Überfahrt vereinbaren. Übernachten kannst du für rund 40 Euro in einer der Bootshütten auf dem Eiland. 

Astrid Lindgren schrieb einst: „Hinter Saltkrokan fängt das offene Meer an mit kahlen Felsinseln und nackten Klippen, wo niemand wohnt als die Eidergans und die Möwe und andere Meeresvögel. Auf Saltkrokan aber wohnen Menschen. Nicht viele. Höchstens zwanzig. Das heißt: im Winter. Im Sommer sind auch noch die Sommergäste dort.“ 

Eine Insel namens „Saltkrokan“ hat es im Archipel vor Stockholm allerdings nie gegeben. Die heile Ferien-Kinderwelt entsprang vor allem der Phantasie Astrid Lindgrens. Aber es gab ein reales Vorbild für den Bestseller: Norröra, wo 1964 der Film „Ferien auf Saltkrokan“ gedreht wurde. Im Winter ist die Insel heute menschenleer, aber im Sommer steuern Ausflugsboote regelmäßig den Ort an, der immer noch wirkt, als sie die Zeit hier seit einem halben Jahrhundert stehen geblieben.