Wenn du entspannt flanieren willst, musst du in Seitenstraßen abwandern oder dich in die zahlreichen, nicht ganz so zentral liegenden Parks retten. In denen kannst du in der Sonne dösen, lesen, vor dich hinträumen. Zumal es in London weitaus weniger regnet, als allgemein angenommen wird.

Natürlich kannst du dich bei Regen (oder wenn es im Sommer zu heiß wird) in eines der phantastischen Museen flüchten, in denen du nicht mal Eintritt zahlen musst (nur bei Sonderausstellungen). Aber ich rechne damit, dass auch in der Tate Modern, der Tate Britain und im British Museum richtig was los ist. Mein Tipp: nicht ganz so bekannte Museen, wenn du ein bisschen Kulturprogramm machen möchtest.

Ab in eins der Londoner Museen!

Klein, aber fein ist das „Freud Museum“, (nächste U-Bahn Station Finchley Road), in dem du unter anderem die berühmte Couch von Sigmund Freud, dem Erfinder der Psychoanalyse, zu sehen bekommst.  

Wesentlich größer ist das Leighton House Museum in Kensington, das private Domizil des englischen Malers, Bildhauers, Kunstsammler und Dandy Frederic Lord Leighton (1830-1896). Die opulente Einrichtung und die gesammelten Kunstschätze lassen das viktorianische Zeitalter lebendig werden. Wenn du die Augen schließst, kannst du dir leicht vorstellen, welch rauschende Feste einst hier gefeiert wurden.

Eine Oase der Ruhe, in denen sich exquisite Abgeschiedenheit zelebrieren lässt, ist das Horniman Museum (nächste Bahnstation Forrest Hill) in Süd-London. Das hat neben antiken Musikinstrumenten, ägyptischen Masken, Schmetterlingen auch ein beeindruckendes Aquarium zu bieten. Umgeben ist das Haus von einem prachtvollen, üppigen Garten, von dem aus du einen atemberaubenden Blick auf das Zentrum von London hast.

Das Grab von Karl Marx

Noch ruhiger, aber durchaus unterhaltsam, geht es auf dem Highgate Cemetery zu. Hier liegt Karl Marx begraben. Und hier hat Rod Stewart („Do ya think I’m sexy“) 1959 als Leichengräber für sieben Pfund die Woche gearbeitet. Den östlichen Teil des Friedhofes kannst du zwischen März und November täglich zwischen 11 und 16 Uhr allein mit einer Karte bewandern und bewundern. Highgate diente bereits in vielen Filmen als Horrorkulisse.

Samstags können hier maximal 15 Leute (wer zuerst kommt, mahlt zuerst!) an einer Tour teilnehmen, die ein wunderbares Beispiel an britischen Humor ist. Im Westteil findet jeden Tag eine Führung über den 150 Jahre alten, unter Denkmalschutz stehenden Garten statt. Zwischen gestürzten Kreuzen, gefallenen Engeln und kopflosen Statuen ist die Ruhe wahrlich himmlisch.

Kurzurlaub in Little India

Lust auf lebensnahe Exotik? Im äußeren Westen der Stadt befindet sich der Stadtteil Southall, der von den Londonern „Little India“ genannt wird. Anders als in der mittlerweile völlig überlaufenen Brick Lane (Monica Alis Bestseller machte die Straße im Herzen der Londoner Bangladeshi Community berühmt) findest du auf dem Southall „Broadway“ wenig Touristen. Dafür aber ganz viel Bombay: Stoffe in allen Regenbogenfarben, Stände, an denen Chai, Lassi oder auch Gebäck wie Gulab Jamun (fritierte süße Bällchen) verkauft werden. Aus den Boxen in den Worldmusic-Läden wummert Panjabi MC und überall duften Gewürze.

In der Golborne Road (nächste U-Bahn Station Ladbroke Road), dem nördlichen Ende der Portobello Road (never ever on Saturday!!!), finden sich marokkanische Spezialitäten, kleinere Teestuben, in denen frischer Pfefferminztee aufgegossen wird, und sehr schräge Antikgeschäfte, in denen du aber leider nur noch selten echte Schnäppchen machen kannst.

Der Borough Market ist Londons Schlaraffenland

Keine 15 Minuten Fußmarsch entfernt, liegt mein Lieblingskino: das „Electric Cinema“. Hier läuft immer nur ein Film, die Tickets sind teuer (15 Pfund), aber die Sessel sind sooo bequem. Außerdem kannst du hier kleine Häppchen, Cappuccino oder auch einen Gin Tonic bestellen. 

Ja, die Foodabteilungen von Harrods und Harvey Nichols, den Londoner Nobel-Kaufhäusern, sind eine Augenweide, aber auch ein wenig steril. Auf dem Borough Market unterhalb der Southwark Cathedral erstreckt sich das wahre britische Schlaraffenland. Hier kannst du jede Sauce oder Gebäck als Food-Souvenir bekommen. Und du kannst ein bisschen mit den Händlern plaudern, die gerne über Rezepte diskutieren, aber sich relativ ungern fotografieren lassen! An diversen, auch internationalen, Imbiss-Ständen kannst du lecker essen. So sparst du dir einen teuren Restaurantbesuch.

Zum Abkühlen ins Hampstead Heath

In London kann es im Sommer so richtig heiß werden, manchmal sogar um die 36 Grad. Da willst du nur noch in kaltes Wasser abtauchen. Eines der wenigen öffentlichen Freibäder befindet sich im Hampstead Heath (nächste U-Bahn Station Belsize Park oder Hampstead). Eigentlich sind es drei Seen: einer für Frauen, einer für Männer, einer für alle.

Den größten Zauber hat jedoch „The Kenwood Ladies' Pond“. Hier können Mädels zwischen Seerosen und Schwänen in natürlichem, gechlortem Wasser ihre Runden drehen. Im Schatten der uralten Weiden finden hier auch des Öfteren Girlie-Geburtstagsparties statt. Ansonsten geht es hier ums Verweilen: Picknicken, Vögel beobachten, lesen, Leute gucken. Und Kräftesammeln fürs Feiern am Abend.