Ulrich Wickert: Mein Paris!

Der Starjournalist hat als Leiter des ARD-Studios Frankreich „mit die schönsten Jahre meines Lebens“ in Paris verbracht. Hier zeigt er uns seine Lieblingsorte.

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Ulrich Wickert am Place des Vosges in Paris.

Foto: Udo Röbel

Meine zweite Heimat

Von Ulrich Wickert

Paris ist mir zur zweiten Heimat geworden. Hier bin ich zur Schule gegangen. Hier habe ich als Leiter des ARD-Studios Frankreich mit die schönsten Jahre meines Lebens verbracht. Verzeihen Sie mir deshalb, dass ich einfach einmal behaupte: Paris ist die schönste Stadt der Welt. Vergessen Sie London, Rom oder New York. Paris überragt sie alle. Würde jemand je New York eine Göttin nennen? Oder London die Stadt der Liebe? Da lachen selbst Sie, auch wenn Sie Paris noch nicht kennen sollten.

Kommen Sie mit auf einen kleinen Spaziergang durch diese Stadt, die über tausend Jahre hinweg im Mittelpunkt des geistigen und politischen Lebens der Welt und dann Europas stand. Sie hat immer noch nichts von ihrer Schönheit und Magie verloren.

Mein Hotel

Als ich in Paris arbeitete, lebte ich im Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés, unweit der Seine im 6. Arrondissement. Dorthin zieht es mich auch heute immer wieder, wenn ich in Paris bin. Und das Hotel, in dem ich absteige, ist das Hotel des Saints Pères in der gleichnamigen kleinen Seitenstraße, die vom prächtigen Boulevard Saint-Germain abgeht. Ein ehemaliges Stadtpalais mit klassischer Fassade, erbaut vom Architekten des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Jedes der 38 Zimmer ist individuell eingerichtet und mit ausgesuchten Gemälden, Zeichnungen oder Radierungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestattet. Und wenn ich Glück bei der Reservierung habe, bekomme ich das „Freskenzimmer“, dessen Decke ein 40 Quadratmeter großes Gemälde schmückt, das - verborgen unter einer Zwischendecke - erst 1980 wieder entdeckt wurde: eine von Wölbungen und Blumenmotiven umrahmte Allegorie. Die Tugend krönt das Glück und die Intelligenz schaut zu.

Zu den Stammgästen des Hotels zählen viele Schriftsteller, deren Verlage in der Nachbarschaft angesiedelt sind. Auch der berühmte britische Maler Francis Bacon ist hier immer abgestiegen. Genauso wie der renommierte Pianist Alfred Brendel, der Modeschöpfer Tom Ford oder auch Juliette Greco, die weltberühmte Chansonsängerin.

 

Mein Café

Nur fünf Gehminuten von meinem Hotel, liegt an der Ecke Boulevard Saint-Germain/Rue Saint-Benoit das Café de Flore, in dem ich auch heute noch meinen Tag beginne. Es existiert schon seit 1887 und war und ist immer noch ein Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen. Die wohl bekanntesten Stammgäste hier waren Simone de Beauvoir, die Vorkämpferin für Frauenrechte und Feminismus, und ihr Lebensgefährte Jean-Paul Sartre. Und wenn Sie Glück haben, treffen Sie hier heute Karl Lagerfeld, der gleich um die Ecke wohnt. Jedes Jahr im November wird hier auch der „Prix de Flore“ vergeben – ein Nachwuchspreis an vielversprechende junge Autoren.

 

Mein Lieblingsplatz

In den Bäumen das Gezwitscher der Spatzen, ein Springbrunnen, der gemächlich vor sich hin plätschert – und auf der Parkbank ein Liebespaar in inniger Umarmung. Eigentlich würde es überhaupt nicht wundern, wenn jetzt gleich die Kutsche von Kardinal Richelieu um die Ecke biegt…

Hier, am Place des Vosges, scheint die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein. Wer hier nicht innehält und zur Ruhe kommt, dem kann wirklich nicht geholfen werden. Selbst die Kellner in den Cafés und Restaurants unter den Arkaden der prächtigen Stadthäuser aus dem 17. Jahrhundert umweht der Hauch des Flaneurs.

Erbaut von König Heinrich IV. ist der Place des Vosges der älteste der fünf königlichen Plätze in Paris. In Haus Nr. 6 hat Victor Hugo („Der Glöckner von Notre Dame“) gewohnt und aus seinem Fenster auf das bis auf den Meter exakte grüne Quadrat (140 mal 140 Meter) geschaut. Heute ist dort ein kleines Museum untergebracht.

 

Das Centre Pompidou

Nur ein paar Gehminuten vom historischen Paris entfernt der absolute Stil-Bruch: ein futuristisches Bauwerk aus Stahl, Glas und Röhren, das aus der Ferne erst einmal wie eine Raffinerie aussieht. „La Raffinerie“, so nennen auch heute noch viele Pariser das Kunst-und Kulturzentrum Centre Pompidou, benannt nach dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Georg Pompidou.

Was hat es damals, Anfang der 1970er Jahre, für erbitterten Streit in Paris um diesen Bau gegeben! Diskussionen, wie sie auch in Hamburg um die Elbphilharmonie geführt wurden. Alles vergessen! Heute ist Paris nur noch stolz auf diese einzigartige Begegnungsstätte von Kunst und Wissenschaft. Und wann auch immer Sie nach Paris kommen, welche Ausstellung auch immer gerade im Centre Pompidou läuft – ein Besuch lohnt sich garantiert.

 

 

Der Louvre

Wen besuchen Paris-Touristen mehr? Den Eiffelturm oder den Louvre? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich immer den Louvre vorzöge, wenn ich mich zwischen beiden entscheiden müsste.

Den Louvre, nach wie vor das größte Museum der Welt, muss man zumindest einmal im Leben gesehen haben. Nicht nur wegen der Mona Lisa. Die ist kunsthistorisch gesehen sogar weitaus weniger bedeutend als manche der 35.000 anderen Exponate, die hier ausgestellt sind. Selbst nach Wochen könnte man in den Sälen des Louvre immer noch Neues entdecken. Und in seinen Kellern und Asservatenkammern lagern noch einmal über 300.000 Kunstwerke!

 

 

Die Pont des Arts

Vom Louvre führt uns unser kleiner Spaziergang über die Seine zurück nach Saint Germain. Auch die Pont des Arts, die Brücke der Künste, gehört zu meinen absoluten Lieblingsplätzen in Paris. Besonders am Abend, wenn die Sonne über der Seine untergeht und sich hier Liebende aus aller Welt treffen.

Bis vor einigen Jahren haben diese hier an den Brückengeländern kleine Vorhängeschlösser befestigt und den Schlüssel dafür in das Wasser geworfen als Zeichen ewiger Treue. Bis unter der Last von über einer Million Schlösser ein zwei Meter langer Abschnitt des Geländers zusammenbrach. Die Schlösser wurden daraufhin entfernt und die Geländer so gestaltet, dass kein Anbringen von Liebesbeweisen mehr möglich ist. Aber Treue wird sich hier immer noch geschworen.

 

 

Mein Käse

Der legendäre französische Staatspräsident Charles de Gaulle hat einmal gesagt: „Wie soll man ein Land regieren, das mehr Käsesorten hat, als es Tage im Jahr gibt.“

Nun weiß ich nicht, ob das Käsegeschäft Barthelemy in der 51 rue de Grenelle wirklich über 365 verschiedene Käsesorten im Angebot hat. Was ich aber aus eigener (Geschmacks)Erfahrung zu hundert Prozent bestätigen kann, ist, dass es hier wirklich den besten Käse in Paris gibt. Und so mancher Staatsgast der französischen Regierung dürfte sich wundern, wenn er diesen unscheinbaren kleinen Laden sähe, aus dem der Käse stammt, der ihm beim Staatsbankett im Elysée-Palast gereicht wurde. 

 

Mein Baguette

Zu einem guten Käse gehört ein ebenso gutes Baguette. Und auch das finden wir in der Rue de Grenelle. Hausnummer 63 nur ein paar Schritte vom Fromagier Barthelemy entfernt in der Patisserie Dalloyau Raspail. Dass es hier, wo es den ganzen Tag über verführerisch nach frisch gebackenem Brot duftet, auch die besten Croissants gibt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

 

Das Grand Colbert

Käse und Baguette. Das reicht für einen kleinen Imbiss tagsüber. Wo aber am Abend essen gehen in Paris? In einer Stadt, die über eine solche Fülle von ausgezeichneten Restaurants verfügt? Vom kleinen Bistro bis zum Gourmet-Tempel? Jeder Paris-Kenner hat bestimmt seinen eigenen Geheim-Tipp. Und auch ich könnte Ihnen sofort mindestens zehn Restaurants empfehlen. Oder 15? Oder 20?
Ich begnüge mich mit einem. Wenn Sie wirklich Appetit auf bodenständige aber durchaus schon gehobene klassische französische Küche haben, reservieren Sie einen Platz im Le Grand Colbert in der 2 Rue Vivienne, in der Nähe des Palais Royale. Schon das Ambiente wird Sie beeindrucken. Ein Traum von Jugendstil und Belle Epoque, der einmal mehr an den Glanz des alten Paris erinnert.

 

Mein Reise-Tipp

Wenn Sie mit dem Flugzeug nach Paris wollen, versuchen Sie den Großflughafen Charles de Gaulle zu vermeiden. Wie fast alle Flughäfen der großen Welt-Metropolen ist er ein Moloch. Viel übersichtlicher und „kuscheliger“ ist der alte Flughafen Orly. Und außerdem viel näher am Zentrum der Stadt.

 

Buch-Tipp

Ulrich Wickert
Mein Paris
304 Seiten, 24 Euro
Verlag Hoffmann und Campe
 

 

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Der Autor
Udo Röbel, Journalist und Autor. Hat nach seiner Zeit als Chefredakteur von Bild angefangen, Krimis zu schreiben. U.a. "Der rote Reiter". War sein halbes Leben als Reporter in der ... mehr
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