Winterzeit ist Reisezeit. Aber auch Eiszeit. Besonders für Katarina Witt (51), eine der erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen weltweit. Die zweimalige Olympiasiegerin und vierfache Weltmeisterin ist als Botschafterin für die neuen Shows von „Disney on Ice“ unterwegs, die nach einer erfolgreichen zweiten Saison im Februar erneut nach Deutschland kommen. Zum ersten Mal wird der Weltstar auch in ihre Heimat Sachsen mit der Show kommen. Nämlich nach Leipzig. Danach stehen Berlin und Oberhausen im Kalender.
 
Außerdem ist Katarina Witt neben George Clooney und Desmond Tutu internationale Botschafterin  für die Deutsche Postcode Lotterie. „Da 30 Prozent der Los-Einnahmen in soziale Förderprojekte fließen, ist es für mich eine Herzensangelegenheit, diese neue Soziallotterie meinerseits tatkräftig zu unterstützen. Auch meine Stiftung, die sich für Kinder mit körperlicher Behinderung einsetzt, erfährt Unterstützung. Die Katarina-Witt-Stiftung wurde 2005 von mir gegründet und wir konnten bislang  mehr als 212 Projekte fördern und finanzieren. Damit konnten wir vielen Kindern und Jugendlichen mit körperlichen Behinderungen zu mehr Mobilität, mehr Freiheit und mehr Selbstbewusstsein verhelfen!“
 
Hannover, Eisbahn vor dem Hauptbahnhof, Eiskunstlauf-Weltstar Katarina Witt ist Markenbotschafterin von Disney On Ice.
Eiskunstlauf-Weltstar Katarina Witt bei einem Termin für Disney On Ice in Hannover. Foto: imago/localpic
 
Bei deinem Arbeitspensum bleibt sicherlich wenig Zeit für Urlaub …
Katarina Witt: Ich muss mir die Zeit erzwingen, auch emotional erzwingen, weil ich gern arbeite. Dazu kommt,dass ich als Eisläuferin extrem viel unterwegs war und ich deshalb nie den Wunsch verspürte, im Urlaub auch nochmal irgendwohin fliegen zu wollen. Da wollte ich lieber meine freien Tage Zuhause verbringen. Um zum Beispiel meine Heimatstadt, Berlin, die so viel zu bieten hat, für mich entdecken zu können. Daher habe ich erst die letzten Jahre wieder angefangen, auch mal in den Ferien zu verreisen. Aber nicht zu lange.
 
Wie lange höchstens?
(lacht) Maximal etwas über eine Woche … Leider ist es wirklich nicht mehr.  Ich versuche aber, auch zu lernen, dass man auch mal zwei oder drei Wochen loslassen darf.
 
Welche Reiseziele gefallen dir?
Als Kuratoriumsvorsitzende für die Olympiabewerbung München 2018 war ich öfters im asiatischen Raum unterwegs, in Singapur oder in China, beides hat mich sehr fasziniert. Die Größe dort und die Hektik haben mich total gefesselt. Das war tatsächlich so, dass ich gedacht habe: Wow! Dieser Kontinent nimmt so viel Fahrt auf. Aber zugleich hat mich die Größe auch erschreckt. Ich bin mit dem Auto von Guangzhou nach Hongkong gefahren und da ist auf der Autobahn rechts und links alles voller Häuser. In Deutschland hast du Landschaft, wenn du Autobahn fährst. Dort habe ich fast keine gesehen. Nur ein Haus neben dem anderen. Das kann einem schon Angst machen: Wohin soll das noch führen? Wir können ja nicht hemmungslos so weitermachen, sondern sollten auch an die Umwelt denken.
 
Wie lange warst du da unterwegs?
Zwei, zweieinhalb Stunden. Normalerweise schlafe ich auch mal auf einer Autofahrt, aber da konnte ich vor Schreck die Augen gar nicht zumachen, weil ich nicht glauben konnte, was ich zu sehen bekam.
 
Ich merke, klassischer Strandurlaub ist nichts für dich.
Nein, die letzten zwei, drei Jahre habe ich mich auf Städte und Orte in Italien und Spanien konzentriert, auf das alte Europa, wo auch Geschichte erfahrbar ist und Tradition und Lebensart. Du kommst nach Italien, und auch wenn es regnet, sind die Farben anders. Ist die Lebensweise eine andere. Ich gehe dann einfach gerne spazieren und schaue mich um. Gern auch in Frankreich, Museen besuchen, Kunst und Kultur erleben.
 
Nicht zu vergessen, auch dieses wunderbare Land Südafrika habe ich für mich entdeckt. Ich wohne am liebsten in kleinen Boutique Hotels, wo man das Gefühl hat, man ist Teil der Familie. Da ziehe ich mich gerne auch mal einen Tag an den Pool zurück, um ausführlich Zeitung zu lesen. Im Alltag schaue ich im Internet kurz, was aktuell los ist. Aber ausführliche Hintergrundberichte schaffe ich wirklich nur, im Urlaub zu lesen.
 
Welches Verkehrsmittel ist dein Favorit?
Der Flieger, weil du relativ flott am Ziel bist. Wenn du nur eine Woche hast, willst du möglichst viel Zeit am Ferienort verbringen und nicht im Auto. Wobei es auch immer noch so ein Traum von mir ist, einmal in Amerika mit dem Wohnmobil von Ost nach West oder umgekehrt zu fahren.
 
Deshalb genieße ich auch einmal im Jahr die Teilnahme an der Rallye Hamburg-Berlin-Klassik, wo wir im Oldtimer von BMW in Ruhe durch den Norden und Osten fahren und du dein Land von einer ganz neuen Seite entdeckst, weil du eben nicht über die Autobahn bläst. Da verstehe ich dann, was die Freiheit bedeutet, die die Liebhaber von Oldtimern oder Wohnmobilbesitzer so schätzen. Reisen und nicht rasen (lacht).
 
Wie lässt du dich für deine Reisen inspirieren?
Erst mal, wo scheint die Sonne und was interssiert mich? Mittlerweile habe ich auch einen Lieblingsort in Italien gefunden, wo ich nun seit ein paar Jahren immer für eine Woche hinfahre. Ich mische gern: einmal etwas Altbekanntes, einmal etwas Neues.

Blue sky, endless sun ,friendly people and delicious food ...... This day could last forever... ????????????????

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Was machst du im Urlaub am liebsten?
Ich muss mich jeden Tag bewegen. In meiner aktiven Zeit als Eiskunstläuferin war ich froh, wenn ich mal eine Woche lang die Füße in den Sand stecken konnte und einfach rumlungerte. Jetzt nutze ich die Zeit im Urlaub, insgesamt gesünder zu leben als zuhause, im Berufsleben, mit den vielen Verpflichtungen. Ich gehe raus, walke, jogge, es muss nicht immer ein Fitnessraum sein.

Aber wenn ich drauf angewiesen bin, zum Beispiel im Winter, dann ärgert es mich, wenn der Raum klein ist und alte Geräte drin stehen. Da haben manche Hotels leider echt die Zeit verpennt. Dazu: gut und gesund essen, Wein aus der Region, sich bewegen, aber sich die Zeit selbst einteilen können. Ausschlafen, gut und in Ruhe frühstücken.  Und danach einfach loslaufen, und die Umgebung entdecken. Das habe ich schon früher so gemacht, wenn ich auf Tournee in Amerika war, durch 60 Städte, mit dem Jet von Ort zu Ort geflogen, von einer Arena zur nächsten, da habe ich immer versucht, mal rauszukommen und um den Hotel-Block zu joggen, um mitzukriegen, wo bin ich jetzt eigentlich. 

Welche Art von Ferien waren dir früher am liebsten?
Ich war als Kind mit meiner Familie campen, mein Vati und meine Mama haben uns gemeinsam mit den Einweckgläsern voller Essen in den Wartburg verfrachtet und dann ging es nach Bulgarien zum Zelten. Mit meinem Onkel und seiner Familie zusammen, also mit zwei Wartburgs. Er hatte einen Klappfix, ehemalige DDR-Bürger wissen, was das ist (für alle anderen: ein flacher Wohnzelt-Anhänger), und wir hatten ein Zelt. Wir waren jeden Sommer campen, später auch in Ungarn, in den Thermalbädern. Diese Urlaube waren die einzigen 14 Tage im Jahr, die ich frei hatte vom Eiskunstlauf, und die habe ich dann in Heilbädern zugebracht (lacht), bis ich 16 Jahre alt war. Ich habe das geliebt!