Der Mai ist für Norwegen eine besondere Zeit. Die Sommersonnenwende lässt der Nacht kaum Raum und die Tage sind so lang wie nie. Angeln, Wandern, Grillen, Gespräche bis tief in die Nacht – 24 Stunden sind hier gefühlte 35. Und die kann jeder von uns gebrauchen. Ohne Telefon, nur live mit den Jungs.

Wir wurden zusammengewürfelt. Zwei Kumpel, die ihre jeweils neuen Freundeskreise aus München und Bremen vereinen, um ein langes Wochenende in den Bergen Norwegens zu verbringen. Selbstversorger natürlich, Hütte und so. Wir lernen uns am Flughafen in Oslo kennen, holen die Wagen ab und los. Nochmal 230 Kilometer vor der Brust, die Fjorde im Visier.

Hamsterkäufe in Norwegen

Ohne zu wissen, welche Ausstattung uns vor Ort erwartet, steuern wir den nächsten Supermarkt an. Männer wollen grillen, daher muss Fleisch gekauft werden – den Fisch angeln wir selbstverständlich selbst. Wir kaufen mit Hunger ein. Meine Frau hat mal gesagt, das sei nicht gut ... und das stimmt. Aber wir werden fertig. In jeder Hinsicht, denn mittlerweile sind wir 14 Stunden auf den Beinen. Noch wenige Kilometer bis zum Feierabendbierchen. Aber ja, Alkohol ist in Norwegen verdammt teuer. Wo wir uns inzwischen befinden? „Geilo“ sagt das Schild am Wegesrand, der Trip wird vielversprechend.

@paradestudio spent ten days alone in this cabin (at 1100m altitude) in Skjåk, Norway

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Keine Dusche, ein Brunnen und ein Plumpsklo

Im Dunkeln unsere Bleibe erreicht, schmeißen wir das Lagerfeuer an und stellen fest: wir werden uns gut riechen können müssen. Ohne laufendes Wasser und Dusche bleibt uns nur der Brunnen. Für eine erste Katzenwäsche reicht es, wir lassen die Anreise hinter uns. 

In wärmender Runde brutzeln die im Supermarkt gejagten Steaks auf dem Rost, wir reduzieren unseren Biervorrat auf die Hälfte – erster Abend halt. Unsere Gespräche werden tiefenphilosophisch, die Zeit wird relativ. Sommersonnenwende halt.

Um drei Uhr, nur eine Stunde vor Sonnenaufgang, ein letzter Kampf gegen die Müdigkeit: Ofen nochmal vollknallen, sonst wird´s frisch. Und immer schön Streu ins Plumpsklo – der Nächste dankt.

Heute ist Katerwäsche

Der nächste Morgen beginnt zu früh, aber geht nicht anders: Der Fisch für den Abend ist fest eingeplant. Dreißig Minuten stapfen wir durch den Wald, zwei Stunden halten wir unsere Ruten übers Wasser. Dann schließlich kehrt die Ernüchterung ein und wir dem reißenden Bach den Rücken. Wahrscheinlich haben die vom Supermarkt heute Morgen schon alles leergefischt, müssen wir halt da hin. Stark ist anders. Aber im Nachhinein wird uns auch klar, dass es noch etwas zu früh im Jahr war, um Anfänger mit Konterbierdurst zu erfolgreichen Anglern zu machen.

Fenster einer norwegischen Holzhütte.
Norwegen pur. Foto: unsplash.com/Steinar Engeland

Wir sind durchgefroren – wie schön eine heiße Dusche jetzt wäre. Aber das würde hier keiner laut aussprechen. Deshalb stehen vor der Hütte plötzlich sieben Kerle oben ohne, schütten sich gegenseitig kaltes Wasser über den Kopf und lassen das Shampoo kreisen. Immerhin wird so der Kopf klar und der Geruch erträglich.

Und ob wir Freunde geworden sind

Abends vor dem Feuer sitzend haben wir Norwegen pur auf dem Teller – es gibt Wal und Elch. Wie das schmeckt? Etwas nach Schuhsohle. Aber so was von egal. Wir kannten uns nicht, aber haben gemeinsam geangelt, gebrunnt und geplumsklot. Wir können uns jetzt katzen- und katerwaschen. Das machen wir wieder. Nur wir sieben. Vielleicht auf Skiern. In einem Wellnesstempel. Die Berge machen Lust.