Im Jahr 2010 hat Fernsehstar Günther Jauch (60) zusammen mit seiner Frau das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar übernommen. Seine Großmutter war eine geborene von Othegraven. Also ein Familienunternehmen, das das Ehepaar Jauch nun in 7. Generation führt. Auf den 12,5 Hektaren wird ausschließlich die Rebsorte Riesling angebaut. Wir trafen ihn in Palma de Mallorca an Bord der „Europa“ beim Gourmet-Festival „Europas Beste“. Dort hat er seinen Wein persönlich an die Gäste ausgeschenkt. Gemeinsam mit „Kollegen“ wie Markus Schneider. Der Pfälzer aus Ellerstadt ist der Vorzeige-Winzer der neuen Generation, der Siegeszug seiner Weine ist beachtlich. Die Schneider-Weine sind „hip“, was – neben der grandiosen Qualität – auch an Namen wie „Ursprung“ oder „Tohuwabohu“ liegt. 

Wie lange kennen Sie sich schon unter Kollegen?

Günther Jauch: Ich weiß es genau. Wir kennen uns knapp neun Jahre. Er war einer der ersten, den ich gefragt habe, ich könnte eventuell ein Weingut übernehmen, soll ich das machen? Da saß er bei uns in Potsdam auf der Terrasse.

Markus Schneider: Er hat mich angerufen. Im ersten Moment denkt man ja dann, da sitzt einer auf dem Stuhl und hat irgendeine Fußballfrage und den Joker gezogen …

Günther Jauch: Ich hatte ihn gehört in einem Interview im Info-Radio, wo der Moderator die Wahnsinnsfrage gestellt hat: „Was wollen Sie mit Ihrem Wein erreichen?“ Als Einstiegsfrage! Da hat er lange gezögert und dann gesagt: „Ich möchte, dass die Leute meinen Wein verstehen.“ Das war der Satz, der sich mir eingeprägt hat.

Was halten Sie gegenseitig von Ihren Weinen?

Markus Schneider: Ich hab ja in einem Riesling-Weingut eine dreijährige Ausbildung gemacht, bin so überhaupt erst zum Wein gekommen. Deshalb ist Riesling bei mir an erster Stelle und seine Weine sind toll. Das war ja vor dem Einstieg schon ein tolles Weingut, aber es hat sich auch enorm entwickelt.

Günther Jauch: Seine Weine finde ich wunderbar, trinke ich auch gerne. Ich bewundere den Markus Schneider für die Nase, die er hat. Wie muss ein Wein sein, dass er wirklich den Leuten gefällt. Und zwar nicht nur den wahnsinnig Wein-affinen, sondern auch denen, die sich erst langsam an den Wein herantasten. Er ist in Deutschland ein absoluter Trendsetter, wenn Sie mal auf so ein Etikett schauen. Er war der erste, der diese Art von Etiketten eingeführt hat. Er wird zuweilen mehr schlecht als recht kopiert.

Wie wichtig ist das Marketing?

Markus Schneider: Man mag das Wort bei uns in der Branche nicht so gerne hören, was ich nicht verstehe. Wenn man ein gutes Produkt hat, ob es eine schöne Uhr ist oder irgendwas, muss ich ja auch darauf aufmerksam machen. Bei uns heißt es immer, wir haben eine große Agentur dahinter, das ist Quatsch. Wir machen das selbst, es kommt aus dem Bauch heraus. Und es kostet gar nicht mal viel Geld. Und es ist unheimlich wichtig, damit die Leute sich überhaupt erst mal mit dem Produkt beschäftigen. Die Qualität muss natürlich stimmen.

Wie viel Knochenarbeit ist das, gerade jetzt auch zur Weinlese?

Günther Jauch: Knochenarbeit machen natürlich in erster Linie unsere Erntehelfer und die anderen Mitarbeiter, die direkt im Weinberg sind. Aber es ist trotzdem übers Jahr gesehen für alle Beteiligten Knochenarbeit: Für die, die im Büro arbeiten sowie auch für die, die auf Messen und in der Gastro-Szene und in Hotels unterwegs sind. Wer denkt, dass sich Wein von alleine verkauft, der lebt in einer anderen Welt. Vor hundert Jahren hat das vielleicht mal gestimmt, aber eigentlich schon lange nicht mehr. Gerade weil es auch in Deutschland so viel hervorragenden Wein gibt.

Wie viel Zeit verbringen Sie jetzt konkret als Winter?

Günther Jauch: Ich sag’ ja nicht, dass ich Winzer bin. Ich bin immer noch Auszubildender, aber es wird immer mehr. Vor allem seit ich den Sonntagabend in der ARD aufgegeben habe, habe ich endlich mehr Zeit, um mich um unsere kleine Landwirtschaft zu kümmern, wie ich das immer nenne.

Da spielt ja auch der Prominentenbonus eine Rolle, die Marke Jauch jetzt auch noch als Weinmarke?

Günther Jauch: Das missverstehen ja viele. Es gab auch diese Ratschläge: Das Weingut muss umbenannt werden, es muss ab jetzt „Jauch“ heißen. Dann nehmen wir das Millionärslogo und schreiben drüber Millionärswein und dann kommt oben noch ein Foto von Ihnen rauf. Da werden Sie sehen, dieser Wein verkauft sich so schnell, so schnell können Sie gar nicht zuschauen. Das ist natürlich alles ganz großer Blödsinn. Das haben wir alles auch nicht gemacht. Dazu kommt noch eines: Egal wie viel Sie klingeln und trommeln, wenn der Kunde nach dem ersten Glas sagt, der schmeckt mir aber nicht, dann trinkt er das Glas doch niemals aus. Und bestellt garantiert keine zweite Flasche. Nur weil der Wein vielleicht von meiner Frau und mir kommt. Deshalb ist das alles dummes Zeug, dass sich der Wein mit dem Namen von alleine verkauft. Manche sagen sogar: Hä, jetzt will der auch noch mit Wein Geld verdienen. Dabei kennen die nicht meine Vorgeschichte: Meine Großmutter hieß von Othegraven und das Weingut ist aus der Familie.

Warum sind die Produkte gerade auf einer Kreuzfahrt gut aufgehoben?

Markus Schneider: Ich durfte ja schon ein paar Mal mitreisen, man kriegt halt Durst über den Tag. Das macht die Seeluft. Meine Frau ist ja auch Winzerin, wir haben das noch nie vorher ausprobiert. Das Pensum ist aber schon relativ hoch über den Tag verteilt. Es schmeckt eben auch auf dem Schiff, auf dem Wasser und in der Salzluft. Es ist eine perfekte Partnerschaft, Wein und Kreuzfahrt.

Herr Jauch, welche Kreuzfahrterfahrung haben Sie gemacht?

Günther Jauch: Nur einmal. Die klassische Überfahrt mit der Queen Mary von Hamburg nach New York, wo man aber nur Wasser sieht. Die Ausfahrt aus Hamburg ist großartig, die Einfahrt in New York auch. Aber so eine klassische Kreuzfahrt, dass man zumindest jeden zweiten Tag irgendwo anlandet und dann andere Städte, andere Länder erkunden kann, das habe ich bisher noch nicht geschafft. Aber wir sind sooo jung noch...

Reizt das?

Günther Jauch: Ja, mich reizt das, weil ich das noch nicht kenne. Viele sind davon begeistert, manche mögen es gar nicht, wieder andere können sich gar kein anderes Reisen mehr vorstellen. Ich möchte es gern mal ausprobieren.

Eine Woche AIDA mit zweitausend Leuten, von denen alle „Wer wird Millionär“ gucken…

Günther Jauch: Naja, Markus Schneider begegnet ja auch dauernd Menschen, die seinen Wein gut finden. Also, wer sich darüber beklagt, der ist dann eh im falschen Geschäft unterwegs. Ich hab’ ja keine Angst vor Menschen.

Was ist, wenn ein Gast kommt und sagt: „Herr Jauch, der Wein korkt!“

Günther Jauch: Dann werden wir feststellen, ob das stimmt. Wenn das so ist, dann ist uns das peinlich. Kann aber immer mal sein, dann machen wir eine neue Flasche auf.

Und wenn es nicht stimmt…was macht man dann, Herr Schneider?

Markus Schneider: …die Europa ist fünf Sterne plus - der Gast hat immer Recht.

Günther Jauch: Danke für den Hinweis, so machen wir’s. Also alle Weine korken heute…(lacht).

Kontakt:
Weingut von Othegraven (Günther Jauch)
Weingut Markus Schneider