Eine Verbindung von ökologischer Nachhaltigkeit mit Abenteuer und Komfort. Früher wuchsen hier Bananen. Heute können Gäste auf Baumriesen klettern, ausreiten, Wildwasserfahren oder einfach ausspannen. Was tun, um ein Stückchen Urwald zu retten?
 
Jürgen Stein, „Tico“ genannt, begann 1996 die Selva Bananito Eco-Lodge auf einer 850 Hektar großen alten Farm zu errichten. Zwei Drittel davon wollte er als privates „Virgin Rainforest Reservat“ erhalten. Der Grund: Das Areal an Costa Ricas Atlantikküste, unweit der Hafenstadt Limón, bildet eine natürliche Pufferzone zwischen den Talamanca Bergen, die sich von Costa Rica bis Panama erstrecken, und von denen ein großer Teil zum La Amistad Biosphere Reserve gehört. So war der Plan. Doch dann kam alles anders. Zum Glück.

Tourismus und Naturschutz passen zusammen

Zuerst ging es Jürgen lediglich darum, das von Regenwald bewachsene Gebiet vor der Abholzung zu bewahren. Andererseits muss man eben auch als „Besitzer“ so eines Urwalds von irgendetwas Leben. Jürgen entschloss sich deshalb zum Bau einer „Öko-Lodge“. „Das war eine moralische, bei weitem keine wirtschaftliche Entscheidung, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass das Einkommen von der Lodge jemals auch nur annähernd den holzwirtschaftlichen Wert des geschützten Waldes generiert“, sagt Jürgen “Tico“ dazu.
 
Der kleinere Teil für Rudi Steins Farm war schon gerodet. 1920 hatte eine Banana Company aus den USA das Land gepachtet und darauf Plantagen errichtet. Aber schon nach kurzer Zeit haben durch die Rodung bedingte Überschwemmungen, Krankheiten der importierten Stauden und zuletzt die Rezession 1929, die Firma zur Aufgabe gezwungen.
 
Doch mit dem Erhalt des Regenwalds ist das so eine Sache. Es reicht natürlich nicht, einfach einen Zaun darum zu errichten. Immerhin hat sich das bisherige Engagement gelohnt, denn die Lodge hat neben anderen Auszeichnungen für ihre Nachhaltigkeit im Bereich Konservierung und umweltfreundlichen Betrieb mit dem „Certificate for Sustainable Tourism Level 5“ die höchste Anerkennung erhalten. Das gelang bisher nur zehn Hotels weltweit!

Übernachten im Regenwald

Als vor fünfzehn Jahren die Lodge noch nicht fertig war, habe ich mit Jürgen eine 4-Tage-Tour durch sein Reservat gemacht. Ein echtes „Wow-Erlebnis“! Mit Rucksack, Hängematte und Moskitonetz im Regenwald zu übernachten, ist so spannend wie der erste Tauchgang, Fallschirmsprung und Besuch bei den Schwiegereltern am selben Tag. Die Geräusche des Dschungels ließen mich in der ersten Nacht kein Auge zu tun. Brüllaffenweibchen zetern, Tapire stöbern im Laub unter der Hängematte nach Nahrung, es flattert und knattert, krächzt und kräht pausenlos und überall. In der zweiten Nacht bleibt nach langer Wanderung nur noch ein Auge offen. In der dritten Nacht fühlt man sich schon wie Tarzan.
 
Jürgen und ich fuhren wieder in die Lodge. Später am Abend ging es zur Weihnachtsfeier der Dorfbewohner, die sich zu diesem Anlass heftig aufgerüscht hatten. Irgendwann kam der Dorf-Sheriff zu mir und sagte: „Ich wusste ja gar nicht, dass Du ein Freund von Jürgen bist, daher habe ich den ganzen Nachmittag überlegt, unter welchem Vorwand ich Dich verhaften könnte …“ Danach war die Stimmung einfach perfekt!
 
Diese wilden Anfangszeiten sind vorbei. Selbstverständlich hat sich die Lodge strengste Maßnahmen zum Umweltschutz auferlegt. Man heizt Wasser mit Sonnenenergie, verwendet biologisch abbaubare Seifen, kompostiert die Abfälle, reinigt Abwasser mit Bakterien, Enzymen und Seerosen und recycelt Plastikflaschen, Aluminium und Glas. Seit kurzem werden Solar-Kollektoren auf den Dächern der Bungalows installiert, weil einige Gäste nicht auf Strom zum Betrieb ihrer Laptops verzichten wollten und ihnen der Weg zur Farm zu lang war, um die Batterien aufzuladen.
 
Alle Bungalows, die sogenannten „Cabinas” und Wirtschaftsgebäude wurden aus „second hand wood“ gebaut. Das sind auf natürlicherweise umgestürzte Bäume oder solche, die bei kommerzieller Rodung in der Gegend zum Verrotten zurückgelassen Stämme. Zwanzig Prozent eines Baumes werden als „second hand wood“ eingestuft und normalerweise als Abfall im Wald zurückgelassen. „Wir wollen ein Beispiel dafür geben, wie die Verwendung von einem Baum zu maximieren ist”, sagt Jürgen.

Tree Climbing in Costa Rica

Damit hat er sein Ziel aus den Anfangszeiten erreicht: Den Regenwald zu erhalten und die Natur von menschlichen Einflüssen weitgehend unberührt zu lassen. Gleichzeitig ist gerade dieser Ansatz, die Natur zu schützen und dabei Aktiv- und sogar Abenteuerurlaub zu verleben, der große Renner der letzte Jahre geworden.
 
Dazu zählen Aktivitäten wie Birdwatching, Strandurlaub, Regenwaldwanderungen und Tree Climbing in den Baumriesen. Lernen Sie die Fauna und Flora eines „Brokkoli-Trees“ in 30-Meter Höhe kennen. Sicher angeseilt klettern Sie beim „Ascender‘s Climb“ in eine lange Zeit unentdeckte Welt des Waldes. Hinzu kommen Klettertouren an Urwaldberghängen oder Wasserfällen, Ausritte zu Pferd, Tauchtouren, Ausflüge zu stillen oder aktiven Vulkanen und Bootsfahrten in den mit Mangroven bewachsenen Kanälen des nahen Tortuguera Nationalparks.