Onsen: Tipps für deinen Japan-Urlaub | reisereporter.de

Japan: Wie dein Onsen-Besuch ein Erfolg wird

Unsere Autorin Sarah hat ein Austauschjahr in Japan gemacht. Der Besuch in einem Onsen (heiße Quelle) gehörte auf jeden Fall zu einem DER Erlebnisse. So lässt du potenzielle Fettnäpfchen aus, damit es auch für dich stressfrei ist.

Japanerin badet in einem Onsen.
Eine Japanerin genießt den Besuch in der heißen Quelle.

Foto: japanexperterna

Als ich das erste Mal ein japanisches Onsen betrat, war ich heilfroh, in Begleitung meiner japanischen Gastmutter zu sein. In so einer ur-japanischen Traditionsstätte folgt eine Vorschrift auf die nächste. Deswegen sind die wichtigsten Regeln: beobachten und nachahmen. Das kann dir einige unangenehme Situationen ersparen. Damit du wenigstens äußerlich den Anschein von „Klar weiß ich, was ich hier tue“ erhältst, gibt es hier die Pro-Tipps vom Betreten des Onsens bis zum Entspannen danach.

 

1. Schuhe ausziehen

Die Lieblingsdisziplin in Japan: Schuhe ausziehen. Aber Achtung: Nicht erst in der Umkleide. Ein Schuhregal steht meistens direkt neben der Kasse. Du tauschst sie gegen ein Paar Sandalen ein, die bereitstehen.

2. Die richtige Umkleidekabine finden

Die erste größere Hürde, wenn du tatsächlich in dem kleinen Flur hinter der Kasse alleine sein solltest: Den Eingang zu den richtigen Umkleidekabinen finden. Die Situation könnte im Extremfall zu einem Glücksspiel werden. Tor eins oder Tor zwei? Um deine Erfolgschancen zu erhöhen, gibt es folgende Anhaltspunkte: die japanischen Zeichen für Mann (男) oder Frau (女) sind über dem Eingang sichtbar. Solltest du noch keinen Japanisch-Grundkurs belegt haben, kannst du dich an die Farbgebung halten. Die Umkleideräume für Frauen sind in der Regel mit roten Vorhängen gekennzeichnet. Die der Männer mit blauen. 

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3. Was ziehe ich aus, was behalte ich an?

Ein typischer Umkleideraum sieht folgendermaßen aus: Der Boden ist mit Bambusmatten ausgelegt. Auf einer Seite gibt es entweder Spinte oder Regale mit nummerierten Körbchen, in die du deine Kleidung ablegen kannst. Auf der anderen Seite sind Spiegel, Steckdosen oder Föne angebracht. Eine Tür führt zu einer Toilette und eine weitere in den angrenzenden Badesaal. Du musst unbedingt sämtliche Klamotten vor Betreten des nächsten Raums ausziehen. Dafür sind die Badebereiche für Männer und Frauen voneinander getrennt. Auch deine gerade liebgewonnenen japanischen Sandalen lässt du zurück. Du nimmst einzig ein kleines Badetuch mit hinein, mit dem du deinen Intimbereich bei Bedarf abdecken kannst, während du dich außerhalb der Quelle befindest. Selbst Duschgel und Shampoo musst du in der Regel nicht mit hineinnehmen – das gibt es im Duschbereich. Nun kannst du die weichen Bambusmatten des Umkleideraums verlassen und das Bad betreten.

4. Achtung: Erst einseifen und abduschen

Jetzt bloß nicht zu voreilig! Denke nicht, du könntest mit deinem Handtuch einen Plastik-Liegestuhl reservieren und dann mit Köpfer ins Wasser tauchen. Bloß nicht! Dein Handtuch behältst du schön bei dir und gehst zu den Duschplätzen in deiner unmittelbaren Nähe. Dort stehen nebeneinander mehrere Holz- oder Plastikhocker.

Die einzelnen Plätze sind durch einen Sichtschutz voneinander getrennt, sodass du nicht ständig den Wasserstrahl des benachbarten Duschkopfs abbekommst. Setze dich auf einen freien Hocker und befülle den Holzbottich vor dir mit warmem Wasser. Sollte zudem ein Duschkopf vorhanden sein, kannst du auch diesen nutzen. Shampoo und Duschgel stehen in der Regel in Reichweite (größere Seifenspender-Flaschen).

Die Japaner lassen sich an dieser Stelle bereits viel Zeit, da sie so sauber wie möglich in die heiße Quelle gehen wollen. Du kannst auch dein kleines Handtuch als Waschlappen verwenden. Wichtig: Du musst es bei den Duschen auswringen und nicht erst im Wasser. Wenn du fertig bist mit duschen, reinige mit dem Duschkopf oder durch Ausschütten des Bottichs deinen Platz (das solltest du vorsichtshalber übrigens auch vor dem Hinsetzen machen).

Hocker und Duschabteile in einem Onsen.
Die Duschen im japanischen Onsen. Foto: japanexperterna

5. Jetzt endlich der Köpfer ins Wasser?

Sachte, sachte. Beim Betreten der heißen Quelle solltest du langsam ins Wasser gehen, damit die anderen Badegäste nicht gestört werden. Das kleine Handtuch kannst du entweder am Rand platzieren oder du legst es dir über den Kopf. Keine Sorge, das macht dort wirklich jeder so. Schwimmen ist einfach nicht gerne gesehen. Such dir ein ruhiges Plätzchen am Rand oder bewege dich maximal langsam durchs Wasser. 

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6. Und danach? Entspannen.

Nach deinem Onsen-Besuch (du kannst dich ruhig nach dem Verlassen des Wassers noch einmal abspülen, musst du aber nicht) ist der Ruhebereich der richtige Ort für das Quäntchen Extra-Entspannung. Hierzu gehst du wieder in die Umkleidekabine zurück, ziehst dich an und läufst dann Richtung Ausgang [kleine Anmerkung: Ja, du bist wieder angezogen]. Noch vor dem Schuhregal müsstest du auf einen Ruheraum stoßen. Meist sogar mit einem Kamin ausgestattet, lässt es sich hier gut wieder in der Welt außerhalb dieser ur-japanischen Institution ankommen. 

7. Hab Verständnis für all diese Formalitäten

Tatsächlich gibt es neben diesen Verhaltensregeln noch eine Sache, die dich betreffen könnte. Denn in ungefähr der Hälfte aller japanischen Onsen sind Tattoos verboten. Diese Regel geht darauf zurück, dass Japaner mit Tattoos die kriminellen Organisationen der Yakuza verbinden. Dieses Vorurteil ist nicht nur fest in den Köpfen der Menschen verankert, sondern wird auch von vielen Onsen unterstützt, die Tätowierten den Zugang verwehren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass dir als Tourist dieses Fauxpas verziehen wird. Zur Sicherheit fragst du am besten am Eingang nochmal nach, wie da die Regeln genau sind. Naturgemäß wirst du schnell als Tourist erkannt und die Japaner werden dir mit Sicherheit einige Unsicherheiten im Ablauf verzeihen.

 

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Die Autorin
Seit sie für ein halbes Jahr in Japan war, ist sie jede freie Minute unterwegs. Ob Wochenendausflug an die Nordsee zum Surfen, Fahrradtour durch Schweden und Estland, Kletterurlaub ... mehr
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