Stell dir vor, du sitzt im Flugzeug und dein Sitznachbar macht gerade mit einem anderen Fluggast rum. Oder ein aufblasbarer Riesen-Penis wird durch die Sitzreihen gereicht. Oder der Reisende trägt nichts – außer einem Mankini.

Du denkst jetzt, das kann doch nicht wahr sein? Wir sagen dir: Oh doch! Die „Beweise“ in Form von Fotos dazu sammelt Shawn Kathleen auf ihrer Facebook-Seite und ihrem Instagram-Kanal unter dem Hashtag #passengershaming.

Zahlreiche Bilder bekommt sie tagtäglich zugeschickt. Und sie arbeitete selbst als Flugbegleiterin. Spricht also aus Erfahrung. „Ziel ist es, dass Menschen über ihre Verhaltensweise in der Öffentlichkeit nachdenken“, sagte Shawn Kathleen dem Traveller-Magazin von Condé Nast. Es gebe gewisse soziale Standards und diese sollten eingehalten werden.  

Auch sie selbst verfolge bei der Veröffentlichung der Bilder Regeln. So stellt sie klar, dass es nicht darum gehe, Menschen aufgrund ihrer Kleidung, ihrer Haare, ihres Gewichts oder ihres Aussehens zu blamieren. Shawn Kathleen gehe es rein um unangemessene Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit. 

Besonders weit verbreitet unter den unangemessenen Verhaltensweisen ist das nackte-Füße-Syndrom. Manchen Menschen ist es scheinbar mehr als egal, dass ihre Füße … nun ja … sehr unappetitlich aussehen. Sehr gerne werden die unbekleideten Tatsachen für mehr Sitzkomfort auf den kleinen Tischchen abgelegt.

Profis quetschen ihre Zehen zwischen Sitz und Flugzeugwand, um sie auf der Armlehne ihres Vordermanns abzulegen. Und wieder andere nutzen die Zeit zur Pediküre. 

Da ist es fast schon niedlich, wenn die Frau auf dem Sitz eine Reihe vor dir „nur“ ihre Haarpracht über deinen Bildschirm baumeln lässt. Oder jemand seine Yoga-Übungen im Gang absolviert. 

Besonders schlimm: Du kannst nicht wirklich etwas dagegen tun. Also, wenn dein Sitznachbar im Flugzeug seine Fußnägel kürzt, bist du auf das diplomatische Geschick des Kabinenpersonals angewiesen. Denn nach Auskunft der Deutschen Luftfahrt-Behörde sind solche Vorgänge rechtlich nicht geregelt. „Dafür ist das Kabinenpersonal zuständig“, sagte eine Sprecherin auf reisereporter-Anfrage. 

Auch bei Lufthansa wird das bestätigt. „In solchen Fällen sollten sich Fluggäste an das Kabinenpersonal wenden“, erklärte Lara Matuschek, Sprecherin bei Lufthansa. Ihre Kollegin, Anja Lindenstein, versicherte, dass alle Mitarbeiter speziell geschult seien: „Unser Kabinenpersonal ist angehalten, immer deeskalierend zu wirken.“

Lasse sich der Konflikt zwischen zwei Fluggästen nicht lösen, bestehe die Möglichkeit, dass einer der Betroffenen umgesetzt wird. Bei dem Beispiel Fußnägel kürzen würde das Personal zuerst den Fluggast bitten, das zu unterlassen oder sich in den Waschraum zurückzuziehen. Als zweites werde der Purser (der Leiter des Kabinenpersonals) hinzugezogen und es gebe natürlich auch die Möglichkeit, den Kapitän zu informieren. „Dass es sich aber um einen Unruly Passenger handelt, ist extrem selten“, weiß Lindenstein. Damit sind Personen gemeint, die randalieren und pöbeln.

„Die Flugbegleiter haben ein besonderes Feingefühl für zwischenmenschliche Probleme“, sagt Lindenstein. So werde in der Regel das Worst-Case-Szenario einer Zwischenlandung vermieden.

Auch beim Billig-Flieger Ryanair wird ähnlich verfahren. „Ryanair hat strenge Richtlinien für die Beförderung von Kunden, welche den Flug stören“, stellte Robin Kiely, Head of Communications bei Ryanair, auf Anfrage klar. „Sollte sich ein Passagier während des Fluges unzulässig verhalten oder für Unruhe sorgen, kann dieser vom Flugpersonal oder dem Piloten verwarnt werden.“ Außerdem könne die Person nach der Landung für weitere Sanktionen haftbar gemacht werden. „Wir werden zu keiner Zeit ausfallendes oder störendes Verhalten tolerieren. Die Sicherheit und der Komfort unserer Kunden, Besatzung und Flugzeuge hat für uns höchste Priorität“, sagte Kiely mit Nachdruck.