Ich kann mich noch genau erinnern. Ich saß in einem kleinen Boot und durfte zum ersten Mal in meinem Leben ans Ruder. Neben mir saß meine Mutter. Ich steuerte wie wild. Dachte, wenn ich einmal nicht richtig lenken würde, führe unser kleines Boot irgendwo gegen das Ufer. Ich war vielleicht drei Jahre alt. Wir waren im Legoland in Billund. Und ich war aufgeregt wie nie.

„Mami! Gleich kracht es!“ Aufgeregt zeigt meine Tochter auf das kleine Boot vor uns. Sie lenkt wie wild. Ich sitze neben ihr. „Fuß vom Gas!“, fordere ich. Doch da kracht es schon in bester Autoskooter-Manier mitten auf dem Wasser. Nike grinst: „Nichts passiert!“ Sie strahlt. Sie darf zum ersten Mal selbst das Ruder übernehmen. Sie ist fünf Jahre alt, und wir sind im Legoland in Günzburg. 

2002 wurde der Park in Bayern zwischen Stuttgart und München eröffnet – und er bietet längst mehr als nur das Miniland, mit dem einst alles begann. Als 1968 Legoland im dänischen Billund eröffnet wurde, waren die kleinen, aus Legosteinen nachgebauten Städte die Attraktion des Parks.

Darth Vader und Yoda wohnen im Legoland

Und auch in Günzburg gruppieren sich alle acht Themenparks mit ihren rund 50 Fahrattraktionen um die Nachbauten von Klein-Venedig, holländischen Landschaften oder auch Hamburg, um Berlins Reichstag und die Museumsinsel oder den Frankfurter Flughafen.
 
Inzwischen sind sogar die Stars aus ganz anderen Welten im beschaulichen Legoland gelandet: Darth Vader und Yoda sind die Figuren, die neuerdings auch ihre Fans anziehen. Aus insgesamt 55 Millionen Legosteinen sind die Modelle gefertigt. 

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„Das Miniland ist nach wie vor das Herzstück des Parks“, betont Stephan Prien, der für das Marketing des Parks zuständig ist: „Aber wir sind weit mehr als Klötzchenbauer.“ So sollen sich die Kinder nicht nur passiv bespaßen lassen, sondern auch aktiv mitmischen – und das können sie beispielsweise auch in Workshops, in denen sie lernen, einen Computer so zu programmieren, dass der Lego-Roboter genau das tut, was man von ihm will. Und auch beim Spielen geht es ums Mitmachen. Im 2007 eröffneten „Land der Piraten“ kannst du beispielsweise schnell unter Beschuss geraten.

Wasserschlacht auf dem Piratenboot im Miniland

„Iiiiiiiieeeeeeeehhhhh!!!“ Das Gekreische ist groß. Der Vater auf dem Piratenboot, das gerade vor dem Anleger kreuzt, hat getroffen. Mit seiner Wasserkanone zielt er auf alles, was sich auf dem Steg bewegt. Ihm ist der Spaß genauso anzusehen wie denen, die sich kreischend hinter den Holzbalken zu verstecken suchen. Mutter und Tochter feuern zurück.
 
Die T-Shirts sind schon klitschnass. Wie wild drehen die Kids an den Kurbeln, mit denen das Wasser durch die Spritzpistole gedrückt wird. Es ist heiß an diesem Nachmittag im Legoland. Die Sonne über Bayern brennt, und alle sind für eine Erfrischung dankbar. Erwachsene, die zu Kindern, Kinder, die zu wilden Seefahrern, und alle, die zu Piraten werden. Zum Trocknen geht es dann ab in die Schiffschaukel, dann ein Eis, das im Legoland bezahlbar bleibt. Die Preise sind nicht höher als beispielsweise in einem Eiscafé in der Innenstadt.

Wolkenkratzer und Drachenburg

Das Legoland wächst jedes Jahr. 2016 sind die Wolkenkratzer-Giganten „High Five“ und die Drachenburg im Feriendorf hinzugekommen. Ein besonderer Anziehungspunkt für kleinere Gäste ist auch das Land der Ritter. Dort können sie allein auf Pferdchen, die einzeln auf Schienen fahren, an Legoknappen und -rittern vorbei in ein Land vor unserer Zeit galoppieren. Mit einer kleinen Achterbahn können sie schon einmal auf Drachenjagd gehen, während die größeren mit dem Feuerdrachen durchs Schloss brausen.
 
Vor der Fahrt wird anhand von – natürlich – Legosteinen festgestellt, ob das Kind groß genug für die wilde Fahrt ist. Reicht es bis zum grünen Klötzchen, ist alles okay und es darf einsteigen. Bei Rot hingegen hört der Spaß auf – kein Eintritt – und den haben manchmal auch die Großen nicht. Wer beispielsweise bei der „Kanu X-pedition“ zu groß ist, darf nicht einsteigen.
 
Und das gefällt besonders den Kleinen, die den Großen auch einmal etwas voraushaben dürfen. Auch hier wird gepaddelt, was das Zeug hält. Auch wenn das kleine Kanu auf Schienen voran rutscht. Die kleinen Kanuten sind viel zu beschäftigt, um das zu merken.

Unterwasserwelt im Atlantis by Sealife

Um etwas zur Ruhe zu kommen, geht es ins „Atlantis by Sealife“. Seit 2005 gehört das Legoland zur Merlin Entertainments Group, zu der auch die Aquarien des Sealife gehören. 2009 eröffnete in Günzburg eine Unterwasserwelt, in der beides zusammenkommt: Die Haie und Rochen umkreisen ein U-Boot aus Legosteinen, Seesterne haken sich auf Lego-Schatzkisten fest, und zwischendrin ist natürlich auch ein Taucher aus den Klötzchen. Was den Fischen nichts ausmacht, beschäftigt die Mitarbeiter von Zeit zu Zeit sehr: Mit Zahnbürsten putzen sie die Algen von den einzelnen Klötzchen.
 
Am Abend genügt ein kurzer Fußweg durch den Wald, und man ist im Legoland-Feriendorf angekommen. Dort hat in diesem Jahr eine ganz besondere Ritterburg eröffnet. Sie hat 34 Zimmer, in denen nicht nur Kerzenständer und Wappen aus Lego sind, sondern es in den Kinderzimmern auch jede Menge der bunten Klötzchen zum Spielen gibt. Doch sie bleiben an diesem Abend ungenutzt. Natürlich ist das Burgfräulein überhaupt nicht müde. Aber kaum liegt es im Bett, schläft es schon.