30. Dreißig Jahre. Drei-Null. Wer wird schon freiwillig 30? Der runde Geburtstag war kein Drama für mich, aber so richtig super fand ich den Gedanken auch nicht: nie wieder in den Zwanzigern sein. Ab jetzt: thirty-something. Erwachsen. Faltencrème, Reihenhaus und Hyaluronspritzen. 

Also wenn schon 30 werden, dann bitte mit Stil. Ich ließ mich von meinem Lebensgefährten nach Rom entführen. Drei Tage Dolce Vita, Pasta, tiefroten Montepulciano, das alte Rom. Autofahrer hupen, Pilger pilgern. Schwarzgewandete Priester hetzen durch die engen Gassen, elegante Signoras mit großen Sonnenbrillen stöckeln über das Kopfsteinpflaster, als seien sie auf den Schuhen geboren worden und vielleicht sind sie das auch. Klischee? Klar. Aber die Römer erfüllen gern ihr eigenes Klischee. Es ist ihre Art. Und weil es mein 30. Geburtstag ist, habe ich nichts Vernünftiges eingepackt. Vier Kleider für drei Tage, Ballerinas, passende Sonnenbrillen. Hallo Rom, ich bin wieder da. Beim letzten Besuch war ich 20, trug Turnschuhe und bequeme T-Shirts. Ich sprach kein Wort italienisch und hatte versehentlich ein Hotel 20 Kilometer vor der Stadt gebucht. Neuer Versuch.

Roma-Pass und 72-Stunden-Ticket lohnen sich nicht immer

Unser Hotel: Vatican Domus. Günstig, nah am Petersplatz, eine rustikale Wohnung mit fünf Gästezimmern und einem Korb Schokolade neben dem Bett. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist überraschend lausig, dafür kann man zur Engelsburg und zum Petersplatz laufen. Ein 72-Stunden-Ticket für 18 Euro haben wir übrigens nicht gebraucht – eine Bahnfahrt kostet gerade mal 1,50 Euro. 

Das Touristenticket Roma Pass haben wir uns auch gespart. Es soll eigentlich privilegierten Eintritt in die Sehenswürdigkeiten erlauben und Wartezeiten verkürzen. Weil das aber fast alle machen, sind die Schlangen für sie viel länger, als die Schlangen vor den Kassen. Vor dem Kolosseum und all seinen alten Verwandten stehen übrigens Kartenverkäufer. Bloß nicht auf ein Gespräch einlassen. Oft sind die Tickets gefälscht und im schlimmsten Fall lauert hier noch ein Taschendieb. 

Touristen-Massen einfach schönmalen

Sehenswürdigkeiten in Rom sind voll von Menschen, immer. Mein zehn Jahre jüngeres Ich wünschte sich die Touristen fort, mein Hallo-30er-Ich ist entspannter. Ich schlängele mich durch das Geschiebe und lächle das Chaos einfach weg. Ich bin hier. Ich bin genau da, wo ich sein wollte. Im Kolosseum, jenem Ort, an dem Kaiser Titus der Sage nach 100 Tage lang gefeiert haben soll, komplett mit Seeschlachten und Gladiatorenkämpfen. Die Touristen von heute sind die Statisten meiner Phantasie, jubeln den Gladiatoren von den Rängen zu. 

Touristen-Ziele? Ja bitte! Natürlich gehe ich auf den Petersdom und schaue auf die Vatikan-Stadt hinab. Auf dem Dach gibt es einen Souvenir-Shop, Wein (lecker) und Mojito-Eis (gar nicht lecker). Und das einmalige Gefühl, auf dem Dach einer Kathedrale angestoßen zu haben.

Von oben. #Rom #cupola

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Buon Appetito!

Nur einmal esse ich so richtig schlecht an meinen drei Tagen in Rom – mitten in der Stadt, ausgerechnet Spaghetti Carbonara. Sie sind verdammt teuer und dass keiner von uns eine Lebensmittelvergiftung bekam, ist auch schon alles.

Eine deutsche Wahlrömerin gibt mir einen besseren Tipp: Trastevere, das alte Arbeiterviertel. Hier isst man zwischen Blumen in engen Gassen, durch die sich nur alle paar Minuten mal ein Lieferwagen quält, wenn überhaupt. Über den Wegen hängt die Wäsche der Anwohner, unten treffen sich die Studenten zum Fußballgucken oder After Work zum Aperitivo. Die Kellner sind so langsam und so viel unterwegs, dass wir einmal aus Ratlosigkeit die Zeche prellen (schlecht fürs Karma). In den Restaurants mischen sich noch ein paar letzte Römer unter die Touristen, in den Bars ist das Verhältnis umgekehrt. Das Essen ist günstig, aber unfassbar lecker. Zarte Pasta, knusprige Pizza und der Montepulciano D’Abruzzo ist samtig und geradezu absurd billig. Wir sind an zwei Abenden da und verlaufen uns doch wieder. 

Der Tiber ist eine gute Landmarke, an ihm finden wir schließlich den Heimweg. Urgemütlich: das Ristorante Il Poniento an der Piazza del Drago. Und im Cave Canem an der Piazza die San Calisto hatte ich die vielleicht beste Pizza meines Lebens.

War noch was? Achja, das Eis natürlich. Ich hatte drei Sorten Schokolade – Nussschokolade, Milchschokolade, dunkle Schokolade – in der Eisdiele Giolitti, Reiseführergeprüft seit 1900. Die Schlange ist lang, das Eis ist es wert. 
Zuletzt war ich mit 20 dort, nun mit 30. Rom, ich werde wiederkommen. Vielleicht wird es wieder zehn Jahre dauern und dann ist es wieder der Start in einen ganz anderen Lebensabschnitt. Teurere Kleider, noch größere Sonnenbrillen? Rom, das gehen wir gemeinsam an. Grazie per tutti. 

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