Auf diesen Titel sind wir nicht wirklich stolz! Wir Deutschen sind Weltmeister beim Thema Beschwerden nach Reisen. Das belegen die neuesten Zahlen, die die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) jetzt vorgelegt hat. Rund 13.000 (!) Schlichtungsanträge werden demnach bis Ende dieses Jahres dort eingehen. Das sind 14 Prozent mehr als 2015.

Die SÖP hat ihren Sitz in Berlin und ist von der Bundesregierung als Verbraucherschlichtungsstelle anerkannt. Der Leiter, Edgar Isermann, war ab 1973 in der niedersächsischen Justiz tätig. Unter anderem 15 Jahre als Richter in Hannover, 13 Jahre im Niedersächsischen Justizministerium und bis 2009 weitere acht Jahre als Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig. Wer sich mit seiner Beschwerde nach einer Reise mit Flugzeug, Bahn, Bus oder Schiff nicht genügend ernstgenommen fühlt, wendet sich an die SÖP. Im vergangenen Jahr lag die Quote der daraufhin erfolgten Schlichtungen allein im Luftfahrtbereich bei satten 90,7 Prozent.

Der Ärger nach Flügen macht auch mit Abstand den Hauptanteil der Beschwerden aus. Bis Mitte Dezember waren 9.931 Anträge dazu eingegangen, 2015 waren es noch 8.708 gewesen. Zum Thema Bahnreisen wurden es weniger Anträge: 2.164 im Vergleich zu 2.591. Die übrigen eingegangenen 529 Fälle betrafen Fernbus, Schiff und Nahverkehr.

Die Gründe für den Ärger sind vielfältig: Flugausfälle wegen Streiks (z.B. Lufthansa), Ärger über miese Bordverpflegung oder unfreundliches Kabinenpersonal. Geschlossene  Speisewagen in den Zügen der Deutschen Bahn, oder große Verspätungen. Manch einer beschwert sich jedoch auch nur um der Beschwerde willen ...

Heinz Klewe, Geschäftsführfer der SÖP, rechnet für das neue Jahr übrigens mit einer weiteren Zunahme an Beschwerden ... Was auch daran liegen wird, dass die deutschen Verkehrsunternehmen ab Februar 2017 gesetzlich dazu verpflichtet sind, auf ihren Webseiten auf das Schlichtungsverfahren hinzuweisen. Firmen, die bereits freiwillig mit der SÖP kooperieren, haben gute Erfahrungen dabei gemacht. Mario Köpers, Leiter Unternehmenskommunikation TUI Deutschland, sagte dem reisereporter dazu: „Wir arbeiten seit nunmehr drei Jahren eng und gut mit der SÖP zusammen. Die Schlichtungsstelle hilft, Klageberge erfolgreich abzubauen und allzu überzogene Kundenerwartungen einzufangen.“