Typisch Stuttgart

... oder: 7 Tipps, wie du nicht sofort als „Neigschmeckter“ auffliegst.

Menschen entspannen auf dem Schlossplatz in Stuttgart
Typischer Anblick in Stuttgart: Menschen, die auf dem Schlossplatz chillen.

Foto: imago/Arnulf Hettrich

Die Stuttgarter sind ein ganz eigenes Volk. Selbst wer Jahrzehnte unter ihnen lebt, wird nie einer von ihnen sein. Jeder „Neigschmeckte“ entlarvt sich spätestens dann, wenn er beim Bäcker eine Brezel oder eine Schrippe/Semmel verlangt. Wir verraten dir, wie du in Stuttgart nicht sofort als Tourist auffliegst.
 

1. Hänge ein -le dran. Überall.

Der schwäbische Dialekt ist ein Fall für sich. Im Gegensatz zu bayerisch oder sächsisch lässt er sich nur ganz schwer imitieren und schon gar nicht erlernen. Umgekehrt können die Stuttgarter dafür alles. Außer hochdeutsch. Selbst wenn sie es mit der deutschen Sprache versuchen, klingen sie wie Günther Oettinger. Fortgeschrittene dann wie Jürgen Klinsmann. Stuttgarter bleiben auch gerne unter sich und sind Fremden gegenüber eher maulfaul.

Willst du dennoch mit den Einheimischen kommunizieren, versuche es zumindest in deren Sprache. Da das für jeden Nicht-Schwaben aber ohne Zungenkrampf unmöglich ist, hilft folgende Regel: Alles, was die Schwaben lieben, hat am Ende ein -le. Schätzle, Spätzle, Häusle, Mäusle. Gehst du also zum Becker, dann bestelle unbedingt „a Brezle“ und „a Weckle“. 

#körperwelten #schleyerhalle #anatomie #schwäbisch #mirkönnnedallesaußerhochdeutsch

A post shared by Sabine Wegner (@sabinchen0711) on

 

2. Stelle die Frage: Was geht da noch weg?

Diese Frage mag im ersten Moment völlig absurd klingen. Hierzu musst du verstehen, wie der Stuttgarter tickt: Für ihn ist es das höchste der Gefühle, wenn er die Weckle vom Vortag bei seinem Lieblingsbäcker zum halben Preis bekommt. Kauft der Stuttgarter in seinem geliebten Luxus-Kaufhaus Breuninger mehr als eine Hose, verwandelt sich der Kassenbereich schlagartig in einen türkischen Basar.

Denn jetzt sind sowohl Verkäuferin als auch Kunde in ihrem Element: Sie handeln, was das Zeug hält. Frag an jeder Kasse und in jedem Laden, was da noch weg geht und du bekommst neben einem seligen Lächeln der Verkäuferin in vielen Fällen auch noch ein paar Prozent Rabatt.

3. Schaffa, schaffa, Häusle baua.

Der große Traum eines jeden Stuttgarters: ein Eigenheim. Damit dieser Traum noch vor dem 30. Lebensjahr in Erfüllung geht, kriegen die meisten schon bei ihrer Geburt einen Bausparvertrag geschenkt. Solltest du also zufällig ernsthaftes Interesse an einer Stuttgarterin oder einem Stuttgarter haben, vergraule ihn bloß nicht mit dem Satz, dass du ein Girokonto, das mehr hergibt als den Kauf einer Waschmaschine bei Ebay-Kleinanzeigen, für völlig überbewertet hältst.

4. Halte dich an Geschwindigkeitsbegrenzungen

Ja, Stuttgart ist die Stadt der Autobauer. Da diese aber ihren Job so gut machen, dass sie fast nur PS-starke Mobile herstellen, hat die Stadt Stuttgart blitzertechnisch in den letzten Jahren extrem aufgerüstet. An der Cannstatter Straße zum Beispiel stehen drei (!) Radarfallen auf einer Strecke von vierhundert Metern.

Gleich verhält es sich auf der Theodor-Heuss-Straße, auf der Tuner und Autofans gerne Rennen fuhren. Bis ihnen die neu eingeführte Tempo-30-Zone und die drei Blitzer im Abstand von nur 500 Metern Einhalt geboten haben. Wer also in Stuttgart wirklich sparen möchte, sollte nicht zu schnell fahren.

5. Bestelle Spätzle, Maultäschle oder Ochsenbäckle

In den richtig guten schwäbischen Restaurants sind viele Speisekarten auf schwäbisch. Da du vermutlich nichts verstehst, achte auch hier einfach nur auf die Endungen der Gerichte: Alles mit -le schmeckt vorzüglich. Alles, an das man im Zweifelsfall den schwäbischen Diminutiv hängen kann, auch. Zum Beispiel „a Sößle“, „Süpple“ oder „Salätle“.  

 

 

6. Fahre ein Stuttgarter Auto

Wenn du kein Auto eines Stuttgarter Autobauers fährst, lasse es besser stehen. Erstens ist Stuttgart eh die Stau-Stadt Nummer 1 in Deutschland und zweitens schaut dich jeder Stuttgarter nur mitleidig an, wenn es nur zu einem Seat oder Ford gereicht hat. 

 

7. Betone die Vorzüge der Kehrwoche

Stuttgarter sind Ordnungs-Fanatiker. Was sie vor allem lieben: ihre Kehrwoche. Laut Duden ist das die „Woche, in der eine Mietpartei verpflichtet ist, die Treppe (den Bürgersteig oder Ähnliches) zu reinigen.“ Der Stuttgarter Rapper MC Bruddaal widmete ihr sogar einen Song mit der Liedzeile: „Kehrwoch schaffe, Du muscht Dich aufraffe, Du bisch wieder dra.“ 

Wenn du sagst, dass du die Einführung der Kehrwoche in deinem Mehrfamilienhaus auch sehr sinnvoll finden würdest, nehmen dich die Stuttgarter sicher gerne in ihr Kreisle auf. 

#Stuttgart #stuggi-town #Kehrwoche #schwaben #swabia

A post shared by Susann Rook (@susannrook) on

 

Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Die Autorin
Journalistin aus dem Herzen Oberschwabens, der erst die Fremde lehrte, was sie an der Heimat hat. Nach Jahren in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart ist es jetzt der Liebe wegen Nürnb ... mehr
#Trending