Ich werde heute Abend auf den Weihnachtsmarkt gehen. Morgen auch. Und übermorgen immer noch. Genauso wie gestern, vorgestern und vorvorgestern. Ohne Angst. Denn meine persönliche Freiheit lasse ich mir nicht von irgendeinem fehlgeleiteten Ideologen einschränken.

Nach ersten Angaben der Ermittler handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Attentat auf den Weihnachtsmarkt im Schatten der Gedächtniskirche in Berlin. Zu den Motiven ist bisher nichts bekannt.

Die Vorgehensweise ist perfide: Der mutmaßliche Täter hat einen Lkw in eine friedliche Menschenmasse auf einem Weihnachtsmarkt gesteuert. Einem Ort, an dem die schweren Themen dieser Welt beim Betreten normalerweise vergessen werden. Einem Ort, an dem der Geruch von Zimt, Lebkuchen und Glühwein für ein wohliges Gefühl und Zufriedenheit sorgt.

Nun wird die Stippvisite am Glühweinstand überschattet von Angst. Wenn Menschen sonst „nur“ in U-Bahnen oder im Flugzeug ein mulmiges Gefühl hatten, ist dieses jetzt gegenüber allem, was potenziell angreifbar  beziehungsweise nicht geschützt ist, angekommen. Mitten in der Weihnachtszeit. Einem Fest, das für die Nächstenliebe steht.

Und obendrein wird das Attentat  instrumentalisiert. Vorneweg von rechtspopulistischen Parteien, deren Anhänger sofort brüllen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel weg muss. Sie skandieren die bekannten Parolen aus Fremdenhass. Dazu die Hilferufe nach mehr Sicherheitsmaßnahmen. Schwerbewaffnete Polizisten, Poller und Betonblöcke vor den Weihnachtsmärkten sollen nun das Mittel der Wahl sein. Vor 27 Jahren haben wir eine Mauer eingerissen und jetzt sollen sie das Mittel der Wahl sein, um Sicherheit zu garantieren? Das ist doch Wahnsinn.

Da mache ich nicht mit. Ich habe keine Lust, meine Freizeit von Angst, Angstmachern und auch nur einem mulmigen Gefühl beeinflussen zu lassen. Natürlich habe ich Mitgefühl mit den Opfern und deren Angehörigen. Mir tut es unfassbar leid, was geschehen ist.

Aber wenn wir uns das unbeschwerte Gefühl nehmen lassen, dann geben wir unsere Freiheit selbst auf. Dagegen helfen keine Waffen, Poller und Betonklötze. Freiheit fängt im Kopf an. Deshalb sollten wir alle heute Abend auf den Weihnachtsmarkt gehen.