Die Deutsche Bahn AG bekommt neue private Konkurrenz. Am 14. Dezember 2016 ist der „Locomore“ erstmals auf den Schienen zwischen Stuttgart und Berlin unterwegs. Der orangene Zug lockt mit Dumping-Preisen, Öko-Image und vielen neuen Bahn-Ideen. Die Fahrt zwischen Frankfurt und Berlin soll schon ab 22 Euro zu haben sein. Die Fahrgäste können dabei zwischen Ruhezonen und diskussionsfreudigen Runden im Themen-Abteil wählen.

Zunächst ist Locomore nur mit einem einzigen Zug vertreten. Die Nachfrage lässt sich aber offenbar gut an. Binnen weniger Tage hatte der Neuling nach eigenen Angaben 2.500 Tickets verkauft. Was solltest du über den Zug wissen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Idee steht hinter Locomore?

Der Newcomer im Bahngeschäft ist nach dem Hamburg-Köln-Express (HKX, seit 2007 auf den Schienen) im Fernverkehr erst der zweite private Herausforderer für die Deutsche Bahn. Locomore will sich unter anderem mit Ökostrom und Bremsenergierückgewinnung als grüne Alternative zur Bahn durchsetzen. 100 Prozent Ökostrom verspricht allerdings auch die Deutsche Bahn im Fernverkehr. An Bord setzt Locomore auf Öko: Das Essen ist zum größten Teil bio, der Kaffee fair trade. Auch beim Preis will das Berliner Unternehmen den Platzhirsch regelmäßig unterbieten.

Wer hat Locomore erfunden?

Gegründet hat das Unternehmen der Hamburger Derek Ladewig (45). Der studierte Verwaltungswissenschaftler war zuvor unter anderem Bahnreferent im Bundestag. Mit 61,5 Prozent hält Ladewig die Mehrheit der Gesellschaftsanteile von Locomore.

Locomore-Geschäftsführer Derek Ladewig.
Geschäftsführer Derek Ladewig bringt den Locomore-Zug in Deutschland auf die Schienen. Foto: imago/Sven Lambert

Wie finanziert sich Locomore?

Über Crowdfunding. Im Internet sammelt Ladewig Geld für das Projekt ein. Nach Angaben des Unternehmens sind so inzwischen mehr als 600.000 Euro zusammengekommen. Der Großteil stammt von privaten Kleininvestoren, die nun darauf hoffen, dass Locomore ein wirtschaftlicher Erfolg wird.  

Auf welchen Strecken verkehrt Locomore?

Der Zug fährt standardmäßig jeden Morgen von Stuttgart über Frankfurt und Hannover nach Berlin. Am Nachmittag geht es wieder zurück. Zwischenstopps gibt es in Darmstadt, Frankfurt-Süd, Hanau, Fulda und Kassel. In Berlin hält der Locomore als einziger Fernzug tagsüber am legendären Bahnhof Zoo.

Für 2017 plant Locomore weitere Verbindungen: Berlin-Binz (Rügen), Bonn-Berlin und München-Frankfurt. Die Fahrpläne sind bereits bei der DB Netz AG reserviert.

Locomore Streckenplan
Bisher verkehrt der Locomore nur zwischen Stuttgart und Berlin. Foto: Locomore

Wann gehts los?

Starttermin war Mittwoch, 14. Dezember, um 6.21 Uhr ab Stuttgart. Zurück ging es ab Berlin-Lichtenberg um 14.28 Uhr.

Was heißt Locomore in Zahlen?

1 Zug, bis zu 500 Plätze pro Fahrt, 15 Stopps, 6 bis 8 Waggons, 25 Mitarbeiter, 600.000 Euro Startkapital aus Crowdfunding.

Wie schnell fährt Locomore?

Der Zug erreicht 200 km/h. Von Frankfurt nach Berlin dauert die Fahrt viereinhalb Stunden. Das ist eine gute Stunde mehr als die schnellste ICE-Verbindung der Deutschen Bahn.

Und die Ausstattung?

Locomore-Zug: Waggon auf den Gleisen.
Der Zug fährt seit 14. Dezember 2016 zwischen Stuttgart und Berlin. Foto: FelixM via Wikimedia Commons

Zu erkennen ist Locomore an der knallorangenen Farbe. Für den Zug wurden ehemalige IC-Waggons modernisiert, mit Tischen, WLAN und Steckdosen ausgestattet. Passagiere können können zwischen „Basic“-Plätzen im Abteil, im Großraumbereich oder im Ruhebereich wählen. Dort soll weder telefoniert noch gesprochen werden. Der „Business“-Bereich bietet mehr Raum, kostenfreie Snacks, Getränke und Zeitungen.

Außerdem gibt es „Themenabteile“, in denen du zu online angekündigten Fragen mit anderen Passagieren diskutieren kannst. Außerdem gibt es „Multifunktionswagen“ mit Bereichen für Familien und Rollstuhlfahrer, Platz für Kinderwagen, Fahrräder und großes Gepäck. Kinderbücher und Spielzeugkisten sind ebenfalls an Bord.

Eine weitere Besonderheit in den Abteilen des Locomore-Zuges: Die Sitze können so ausgezogen werden, dass daraus eine Liegefläche wird, auf der sich Fahrgäste bequem ausstrecken können.

Was kostet die Fahrt?

Die Ticketpreise sind abhängig von der Nachfrage. Basic-Tickets sollen zwischen 7 und 22 Euro kosten, die Kurzstrecke Frankfurt-Darmstadt will Locomore ab 3 Euro anbieten. Business-Tickets gibt es je nach Verfügbarkeit und Fahrtstrecke von 13 bis 98 Euro.

Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bahn kostet eine Reise von Stuttgart nach Berlin ohne Vergünstigungen 142 Euro, mit BahnCard 50 sind es 71 Euro. Allerdings gibt es auch dort immer wieder Sonderangebote.

Wo kann ich Fahrkarten kaufen?

Tickets gibt es über die Service-Hotline 030/9203578-9 oder bei Locomore im Internet. Die Sitzplatz-Reservierung ist kostenlos. Wer das Ticket erst im Zug erwirbt, muss den Höchstpreis bezahlen.

Gibt es Verpflegung an Bord?

Locomore bietet einen Cateringservice am Platz mit warmen und kalten Getränken sowie diversen Snacks. Die Produkte sollen aus ökologischem Anbau und fairem Handel stammen.

Wo erfahren ich mehr über den Locomore?

Hier bei uns: reisereporter wird den Zug für euch testen. Die Ergebnisse gibt es in den nächsten Tagen. Natürlich auch mit Videos aus dem Locomore.