Hamburg: Backstage bei „König der Löwen“

Das Musical „König der Löwen“ läuft seit 15 Jahren in Hamburg – ein Highlight für den Städtetrip mit deiner Familie. Aber was passiert eigentlich hinter der Bühne, während ihr anreist? Wir haben die Kinderdarsteller vor der Show begleitet.

Mufasa und Simba schauen über das Königreich.
Mufasa und Simba schauen über das Königreich.

Foto: Stage Entertainment

18.35 Uhr: „Naaants ingonyamaaaa bagithi babaaa“ – Gänsehaut. Die ersten Töne von „König der Löwen“. Elefanten, Giraffen, Gnus, Löwen und Zebras schreiten durch den Zuschauerraum auf die Bühne und entführen uns in die Savanne Afrikas. Simba ist geboren. Gespielt wird der junge Löwe vom zehnjährigen Johnny. Seine Verwandlung begann vor mehreren Stunden.

Johnny und Athalia spielen in der ersten Hälfte von „König der Löwen“ Simba und Nala.
Johnny und Athalia spielen in der ersten Hälfte von „König der Löwen“ Simba und Nala. Foto: Maike Geißler

16 Uhr: Noch zweieinhalb Stunden bis zur Show. Johnny trägt, so gar nicht löwenmäßig, Jeans und Pullover. Auch von einer strubbeligen Mähne keine Spur, seine schwarzen Haare sind nur wenige Milimeter lang. Der Zehnjährige ist von der Schule direkt in die „Löwenschule“ gekommen, dort bereiten sich die Kinderdarsteller vor. Johnny probt eine Szene: „Hey Onkel Ska, rat mal, was iiiich weiß!“, ruft er durch den Raum.

Gib mir 101 – das ist ein Tick mehr als 100 Prozent.

Coach Felix Sauer

Nach Savanne fühlt es sich hier nicht an. Klavier, Ballettstange, grauer Boden. Coach Felix Sauer ist noch nicht ganz zufrieden: „Leg da noch mehr Emotion rein. Gib mir 101 – das ist ein Tick mehr als 100 Prozent.“ Felix Sauer leitet die Kinderabteilung von „König der Löwen“. Derzeit betreut er 21 Showkinder – zehn Simbas und elf Nalas. „Kinderdarsteller dürfen maximal 30 Tage pro Jahr auf der Bühne stehen, daher haben wir einen großen Pool“, erklärt Felix.

Johnny und Felix Sauer proben einen bekannten Satz aus „König der Löwen“.
„Ich werd' mal König vom Geweihten Land“: Johnny übt einen bekannten Satz aus „König der Löwen“. Foto: Maike Geißler

16.30 Uhr: Die erste Shuttle-Fähre legt gerade im Hamburger Hafen in Richtung Stage Theater auf der anderen Elbseite ab. Für Johnny geht es einen Raum weiter zum Einsingen. Inzwischen ist auch Athalia eingetroffen, die Neunjährige spielt heute in der Show die junge Nala. Zuerst „F z sch, f z sch“ und „woliwoliwo“ zum Stimmelockern, dann singen die Kinder zur Einstimmung „Ich will jetzt gleich König sein.“  Gesangslehrer Henrik Giese ist zufrieden: „Super ihr beiden. Weiter geht’s.“ 

„König der Löwen“: Hinter den Kulissen

Vom Einsingen bis zum Schminken: Wir haben die Kinderdarsteller von „König der Löwen“ backstage begleitet.

17.10 Uhr: Abfahrt zum Theater mit dem Kleinbus. Von Aufregung ist bei den Kindern nichts zu spüren. Seit drei Monaten stehen die Hamburger als kleine Löwen auf der Bühne. „Lampenfieber? Nee, hab ich nicht“, sagen beide. Dafür aber Lieblingsszenen, erzählen sie, während der Bus über die Freihafen-Elbbrücke fährt. Johnny singt gerne „Ich will jetzt gleich König sein“, Athalia mag’s gruselig: Die düstere Szene mit den Hyänen auf dem Elefantenfriedhof finde sie am besten – wegen der rockigen Musik.

17.30 Uhr: Ankunft am Theater. Keine Zeit zum Ausruhen, Athalia und Johnny flitzen direkt in die Umkleide im Kinderzimmer. Kuscheltiere liegen auf dem Sofa, „König der Löwen“-Bilder schmücken Wände und Türen. An einer Kleiderstange hängen die bunten Outfits in mehreren Größen – Kinder wachsen schnell. Zwei belegte Brötchen mit Salami warten auf die Kids. 

17.44 Uhr: „Das Orchester bitte zur Probe“, hallt es aus einem Lautsprecher im Backstage-Bereich. Johnny und Athalia sind umgezogen – Johnny trägt eine gelbe Pluderhose. „Beißt bitte noch mal vom Brötchen ab, ihr habt noch eine Minute“, sagt Betreuerin Svenja Kühl. Alles ist haargenau durchgetaktet. 

Schminken: Verwandlung in Simba & Nala

17.45 Uhr: Johnny und Athalia sitzen in der Maske auf schwarzen Drehstühlen. Ruhige klassische Musik füllt den Raum, auf einem kleinen Fernseher in der Ecke ist die Bühne zu sehen. Die Tänzer proben mit dem Orchester eine Savannen-Szene. Maskenbildnerin Svenja Nießner tupiert der jungen Nala-Darstellerin die Haare und flicht sie dann zu Zöpfen. Die beiden plaudern. „Schule war gut?“ „Ja, war okay.“

Johnny werden orangefarbene Linien von der Stirn bis zum Kinn aufgemalt, seine Brust und der Rücken rot gefärbt, eine Perücke mit Rastazöpfen wird am Kopf festgesteckt. Er ist still geworden. Doch Lampenfieber? „Nein, das Schminken ist oft ein Downer zum Runterkommen vor der Show“, sagt Felix Sauer. 

Rote Kriegsbemalung auf Rücken und Brust, orangene Linien im Gesicht: Johnny verwandelt sich in Simba.
Rote Kriegsbemalung auf Rücken und Brust, orangefarbene Linien im Gesicht: Johnny verwandelt sich in Simba. Foto: Maike Geißler

18.04 Uhr: Die ersten Zuschauer sitzen bereits auf ihren Plätzen, noch 25 Minuten bis Showbeginn. Johnny und Athalia sind fertig geschminkt, sie sehen nun aus wie Simba und Nala. Fast. Denn die Neunjährige trägt über ihrem Löwenkostüm noch einen grauen Anzug. „Ich spiele in der Eröffnungsszene zuerst den kleinen Elefanten“, verrät sie. 

18.23 Uhr: Die Eingangstüren zum Zuschauerraum werden geschlossen, es kommen nur noch Nachzügler. Für die Darsteller geht‘s los in Richtung Bühne. Felix Sauer begleitet Johnny bis „fast zehn Zentimeter vor die Bühne“, so der Coach. Vier Gassen gibt es links und rechts der Bühne. Zwanzig Minuten später hüpft Johnny als Simba aus der Gasse hinten rechts. It’s showtime!

19.42 Uhr: Pause für die Zuschauer, Feierabend für Johnny, Athalia – und auch für Felix Sauer und Svenja Kühl. Wenn gut eineinhalb Stunden später der Schlussapplaus aufbrandet, sind Johnny und Athalia längst im Bett. Morgen ist schließlich Schule. 

Video: Backstage bei „König der Löwen“

 

15 Jahre „König der Löwen“

In der Maske wurden 27.591 Kosmetiktücher, 37.412 feuchte Tücher, 2,1 Tonnen Make-up, 8.456 Paar Kunstwimpern und 3.056 Schminkschwämme verbraucht.

Die Kostümabteilung hat mehr als 400 Kostüme, 400 Puppets, Masken und Requisiten für 25 verschiedene Tierarten

Zazu in der Werkstatt: Die bekannte Handpuppe aus dem Musical „König der Löwen“.
Zazu in der Werkstatt: Darsteller Joachim Benoit haucht der Puppe auf der Bühne Leben ein. Foto: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Die Story des Musicals

„König der Löwen“ erzählt die Geschichte des Löwen Simba. Sein Vater Mufasa ist König, ihm gehört das Reich. Sein Sohn soll ihm später auf den Thron folgen. Aber Mufasas Bruder Scar schmiedet eine Intrige, um den Thron selbst besteigen zu können: Er tötet Mufasa und gibt Simba die Schuld dafür. Nachdem er Simba vertrieben hat, krönt Scar sich selbst zum neuen König der Löwen. Unter seiner Schreckensherrschaft leiden alle Tiere und das Geweihte Land verödet.

Simba schließt sich dem Warzenschwein Pumba und dem Erdmännchen Timon an und lebt nach dem Motto „Hakuna Matata“ mit ihnen im Dschungel. Als seine Freundin, die Löwin Nala ihn findet, wird er sich seiner Verantwortung bewusst. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft er gegen Scar und wird König.

Das Musical "König der Löwen" ist eine Fabel über den Kreislauf des Lebens. Es basiert auf dem gleichnamigen Disney-Film aus dem Jahr 1994. Die berühmte Filmmusik von Sir  Elton John und Sir TimRice (unter anderem „Circle of Life“, „Ich will jetzt gleich König sein“) wurde für die Bühnenversion erweitert. 

 

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Die Autorin
Maike Geißler ist Redakteurin, Afrika-Fan, Abenteuer-Suchende. Seit sie zwei Monate in Namibia für eine Zeitung gearbeitet hat, ist Fernweh ihr ständiger Begleiter. Hat keine Lust ... mehr
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