Yukon: Goldsucher & Grizzlys in Kanada

Grizzlybären am Straßenrand? Normal ... Das erlebst du bei einer Reise durch die kanadische Provinz Yukon.

Eine Straße führt durch den Kluane-Nationalpark.
Der Kluane-Nationalpark im Westen Kanadas zieht sich bis nach Alaska.

Foto: imago/imagebroker

Das eisige Wasser ist trotz der Gummistiefel zu spüren, die Schüssel in der Hand ist voll mit Flusssteinen und deshalb schwer. Und die gebeugte Körperhaltung ist alles andere als rückenschonend: Mitten im wadentiefen Fluss Hunker Creek steht unsere Reisegruppe und ist im Goldrausch. Langsam muss der Inhalt der Schüssel im Wasser hin- und hergeschwenkt werden, mit gefühlvollen, kreisenden Bewegungen. Immer wieder. Dann müssen ein paar der Steine wieder ins Wasser gekippt werden. Immer mehr. Bis dann nur noch so wenig Steine in der Schüssel liegen, dass die winzigen Goldstückchen dazwischen glänzen.

In der heutigen kanadischen Provinz Yukon, ganz im Westen an der Grenze zum US-Bundesstaat Alaska gelegen, startete Ende des 19. Jahrhunderts der große Goldrausch. Eine Frau hatte im August 1893 im Bach Rabbit Creek in der Nähe von Dawson beim Schöpfen von Kaffeewasser zufällig ein Goldnugget entdeckt.

Immer noch im Goldrausch

Zehntausende Glücksritter auf der Suche nach Gold strömten daraufhin in die Gegend, nachdem sich der Fund herumgesprochen hatte. Dawson wuchs innerhalb weniger Monate von einem verschlafenen Nest zur riesigen Stadt mit 45.000 Einwohnern, der Champagner floss in Strömen, vor allem Besitzer von Bars und Bordellen wurden reich. Noch heute wird in den Flusstälern um die alte Goldgräberstadt Dawson City nach Gold geschürft – jetzt aber mit riesigen Maschinen und viel Lärm.

Justin Millar sucht hier professionell nach Gold. Normalerweise hat er große Pumpen in Betrieb, mit denen der 23-Jährige gemeinsam mit seinem Vater David Wasser und Steine aus dem Flussbett in eine Schüttelanlage pumpt. Jetzt hilft Justin Millar der Gruppe bei den kreisenden Bewegungen. Und er erläuterte das schlichte Naturgesetz: Gold ist 19-mal schwerer als Wasser, die Steine sind nur viermal schwerer als das Wasser. Deshalb müsste das Gold sich auf dem Boden der Schüssel sammeln. Theoretisch. So versucht auch Konrad Auch das Naturgesetz praktisch anzuwenden. Immer wieder muss sich Auch dazu bücken, um neues Wasser zum Spülen in die Schüssel zu kippen.

Grizzlybären am Straßenrand? Normal ...

Nur ein paar Kilometer von der Gegend um Dawson City ist der Yukon ganz anders. Keine Maschinen, keine Menschen, die in Flüssen stehen. Die Provinz (fast zweimal so groß wie Deutschland, 20 Verkehrsampeln, 37.000 Einwohner, 15.000 Bären) besteht vor allem aus endloser, einsamer Landschaft. Riesige Wälder, klare Flüsse und Seen und beeindruckende Berge am Horizont. Oft scheinbar endlos.

Auch auf dem Weg zum Kluane National Park and Reserve. Auf der Straße kommt Menschen nur alle paar Minuten ein Auto entgegen, manchmal dauert es eine halbe Stunde. Im Park führt seit dreißig Jahren Brant Little die Besucher. Er erzählt, dass die Tannen im Yukon viel schlanker sind als anderswo, weil sie hier möglichst schnell ins Licht wachsen. Dabei sind die Temperaturen im Sommer angenehm. Tagsüber oft zwischen 20 und 30 Grad Celsius, die Luft ist trocken, in den klaren Nächten kühlt es sich aber richtig ab.

„Hier war heute schon ein Grizzly-Bär“, sagt Little, und plötzlich wird es in der Gruppe deutlich ruhiger. Der erfahrene Naturführer zieht ein paar Haare aus einer Baumrinde am Wegesrand. Der Bär reibt sich den Rücken an dem Baum, als Reviermarkierung. Jetzt lässt sich der Grizzly nicht blicken, was den meisten aus der Gruppe aber eigentlich auch ganz recht ist. Brant Little dagegen meint, man müsse sich nur richtig verhalten, dann passiere auch nichts.

Grizzlybär in Kanada.
Grizzlybären triffst du in Yukon auch am Straßenrand, wie diesen hier zwischen Blaubeeren. Foto: imago/imagebroker

Wenn man sich nicht so gut auskennt, ist eine Begegnung aus dem Auto am sichersten – und auch eigentlich recht einfach: Am Rande der wenigen, wenig befahrenen Straßen sind immer wieder Bären unterwegs. Besonders dort, wo der Löwenzahn blüht. Deshalb liegt die Kamera im Auto auch immer griffbereit. Gemächlich anhalten, Motor ausstellen und den Anblick genießen. Aussteigen sollten die Autoinsassen am besten nicht.

Aber nicht nur Bären sind leichte Beute für die Kamera. Immer wieder laufen im Yukon Stachelschweine vorbei. Vor allem in den Morgenstunden sind Elche, die sich in Seen pflegen, häufig zu sehen. Eine ganze Kolonie von Weißkopfseeadlern lässt sich problemlos in der Nähe der Yukon-Hauptstadt Whitehorse beobachten. Und futtersuchende Koyoten triffst du auch.

Mit dem Wohnmobil durch Yukon: Luxus oder Idylle

Die meisten Touristen sind im Yukon mit Wohnmobilen unterwegs, deren Größe sich zuweilen mit der üblicher Sattelschlepper vergleichen lässt – einige davon ziehen dann noch ein Auto hinter sich her. Dementsprechend sind auch die Campingplätze ausgestattet: mit extra-breiten und extralangen Stellplätzen. Die idyllischeren Plätze, meist direkt an einem weiten See oder an einem mit Felsbrocken gespickten Fluss gelegen, finden sich abseits der Straßen. Sie sind dann aber für die Riesencaravans nicht mehr so leicht zu erreichen. Wer seine Augen während der Fahrt aufmacht oder andere Reisende fragt, findet solche wilden Plätze, an denen man die Nacht in der Wildnis ganz allein verbringt.

Van views of the Yukon.

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Peter Wilhelm hat so einen Platz gefunden. Der 38-Jährige aus Frankfurt ist mit der spektakulär an Seen und Bergen vorbei geführten White-Pass-Eisenbahn in das frühere Indianerdorf Bennett gefahren, im Südwesten, schon ein paar Kilometer in der kanadischen Provinz British Columbia gelegen. Dort hat er für drei Wochen eine kleine, schlichte Hütte gemietet – mit einem traumhaften Blick auf den Lake Bennett und die dahinter liegenden Berge des Yukon. Die einzige Verbindung zur Zivilisation ist der Zug, der einmal täglich vorbeikommt. „Ich wollte einfach mal meine Ruhe haben“, sagt Wilhelm.

Beim Goldsuchen hat Konrad Auch alles richtig gemacht. In Auchs Schüssel hat Millar zwischen den restlichen Steinen zwei winzige Goldstücken entdeckt – deren Wert liegt bei fünfzig Cent. Aber immerhin, das eigene gefundene Gold, erkämpft mit Rückenschmerzen, ist – gut verstöpselt in einem kleinen Glasröhrchen mit Wasser – eine schöne Erinnerung an den Urlaub in Yukon.

Tipps & Infos für deinen Kanada-Urlaub

Anreise: Die Fluggesellschaft Condor fliegt während der Sommersaison einmal wöchentlich von Frankfurt am Main nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon. Whitehorse ist ein guter Startpunkt für eine Tour mit dem Wohnmobil oder mit dem Leihwagen.

Einreise: Wer einreisen will, muss vorher über das Internet eine sogenannte elektronische Einreiseerlaubnis ausfüllen, in der unter anderem auch nach eventuellen Krankheiten gefragt wird.

Unterkunft: In den meisten größeren Orten der Provinz gibt es Hotels oder andere Unterkünfte. Eine vorherige Reservierung vor allem in der Hauptsaison ist jedoch ratsam.

Führerschein: Ein internationaler Führerschein ist in Kanada nicht erforderlich.

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