Südafrika: Wein & wilde Tiere | reisereporter.de

Südafrika: Wilde Tiere & Weltklasse-Weine

Aus dem Busch nach Kapstadt: In Südafrika kannst du wilde Tiere und erlesene Weine kennenlernen.

Die Madenhacker sind von den Wasserbüffeln geduldete Dauergäste. Sie halten die Parasiten im Fell im Zaum.
Die Madenhacker sind von den Wasserbüffeln geduldete Dauergäste. Sie halten die Parasiten im Fell im Zaum.

Foto: Matthias Wiemer

Ein heißer, trockener Wind schlägt uns entgegen, als wir auf der einfachen Buschpiste aus der kleinen Turboprop-Maschine steigen. Wildhüter Grant Pangilly (27) lächelt und hilft den Passagieren von der schwankenden Gangway: „Welcome to Singita!“

Das Sabi-Sands-Natur- und Wildreservat ist das erste von zwei Zielen in Südafrika. Ein offener Großraum-Land-Rover schaukelt die 20 eben gelandeten Passagiere in einem um die 40 Grad heißen Fönstrom durch das Buschland zur Lodge-Anlage – mitten in der afrikanischen Wildnis. Vor dem Hauptgebäude des aus mehreren Lodges bestehenden Ferienanwesens Singita Sabi Sand steht stets ein dienstbarer Geist und reicht den Ankommenden ein in Zitruswasser getränktes Tuch zur Erfrischung. Ein bisschen umfängt den Gast ein Hauch der Atmosphäre aus dem Erfolgsfilm „Jenseits von Afrika“.

Südafrika: Safari & Weingenuss

Gleich kommt sicherlich Karen Blixen alias Meryl Streep durch die Tür und lächelt dem wartenden Denys Finch Hatton entgegen. Wildnis, Abenteuer-Flair bei angenehm klimatisiertem Spitzenkomfort – das ist das Singita-Konzept. Manches ist dennoch ganz anders als ein gewöhnlicher Urlaub. Etwa der bewaffnete Bodyguard für jeden, der sich innerhalb der Anlage bewegt. Für die großen Tiere gibt es draußen starke Elektrozäune.

Luxuriös schlafen im Sabi-Reservat

Der Wecker beendet den Schlaf im Luxus-Appartement um kurz vor fünf. Beim Kaffee in der Bar im Stehen klopft Wildhüter Pengilly auf seine Armbanduhr, greift sein Gewehr: „Wir müssen los, jetzt lagern die Löwen am Fluss. Wenn es heiß wird, sind sie schnell weg.“ Vier Frauen und Männer klettern wenig später zu ihrer ersten Safari auf die Sitze des offenen Land-Rovers. Die beiden Ranger Grant Pengilly und Walter Mabilane haben am Lenkrad und auf dem exponierten Außensitz neben dem Kühler Position bezogen, der Land-Rover mahlt sich durch die Sandpiste.

Giraffen, Springböcke, Impalas, Flusspferde, Zebras und natürlich die legendären „Big Five“: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard – sie sind alle da. Dösend im bleichgoldenen Savannengras oder friedlich vereint an der Wasserstelle. Eine große Herde Büffel zieht gemächlich an dem Touristengefährt vorüber, als wäre es gar nicht da. Dazwischen tummeln sich behände zahlreiche Impalas. Kaum ein Tier scheint von den Touristen Notiz zu nehmen, obwohl man sich gegenseitig fast riechen kann, so nah sind Mensch und Wildtier beieinander. „Sie respektieren uns wie ein anderes großes Tier, solange wir eine Einheit auf dem Fahrzeug bilden. Das kann sich schnell ändern, würde ein Einzelner aussteigen und auf sie zugehen“, erklärt Grant Pengilly.

Entspannung im Pool

Wenig später am Pool. Grünmeerkatzen flitzen umher, klauen alles, was sie greifen können. Das Lodgepersonal hat immer eine Zwille parat. Dennoch ergattern die gewitzten Tiere immer wieder mal ein Frühstückscroissant. Weiter unten am Fluss bespritzen sich genüsslich ein paar Elefanten mit Wasser. Wo hat man schon wilde Elefanten als Frühstücksgesellschaft?

Für diesen Luxus steht der Name Singita. Er rührt aus einem einheimischen Dialekt her und bedeutet „Ort der Wunder“. 1925 gründete der britische Naturfreund James Bailes die ersten Lodges. Sein Enkel machte daraus eine Marke, die für eine bestimmte Art luxuriösen Reisens in die afrikanische Wildnis steht.

Filmstar Leonardo DiCaprio, Rocklegende Slash von Guns ’n’ Roses und andere Stars weilten schon hier. So ein besonderer Mix aus Filmkulisse, echter Wildnis und purem Luxus – mit eigenem Weinkeller und regionaler Sterneküche – hat eben seine besondere Anziehung. Für diejenigen, die bereit sind, viel Geld dafür auszugeben.

Kapstadt: erlesene Weine

Wir reisen weiter vom Busch in eine fast heimisch wirkende Umgebung – nach Kapstadt. Die Metropole ist Mandela-Town. Das Antlitz des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, der zuvor von den weißen Herrschern in der Hochphase der Apartheid für ein Vierteljahrhundert ins Gefängnis gesteckt worden war, ist hier allgegenwärtig. An Hauswänden, in Hotelhallen, auf Straßenschildern. Auch im One & Only nahe der Waterfront, das zur gleichnamigen Nobel-Hotelkette gehört. Dort will man die Europäer etwas näher vertraut mit dem machen, was manchen Weinkenner schon länger wissend nicken lässt: die nahegelegenen Winelands.

Die sehr kraftvollen, aber auch feinfruchtigen Weine, die hier hergestellt werden, haben längst in aller Welt ihre Anhänger gefunden. Die Weingüter hier bieten mehr als malerische Rebenhügel und Verkostung aus alten Fässern: edel ausgestaltete Gebäude in üppigen Gartenanlagen mit exklusiver Bewirtung vor gigantischer Hochgebirgskulisse. Hier kannst du eine schöne Zeit haben – wenn du wohlbetucht und wohl eher weiß bist. Denn auch nach rund 20 Jahren Abschied von der Zeit der Apartheid findet sich immer noch eine ziemlich klare Rollenaufteilung in Südafrika. Die Weißen sind nach wie vor die Besitzenden, und die Schwarzen bedienen sie.

Zurück aus den Winelands im One & Only. Das Hotel gibt sich modern, weltoffen und scheint frei von jeder Spur von Postkolonialismus. Die multikulturelle Offenheit wird auch über die Erfolgsgeschichte von Reuben Riffel, dem jungen schwarzen Sternekoch, definiert. In seinem im Hotel befindlichen Restaurant Reuben’s gehen Prominente genauso ein und aus wie in dem zweiten dort von ihm mit geführten Restaurant Nobo.

„Ein Großteil unserer Gäste sind Einheimische“, sagt O-&-O-Marketing-Vizechefin Ashleigh Fleming nicht ohne Stolz. In diesem Haus werde ein Stil der Unvoreingenommenheit gepflegt. Vergangenes ist Geschichte, es gibt nichts, dem nachzutrauern wäre.

Elefanten, Affen, erlesene Weine, ausgesuchte Gastlichkeit sind sicher nur ein Spotlight aus einem großen Land von nach wie vor einzigartiger Stellung in Afrika und immer noch voller Widersprüche und Umbrüche. Auf der Fahrt zum Flughafen noch ein flüchtiger Blick auf die Townships, die es sicher auch noch länger geben wird. Sechs Tage wie ein Appetithappen, der neugierig machte auf mehr. „T-i-A“, wie Ashleigh Fleming sagte: „That is Africa“.

Tipps zur Anreise

Bei Fluggesellschaften wie Lufthansa oder South African Airways sind Flüge von Frankfurt oder München nach Johannesburg/Kapstadt ab etwa 500 Euro pro Person buchbar. Flugzeit: circa 10,5 Stunden (München–Johannesburg). Von Johannesburg dauert die Anreise mit dem Auto rund sechs Stunden. Es gibt tägliche Flüge (etwa 70 Minuten) von Johannesburg zur privaten Landepiste von Singita.

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