Pyrenäen: Rafting & Wandern im Outdoorparadies

In den katalanischen Pyrenäen im Nordosten Spaniens kommen Naturfreunde und Outdoorfans auf ihre Kosten.

Wildwasserrafting.
Rasant unterwegs: Wildwasser-Rafting in den Pyrenäen.

Foto: Outdoor Adventour

Der morgendliche Blick aus dem Schlafzimmerfenster hat beinahe etwas Erhabenes. Der Himmel ist blau und die Sonne taucht den Berggipfel in ein warmes Licht. Der über Nacht gefallene Schnee sieht aus wie Puderzucker. Wo waren wir noch gleich? In Österreich? Oder der Schweiz? Nein, in Spanien. Genauer im katalanischen Teil der Pyrenäen. Der Ort heißt Vielha, hat rund 5.000 Einwohner, kleine schnuckelige Hotels und Restaurants und ist morgens noch in einen fahlen Schatten gehüllt. Denn Vielha liegt auf 980 Metern Höhe und ist komplett von Hügeln umgeben. Auch im Sommer kann es daher morgens noch etwas frisch sein.

Richtig frisch und aufgedreht ist Francisco Comas vom Copos Skicenter, das im Winter Komplett-Pakete für Skifahrer anbietet und im Sommer mittlerweile auf Mountainbike-Touren setzt. „Uphill, downhill – wir haben hier Hunderte von Radkilometern auch für Anfänger“, sagt er mit einem verschmitzten Grinsen und zeigt seine neuesten Errungenschaften: die Mountainbikes mit Elektroantrieb. Sie sind schwarz-grün lackiert und passen damit perfekt in die extrem grüne Landschaft und die dichten Wälder.

„Hier im Val d’Aran ist es viel grüner als in den benachbarten Provinzen. Man kann das ganze Jahr über die Natur genießen“, erklärt Francisco unterwegs mit Blick auf die Garonne, die hier im Tal entspringt. Sein wettergegerbtes Gesicht sieht dabei tatsächlich so aus, als ob er allenfalls zum Schlafen ein Haus betreten würde. Nicht von ungefähr schwärmten auch Wanderer und Rennrad-Sportler von den Schönheiten und Herausforderungen der Gegend.

Durch die Pyrenäen: Mountain-E-Bike oder Pferd

Das Val d’Aran im äußersten Nordwesten Kataloniens, an der Grenze zu Aragonien, sei in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Fleckchen Erde, hatte im Vorwege Agnes von der Agentur Katalonien-Tourismus erklärt. „Die Bewohner fühlen sich als etwas Besonderes und Eigenständiges und nirgendwo zugehörig.“ Zum Beispiel sprechen sie mit Aranesisch ihre eigene Sprache und fühlen sich kulturell sowie wirtschaftlich eher der benachbarten französischen Provinz Gascogne verbunden. „Aufgrund der einzigartigen Lage quasi hinter den Pyrenäen herrscht hier ein atlantisches Klima, gibt es eine andere Flora und Fauna als in den übrigen Teilen der katalanischen Pyrenäen“, erzählt Agnes, die mit uns radelt und locker einige kleinere Anstiege bewältigt.

Wem Fahrradfahren – trotz möglicher E-Bike-Hilfe – zu anstrengend ist, der kann sich nur ein paar Meter weiter auf einem Pferderücken den Berg hochtragen lassen. Wer die Zügel straff in seinen Händen hält, bekommt wunderbare Ausblicke auf das immer kleiner werdende Örtchen Vielha.

Auf dem Pferd durch die Pyrenäen.
Ob auf dem Fahrrad oder auf dem Pferderücken: In den Pyrenäen gibt es eine Vielzahl an Touren, die du machen kannst. Foto: Joan Torrens

Ganz oben in einem kleinen Dorf gibt es Wasser für die Pferde und bei einem lokalen Bierproduzenten ein köstliches Cerveza. Wieder ganz unten zeigt uns der Besitzer des Reiterhofes nicht nur den riesigen Stall mit fast 100 Pferden, sondern auch seinen ganzen Stolz: Unter einer Plane kommt ein wunderschöner Schlitten zum Vorschein, der es locker mit dem von Santa Claus aufnehmen kann. Wie die Kollegen vom Copos Skicenter hat sich also auch die Pferdeschule mittlerweile für einen ganzjährigen Betrieb aufgestellt.

Im Neoprenanzug einen Sturzbach hinunter

Wir fahren noch weiter nach Norden und sind nun kurz vor der französischen Grenze in Bausen. Dort können sich Outdoorfans im Canyoning probieren. Das ist quasi Bergsteigen, nur andersherum und durch einen kalten Sturzbach. Warum man das macht? Gute Frage. Wir probieren es einfach aus.

Canyoning in den Pyrenäen.
Beim Canyoning in den Pyrenäen gilt: Vertraue keinem Felsen. Foto: Deportur

Vor den Wasser- und Kletterspaß haben die Guides des Adventure Park jedoch das Hineinzwängen in den Ganzkörper-Neoprenanzug gesetzt. Wichtig: An den Beinen den Anzug später über die Wasserschuhe ziehen. Wer will, kann auch Handschuhe tragen. Nicht freiwillig, sondern verpflichtend ist dagegen das Tragen eines Helmes.

Die ersten Meter führen noch über Waldboden und durch dichtes Grün, ehe es zum ersten Mal ins Wasser und über rutschige Steine geht. „Vertraue keinem Felsen“: Der Satz wird den gesamten Weg hinunter in unseren Köpfen bleiben. Zum Glück zeigt uns Tourguide Juan einige Abstütztechniken oder wie man geschickt auf dem Allerwertesten weiterrutscht. Das Beste kommt zum Schluss: die beiden Wasserfälle. Ein Heidenspaß, dort hinunterzuspringen.

Wandern im einzigen katalonischen Nationalpark

Beeindruckende Wasserfälle gibt es im Parc Nacional d’Aigüestortes i Estany de Sant Maurici südlich des Val d’Aran, dem einzigen Nationalpark Kataloniens. Wanderfreunden bietet sich hier – ähnlich wie etwas weiter südlich im Mont-Rebei-Gebiet – ein riesiges Areal für ausgedehnte Spaziergänge. Aber auch mehrtägige Touren von Hütte zu Hütte werden angeboten. Gut möglich, dass man dabei dem einen oder anderen Berggeist begegnet. Von diesen wissen vor allem die Einwohner der Stadt Espot viele Legenden zu berichten.

Die nüchternen wie zugleich beeindruckenden Fakten sind dagegen diese: mehr als 200 Bergseen und vier Gipfel über 3.000 Meter. Wer Glück hat, sieht sogar Murmeltiere. Zumindest eines wartet als Maskottchen in der Tourismus-Zentrale in Espot. Gleich nebenan können sich die Aktivtouristen im Restaurant Juquim stärken. Unbedingt kosten: die Hirtensuppe mit Knoblauch und Käsebrot.

Wildwasser-Rafting wie Olympioniken

Wer vom Canyoning so richtig begeistert war, kann sich in weitere Wasser-Aktivitäten stürzen. In La Seu d’Urgell ganz in der Nähe von Andorra steht die Wildwasser-Kanurennstrecke der olympischen Sommerspiele von Barcelona 1992. Sie kann heute von jedermann genutzt werden. Aber Obacht: Es geht rasant zu, auch die dicken Schlauchboote bieten keine Garantie dafür, nicht umzukippen.

Wildwasserrafting in den Pyrenäen.
Wildwasser-Rafting auf dem Fluss Noguera Pallaresa. Foto: Joan Torrens

Und in Sort wenige Kilometer weiter westlich haben sich mehrere abenteuerlustige wie auch sonst sehr unterhaltsame Jungs zusammengetan, um die La-Rafting-Company für besondere Outdoor-Events ins Leben zu rufen. Für uns heißt es wieder Neoprenanzug anziehen, diesmal rein ins dicke Rafting-Schlauchboot und rauf auf den Noguera Pallaresa.

Unser Guide weiß nicht nur genau, was er tut und uns machen lässt, sondern ist dabei auch wirklich witzig. Im richtigen Moment weiß er aber auch zu schweigen. So, als wir – nach manchmal doch etwas extremem Wellengang – in die atemberaubende Schlucht Congost de Collegats hineinpaddeln. Ein Anblick, den du nicht wieder vergisst. Auf beiden Seiten steil nach oben ragende Klippen, die gern auch von Freeclimbern erobert werden wollen, und über allem kreisende Bartgeier.

Wir werden jedoch keine Beute der schwarz-braun gefiederten Vögel, sondern steigen aus und wandern in ein nahezu unberührtes Tal. Dort hat die Agentur mit Sondererlaubnis ein Camp mit Vier-Mann-Zelten aufgebaut und bereitet in einer riesigen Pfanne ein lokales Gericht mit Reis und heimischen Pilzen aus dem Wald zu. Der Abend bei Vollmond wird spätestens dann zu einem unvergesslichen Erlebnis, als Montse ihr Sternenteleskop aufbaut und jedem Einzelnen den Nachthimmel erklärt. „Allerdings“, sagt die Meteorologin, „muss man vorher einen Ratafia trinken.“ Schwarzer Kräuterschnaps zu dunkelblauem Himmelszelt – eine magische Nacht an einem der dunkelsten Orte in den Pyrenäen beginnt ...

Tipps zur Anreise

Direktflüge (ab 100 Euro) nach Barcelona gibt es von allen größeren deutschen Flughäfen wie Hamburg, Hannover oder Berlin mit Lufthansa, Air Berlin, Eurowings, Ryanair, Norwegian Air, Swiss, Iberia oder Vueling. Von Regionalflughäfen bietet Ryanair Flüge nach Girona an. Die Anreise ist auch mit Bus und Bahn möglich.

Klima:

Im Juli und August, den wärmsten Monaten, wird es in den tiefer gelegenen Regionen bis zu 35 Grad Celsius warm. Die Nächte sind dennoch angenehm kühl. Die beste Reisezeit fürs Gebirge ist der Juni, dann ist es noch nicht zu heiß. Im August kommen besonders viele Touristen.

Unterkünfte:

In Vielha gibt es mehrere Hotels: Nou VielhaAran La AbuelaDelavall, Ribaeta und Pirene.

Aktivitäten:

Die Reitschule Escuela de Equitacion in Vielha bietet Ausritte von einer bis drei Stunden, aber auch über mehrere Tage. Bei verschiedenen Anbietern können Reisende Canyoning, Rafting- und Wildwasserabenteuer buchen, aber auch Mountainbiketouren.

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